Auch der Pferdesport steht vor besonderen Herausforderungen in Coronazeiten

Kreisreiterbund-Vorsitzende Bonacker: „Reitunterricht wieder erlauben“

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Pause ist angesagt: Der Startschuss in die Reitsaison wird sich weit nach hinten schieben, bis einschließlich Juni sind alle Turniere abgesagt. Da steht, wie hier für den Bad Wildunger Daniel Erd auf Cape Town de Pierre, nur Training an.

Frankenberg - Auch der Reit- und Pferdesport steht wegen der Corona-Krise still. Man sollte wenigstens den Reitunterricht wieder erlauben, wünscht sich Jutta Bonacker, die Vorsitzende des Kreisreiterbundes Waldeck-Frankenberg.

Eingestellter Reitunterricht, Sicherheitsabstände, erhöhte Hygienemaßnahmen und kurze Zeiten im Stall: Auch die Reiter stehen derzeit wegen der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Hinzu kommt, dass alle Turniere bis einschließlich Ende Juni abgesagt wurden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dieses Jahr überhaupt noch eine Saison haben“, sagt Jutta Bonacker, die Vorsitzende des Kreisreiterbundes Waldeck-Frankenberg, im Interview.

Die grüne Saison hätte in diesen Tagen starten sollen, bis Ende August dürfen keine Großveranstaltungen stattfinden. Fällt die Saison dann komplett ins Wasser?

Die Frage ist, was groß ist? Das muss erst einmal geklärt werden. Aber abgesehen davon, wie will man alle Hygieneregeln einhalten und garantieren? Und wie will man beispielsweise die Abstandsregelung einhalten? Das ist eine logistische Herausforderung und ich weiß nicht, wie man das händeln kann. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass wir dieses Jahr überhaupt noch eine Saison haben – zumindest nicht draußen.

Wären Hallenturniere im Winter eine Option?

Das wird auch nicht so einfach gehen. Die Vereine können zwar für Herbst oder Winter ein neues Turnier anmelden, aber da muss auch das Wetter mitspielen. Normalerweise haben wir von November bis Ende Februar Winter, da kommt man mit den Pferden kaum vom Hof. Das müssen die Vereine aber letztlich selbst entscheiden, aber die meisten haben keine zweite Halle und die ist eben nötig, weil man eine zum Abreiten und eine weitere Halle fürs Turnier selbst benötigt.

Und Turniere unter Ausschluss der Öffentlichkeit?

Auch das ist kaum machbar. Nehmen wir mal Lelbach als Beispiel: Da gibt es so viele Zugangsmöglichkeiten über Feldwege, wie will der Veranstalter da garantieren, dass keine Zuschauer kommen? Das Risiko einer Bestrafung ist viel zu hoch. Außerdem ist der Verein auf Zuschauer angewiesen, anders kann man ein Turnier kaum stemmen. Dem Verein bleibt meistens nur das als Gewinn, was der Zuschauer für Essen und Getränke ausgibt.

Was bedeutet es, wenn der Wettkampfbetrieb im schlimmsten Fall ein komplettes Jahr nicht stattfinden kann?

Reiter und Pferd pausieren nicht, die trainieren für sich, die Pferde müssen ja geritten werden, die kommen also nicht aus dem Ritt. Aber der Pferdehandel wird enorm leiden. Die Berufsreiter stellen auf den Turnieren die Pferde vor, die zum Verkauf stehen, das fällt jetzt alles weg. Den Berufsreiter trifft ein Saisonausfall recht hart, der Privatreiter, der einfach nur Spaß am Sport hat, hat keine großen finanziellen Einbußen.

Wie groß ist die Not bei den Vereinen, wenn Turniere ausfallen, wichtige Einnahmen durch Reitstunden wegfallen und die Pferde aber trotzdem versorgt werden müssen?

Ich kann es nicht einschätzen. Wir haben auch nicht so viele Vereine, die direkt vom Reitbetrieb leben. Die, die Schulpferde haben, haben natürlich Kosten, die jetzt nicht wieder rein kommen. Und wenn ein Verein sein Konzept so ausgelegt hat, sich über Turniereinnahmen zu finanzieren, dann ist eine Absage bitter. Aber genau für diesen Fall hat das Land Hessen am Montag ein Förderprogramm gestartet, um die ausgefallenen Einnahmen, die ein gemeinnütziger Verein beispielsweise über Turniere erzielt hätte, zu kompensieren. Eine Förderung bis zu 10000 Euro ist möglich. Damit können ein Turnierverlust und Reitstunden mit abgefedert werden. Mal abgesehen vom Finanziellen, hätte ich mir trotzdem mehr Öffnung gewünscht.

Was genau meinen Sie?

Wenn Frisöre und Kosmetikstudios wieder öffnen dürfen, dann kann man meiner Meinung nach auch den Reitunterricht wieder erlauben. Da fehlt mir das Verbotsverständnis, die Pferde müssen ja auch versorgt werden. Beim Reitunterricht kann man ja genügend Abstand halten und aufpassen.

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