Basketball: Göttingens Center Michael Schröder aus Kassel kehrt in die vierte Liga zurück

Ein Rückschritt als Fortschritt

Göttingen/Kassel. Bis zum Frühjahr 2009 hat er sich noch mit den Stars der Basketball-Bundesliga gemessen. Jetzt geht er ab Oktober in der 1. Regionalliga, der vierthöchsten Spielklasse, auf Korbjagd. Als Rückschritt sieht Michael Schröder (26) seinen Abstieg aber keineswegs. „Das ist ein Fortschritt in meine Zukunft“, korrigiert der Kasseler, der vor vier Jahren mithalf, die damalige BG 74 Göttingen in die 1. Liga zu werfen.

Nach sieben Jahren außerhalb Kassels (Bamberg, Breitengüßbach, Göttingen, Ulm und zuletzt Bayreuth) ist „Big Mike“ in seine Heimat zurückgekehrt. „Aus persönlichen Gründen“, sagt er erst mal. Dahinter steckt, dass er nicht nur Basketball im Kopf hat, sondern eben auch seine berufliche Zukunft. Und die liegt im Kfz-Meisterbetrieb seines Vaters Werner in der Westendstraße, mitten in Kassel. Irgendwann wird er den kleinen Betrieb übernehmen.

„Big Mike“ macht den Meister

„Dafür will ich jetzt den Meister machen“, erklärt Schröder, der 120-Kilogramm-Schrauber. Mehr als ein Jahr dauern die Schulungsmaßnahmen und „billig sind sie auch nicht“, so der „High-tower“, wie sie ihn bei der BG früher nannten. Bei der Ausbildung zum Kfz-Meister geht’s nicht nur um Ölwechsel, Einspritzung, Reifenwechsel und Auto-Elektronik, sondern zum Beispiel auch um Buchführung und natürlich den Bürokram.

Ganz vom Basketball kann der Hüne (2,10 m) aber doch nicht lassen. Da passte es prima, dass Trainer Hans-Werner Schmidt Spieler für die „Zweite“ der BG suchte. Der Oberstudienrat zählt mit zu den Entdeckern und Förderern von Schröder. Und nicht nur Schröder spielt jetzt für den Stammverein BG 74, sondern auch Marco Grimaldi und Robert Dill. Drei Ex-Bundesliga-Stars in der 4. Liga - so dürften die „kleinen Veilchen“ mit zum Titelfavoriten werden!

Oldtimer als Schmuckstück

„Das wird lustig und Spaß machen. Untereinander kennen Robert, Marco und ich uns doch prima“, weiß Schröder. Statt mindestens zweimal pro Tag wird nur noch drei- oder viermal pro Woche trainiert. Das kann Big Mike gut mit seinem Job vereinbaren. Im Hinterkopf schwirrt Trainer Schmidt auch umher, in die 2. Liga Pro B (dritthöchste Spielklasse) aufzusteigen. Als Konkurrenz zu den Göttinger Bundesliga-Profis sehen Trainer Schmidt und Schröder die „BG 74“ aber nicht, obwohl sie als „UG“ (Unternehmer-Gesellschaft) wie die „starting five GmbH“ der Profis wirtschaftlich aus dem eingetragenen Verein ausgegliedert wurde.

„Basketball ist für mich jetzt nicht nur noch Job und nicht so ernst“, sagt Schröder, der letzte Saison in Bayreuth noch mit den aktuellen BG-Neuzugängen Jermain Raffington und Christoph Tetzner zusammenspielte. Das kommt ihm aus einem Grund sehr gelegen. Wenn im Betrieb seiner Eltern Werner und Ute die aktuelle Arbeit erledigt ist, schraubt Schröder an seinem „Schmuckstück“: Ein BMW 2002, Baujahr 1972. „Nur die Sitze müssen noch rein, dann ist er fertig.“ In dem in Jägermeister-Orange gespritzten Oldtimer stecken „Geld, Schweiß und Blut“, lächelt Schröder. Fahren will er ihn nur im Sommer. (gsd)

Von Helmut Anschütz

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