Erst Spangenberg, dann Schweden: Markus Beerbaum reitet wieder für Deutschland

Er will es noch mal wissen

Erfolgsteam: Markus Beerbaum (rechts) mit seinem Pferd Cool Hand Luke und Mitarbeiterin Milka Kaitanen. Foto: Kasiewicz

Spangenberg. So schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe. Hier ein Selfie, da ein Autogramm. Zwischendurch ein Wortwechsel mit Ehefrau Meredith Michaels-Beerbaum auf Englisch – Markus Beerbaum nimmt sich Zeit für die Wünsche derer, die ihn hier am Abreiteplatz auf dem Turniergelände in Spangenberg umgeben. Mit Cool Hand Luke hat er die 1. Qualifikation zur Mittleren Tour als 16. von 64 beendet.

Seine Frau, die amerikanische Wurzeln hat, dreht lachend auf ihrem Calle ein paar Runden. Sie wird am Ende Fünfte. „Sie hat ein neues Pferd und ist deshalb gerade ganz begeistert. Die beiden harmonieren prächtig“, erklärt Beerbaum.

Der 46-Jährige meldet sich in diesen Tagen zurück in den höchsten Sphären des Springsports. Zwölf Jahre ist es her, seitdem sich der jüngere Bruder von Olympiasieger Ludger Beerbaum (53) vom großen Wettkampfsport zurückgezogen hat. Es fehlte an richtig guten Pferden. Seine Frau startete international durch. Der Mannschaftsweltmeister von 1998 aber arbeitete in der zweiten Reihe. Als Berater, Trainer, Ausbilder. Auf dem Gut in Thedinghausen sind viele junge Amerikaner zu Gast. „Klar habe ich nicht die Lust an Pferden verloren“, erklärt er. Ein Beerbaum kann wohl einfach nicht ganz ohne Vierbeiner. „In den Fingern aber hat es immer gekribbelt.“ Und nach einem eher zufälligen Gespräch mit einem Sponsor reifte der wichtige Entschluss: Ich will es noch einmal wissen.

In der kommenden Woche nun steigt Markus Beerbaum erstmals wieder für Deutschland in den Sattel. Beim Nationenpreis im schwedischen Falsterbro, danach geht’s weiter zum Klassiker nach Aachen, dem Chio. Mit Comanche hat er nun wieder ein Pferd, mit dem es einfach passt. Dieses gewisse Etwas hatte zwischen seiner Frau und dem Oldenburger Wallach gefehlt. Deshalb trat sie ihn an ihren Mann ab. „Es liegen schöne Wochen vor mir. Ich will sie genießen“, sagt Markus Beerbaum. „Aber bei aller Freude, ein gewisser Druck ist natürlich auch da. Denn ich will es möglichst gut machen.“

Das Springturnier in Spangenberg kommt da gerade recht. Drei Pferde haben seine Frau und er mitgebracht, acht sind aus seinem Stall dabei. Wie oft er schon hier war? Bei dieser Frage hilft nicht einmal längeres Überlegen. „Sehr oft“, erklärt Beerbaum und lacht. Mit Thomas Pfanzelt, dem Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Spangenberg, hat er schon die Kindertage gemeinsam auf dem Pferderücken verbracht. Beerbaum stammt aus Adelebsen bei Göttingen. „Wir sind Stammgäste in Spangenberg. Wenn Thomas anruft, fällt es mir schwer, abzusagen. Wir unterstützen solch ein tolles Turnier sehr gern.“

Auch die nächste Generation Beerbaum steht schon in den Startlöchern. Tochter Brianne (7) ist mit einer Freundin auf dem Gelände unterwegs. Ein Pony hat sie auch schon. Ob sich da schon früh das nächste Reit-Talent bemerkbar macht? „Sie hat Lust bekommen und Spaß daran. Wenn es ihr gefällt, unterstützen wir sie. Wenn sie etwas anderes machen möchte, ist das auch völlig in Ordnung“, erklärt der Papa. „Denn natürlich geht mit dem Namen Beerbaum ein gewisser Erwartungsdruck einher.“

Diesen gewissen Druck, der nun vorerst aber erst einmal auf seinen Schultern liegt. Beerbaum denkt Schritt für Schritt. Und erlaubt sich doch ein wenig zu träumen. „2000 in Sydney war ich als fünfter Reiter in Sydney dabei. Die Olympischen Spiele sind schon ein großer Traum.“

In drei Jahren geht es nach Tokio. Und wer weiß? Vielleicht schreibt Markus Beerbaum dann ja die olympische Erfolgsgeschichte seiner Familie fort.

Von Michaela Streuff

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