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Nachspielzeit: Rückzug, Rückkehr, „Vor-Frust“

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Rainer Henkel, Sportredakteur
Rainer Henkel © Thomas Walger

Zu den Sportlern, denen die Pandemie den Spielplan am ärgsten durcheinandergewirbelt hat, gehören sicherlich die Tischtennisspieler. Während Fußballer und Handballer sich (oft zu Recht) über lange Pausen, häufige Spielabsagen und den umständlichen Modus der Saison beschwerten, kam im Tischtennis relativ frühzeitg das vollständige Aus für die gesamte Spielzeit.

Und auch jetzt, wo die neue Serie begonnen hat, läuft es alles andere als rund. In den 14 Klassen, in denen Teams aus unserem Sportkreis antreten, fielen bereits 16-mal Partien aus, weil eine Mannschaft nicht antreten konnte oder wollte. Diese Zahlen nennt Kreispressewart Norbert Möller. In 70 Prozent aller Spiele mussten demnach Ersatzleute aus unteren Teams aufrücken. Und sechs Mannschaften meldeten sich gleich komplett ab. Neben den üblichen Gründen – Urlaub, Schichtarbeit – gibt es mehrere Ursachen: Spieler fallen mit Corona-Erkrankung aus, Spieler möchten aus Angst vor einer Infektion nicht antreten. Oder Spieler – gerade ältere – haben in der langen Pause die Lust am Spiel verloren und die Schläger eingemottet. Eine traurige Entwicklung, für die niemand eine Verantwortung trägt, die aber zu denken gibt – und uns nur die Daumen drücken lässt, dass die Serie weitergeht und die Cracks wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen.

Der Name eines alten Bekannten aus dem Fußball tauchte recht unvermittelt auf. Sebastian Ernst, einst Torwart in der Gruppenliga bei der SG Hessen Hersfeld, hatte sich beruflich nach Köln verändert und seit Monaten kein Spiel mehr bestritten. Nun aber steht er plötzlich wieder im Kasten – und das gar in der Hessenliga. Weil beim SV Steinbach die etatmäßigen Keeper ausfallen und letztens gar Co-Trainer Fladung einspringen musste, klopfte der SVS bei Ernst an. Und der hilft aus. Willkommen zurück!

In ungefähr drei Wochen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Von Vorfreude oder Spannung spüre zumindest ich im Bekanntenkreis nichts. Eher „Vor-Frust“. Und die Entscheidungen vieler Kneipen, die Spiele nicht zu zeigen oder ganzer Städte, kein Public Viewing auszurichten, mehren sich in diesen Tagen.

Die Gründe, warum die WM nicht in dieses Land gehört, sind oft genug genannt worden und werden von Tag zu Tag eher mehr als weniger. Es kommt nun auf jeden einzelnen Fan an, was er daraus macht: Tun, als ob nichts wäre, und jedes Tor der eigenen Mannschaft bejubeln? Oder angewidert die gesamte Veranstaltung ignorieren? Es wird wohl bei den meisten irgendetwas dazwischen werden: Ein pflichtgemäßes Zur-Kenntnis-nehmen von Ergebnissen mit Kloß im Hals. Schönes Wochenende

Von Rainer Henkel

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