Vor Ort: Kaufunger Kähn nach Sieg nun kurz vor Goldenem Reitabzeichen – Dabei sein war einfacher

Wulschner lässt Worten Taten folgen

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Hielt Wort: Holger Wulschner gewann auf BSC Cavity die 2. Qualifikation der Großen Tour im Stechen und sammelte somit Punkte für die Weltrangliste.

Spangenberg. Eine Qualifikation, in der dabei sein ausreichte. Starke Amateure aus der Region. Ein einladender Gastgeber. Ein Pferd, das das Wasser scheute, und ein selbstkritischer Reiter, der Taten folgen ließ: Das internationale Reitturnier in Spangenberg hatte einiges zu bieten.

QUALIFIKATION MAL ANDERS

Qualifikationen sind Ausleseverfahren, die den Besten einer Prüfung die Teilnahme an einem Finale bescheren. Bislang gab es einen Startplatz für den Großen Preis von Spangenberg nur für Reiter, die sich in mindestens einer Qualifikationsprüfung unter eine zuvor bestimmte Anzahl der Gestarteten ritten. Auch in diesem Jahr standen Qualifikationen für die Mittlere und Große Tour auf dem Zeitplan. Prüfungen im herkömmlichen Sinn waren es aber nicht. „Wir haben die Teilnehmerzahlen für die gesamte Veranstaltung drastisch reduziert“, erklärte die Pressebeauftragte Konstanze Goetjes. So durfte jeder Teilnehmer, der mindestens an einer der beiden Qualifikationsprüfungen gestartet war, im Finale antreten.

HEIMISCHE SIEGER

Wenn einer Grund zum Strahlen hatte, dann der Kaufunger Ferdinand Kähn. Gleich zwei Pferde hatte er mit zu dem internationalen Turnier gebracht. Mit Hermine ging er die Mittlere Tour Amateure, Baloukia setzte er in der Großen Tour ein und verzeichnete mit der talentierten Stute zwei Siege und einen dritten Platz in den insgesamt drei S-Springen. Damit ist der 21-Jährige nur noch einen Sieg von der Verleihung des Goldenen Reitabzeichens entfernt.

Dicht auf den Fersen war ihm Lokalmatador Sönke Salzmann. Dem Spangenberger gelang es jedoch weder in der Mittleren Tour mit Calvia noch in der Großen Tour mit Carryline, an Kähn vorbeizuziehen. Mit Elena Spahn aus Fritzlar startete eine dritte Reiterin aus der Region. In der Kleinen Tour der Amateure machte ihre Stute Fortunas Girl ihrem Namen alle Ehre und bescherte ihr einen Sieg sowie einen vierten und fünften Platz.

NETTE GESTE

Eingeladen: Flüchtlingskind Mejcsam auf einem Haflingerpony.

Ein Zeichen pro Flüchtlinge setzte der Reit- und Fahrverein Spangenberg. 16 Kinder aus Syrien, Afghanistan und Bosnien-Herzegowina, die mit ihren Familien in der Liebenbachstadt ein neues Zuhause gefunden haben, wurden vom Vereinsvorstand zum Ponyreiten für Samstagnachmittag eingeladen. „Diese Menschen wohnen seit ungefähr einem Jahr hier bei uns im Ort“, erläuterte RFV-Sprecherin Konstanze Goetjes. Man wolle sie mit dieser Aktion verstärkt in die Gemeinschaft einbinden.

Toll fand das Lejla Tursum, die mit ihren Töchtern Sajra und Emma gekommen war. „Alle sind so nett hier. Wir fühlen uns sehr wohl“, sagte sie. Sajra, deren Name im Deutschen „Chefin“ bedeutet, schwang sich begeistert auf den Rücken von Pony Lucy. Mit dabei auch der siebenjährige Mejcsam aus Afghanistan, der selig auf dem Pferdrücken saß und vor Begeisterung keinen Ton rausbekam.

BARDINE MAG NICHT MEHR

Schnell wie der Wind ergoss sich mehrfach Regen. Ganz doll war es am Samstag gegen 16 Uhr. Bei der geplanten Platzpflege hatte Turnierchef Thomas Pfanzelt per Handy kurz zuvor angewiesen: „Die Trecker müssen weg. Wir haben keine Zeit.“ Die dunklen Wolken zogen allerdings zügiger als erwartet auf.

Zum Leidwesen von Celine Schoonbroodt-De Azevedo. Die Belgierin wurde auf Bardine pitschnass, ein Blumenkübel kippte durch den Schauer um, ehe die Stute sich vor dem Steilsprung vor der Haupttribüne verweigerte und das Hindernis regelrecht aus dem Weg kegelte. Immerhin: Tier und Reiterin blieben unversehrt. Nach zehn Minuten ging der Preis der Kreissparkasse Schwalm-Eder weiter.

WULSCHNERS DUFTMARKE

Wohl dem, der Taten folgen lassen kann. Wie berichtet hatte Holger Wulschner im August in einem Interview selbstkritisch angemerkt, dass er in Spangenberg bislang noch nichts gerissen habe. Seit 17.05 Uhr am Samstag sieht das anders aus. Denn die Nummer 145 der Weltrangliste sammelte hier wertvolle Punkte.

Er gewann die 2. Qualifikation zur Großen Tour, den Preis der Kreissparkasse Schwalm-Eder. Dotiert mit 28 280 Euro, von denen 7000 an den 51-Jährigen aus dem Dorf Passin in der Nähe von Güstrow gehen. Der wohl bekannteste Springreiter der neuen Bundesländer blieb im ersten Umlauf und im Stechen fehlerfrei. Auf dem Holsteiner Wallach BSC Cavity gewann er in 38,40 Sekunden und ließ sich mit einem diebischen Grinsen im Gesicht minutenlang vom Publikum bei mehreren Ehrenrunden für seine Goldene Schleife feiern.

Von Susanne Schulleri- Seidenfaden und S. Schmidt

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