Vor 111 Jahren wurde in Kassel der Deutsche Rugby Verband gegründet – Jetzt wird an der Uni wieder um das Ei gekämpft

Rugby kehrt zurück nach Hause

Schieben und Schützen im Offenen Gedränge: Die angehenden Rugby-Spieler müssen zunächst einmal eine Reihe von Spielzügen lernen. Die erfahrenen Spieler zeigen daher den Neulingen (im Hintergrund), wie eine der Formationen aussieht. Fotos:  Malmus

Kassel. Es ist der 4. November 1900: In Kassel wird der Deutsche Rugby Verband gegründet, der erste nationale Dachverband auf europäischem Festland. 111 Jahre später, wieder Kassel: Keine Rugby-Mannschaft, kein Verein weit und breit. Rugby ist aus der Stadt verschwunden. Für Stefan Mau ein unhaltbarer Zustand. Seit der Magdeburger an der Kasseler Uni studiert, arbeitet er daran, den Sport hier wieder zu etablieren. In diesem Semester bietet er seinen zweiten Rugby-Kursus an.

20 Interessierte warten vor dem ersten Training am Uni-Sportplatz neben dem Auestadion. Unter ihnen Neulinge und erfahrene Spieler, Männer, aber auch zwei Frauen. „Ich möchte den Sport ausprobieren, weil ich etwas gesucht habe, bei dem ich mich richtig auspowern kann“, verrät Studentin Anke Knaudt. Mau ruft die Mannschaft auf das Feld. „Auch wenn es danach aussehen mag, Rugby ist keine wilde Prügelei. Es steckt wesentlich mehr dahinter: „Taktik, Ehrgeiz und viel Training“, sagt Mau.

Rugby ist dem American Football sehr ähnlich. Es geht darum, mit dem Ball nach vorn in die Endzone zu laufen und ihn dort abzulegen – durch die Reihen der gegnerischen Mannschaft hindurch. Das gibt Punkte und heißt Versuch. „Das wohl paradoxeste dabei: Der Ball darf nur nach hinten gepasst werden“, erklärt Mau den künftigen Spielern, „Warum? Damit ihr Raum durch laufen gewinnt und nicht durch lange Pässe.“

Bis die Neulinge selbst Rugby Union – die bekannteste Variante des Sports – spielen können, werden noch einige Trainingsstunden vergehen, sagt Mau. „Es gibt so viele Regeln. Ich habe ein Jahr gebraucht, bis ich richtig gut Bescheid wusste.“ Der Trainer führt sie langsam an den Sport heran. „Wir spielen jetzt Parteiball.“ Zwei Mannschaften mit je fünf Spielern versuchen sich dabei zehn Mal hintereinander den Ball zuzupassen, ohne dass er zu Boden geht oder von der gegnerischen Mannschaft erobert wird.

Bei dem Spiel lernen die Teilnehmer, die Berührungsängste mit dem eiförmigen Ball und ihren Teamkameraden zu überwinden. „Klar darf man nicht zimperlich sein, aber das Verletzungsrisiko beim Fußball ist genauso hoch“, urteilt Mau. Zwischen den Übungen müssen die Neulinge immer wieder Liegestütze über sich ergehen lassen, um die verletzungsanfällige Schulterpartie zu stärken. „Ich habe früher schon Handball und Judo gemacht und immer einen Sport gesucht, der beides vereint. Das ist Rugby – hart aber fair“, zieht Student Christian Heine Bilanz.

Mau selbst hat vor drei Jahren mit Rugby begonnen. Heute spielt er mit Germania List Hannover in der zweiten Bundesliga Nord. Für ihn liegt die Faszination in der Loyalität der Spieler zueinander. „Man ist auf den anderen angewiesen und hat ein gemeinsames Ziel: nach vorn kommen.“

Noch steckt Rugby in Kassel in den Kinderschuhen, doch Mau plant bereits für die Zukunft. „Ein Zusammenschluss mit Göttingen wäre denkbar. Dort gibt es ein kleines Rugby-Team der Uni.“ Dann könnte es für die Kasseler zum ersten richtigen Spiel kommen.

Die Rugby-Spieler trainieren montags von 18.15 bis 19.30 Uhr in der Damaschkestraße 25. Einige Plätze sind noch frei.

Von Alexandra Müller

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