Drittgrößtes Turnier der Welt 

Rugby-WM startet: Der Kampf um das Ei beginnt - Ein Sportevent der Superlative

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Hart aber herzlich: In dieser Szene versucht der Argentinier Jeronimo de la Fuente (links), den Neuseeländer Brodie Retallick zu stoppen. 

Es ist schon kurios: 1,8 Millionen Besucher. Bis zu drei Milliarden Zuschauer an den TV-Bildschirmen rund um den Globus - Am Freitag startet das drittgrößte Turnier der Welt -  Rugby-WM.

Kassel –  Es ist ein Sport-Event der Superlative, das drittgrößte Turnier weltweit nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft – doch in Deutschland nimmt von der Rugby-Weltmeisterschaft kaum jemand Notiz. Am heutigen Freitag starten die Titelkämpfe, die die deutsche Nationalmannschaft auf den letzten Drücker verpasst hat. Gemeinsam mit dem Kasseler Rugby-Spieler Jochen Krause blicken wir auf die WM und den Sport.

Das Turnier: Läuft bis zum 2. November. Es sind die insgesamt neunten Titelkämpfe und die ersten auf dem asiatischen Kontinent. Die WM mit 20 Teams wird in zwölf Stadien in ganz Japan ausgetragen. Nach der Vorrunde mit vier Fünfergruppen qualifizieren sich jeweils die beiden Erstplatzierten für das Viertelfinale. Dort geht es ab dem 19. Oktober im K.o.-Modus weiter.

WM ohne Deutschland:Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bislang für keine der seit 1987 ausgetragenen WM-Endrunden qualifiziert. So knapp wie diesmal war es allerdings noch nie. Am grünen Tisch hatten die „Schwarzen Adler“ durch Regelverstöße der Konkurrenz eine Chance auf das letzte Ticket erhalten. Im November verloren sie beim finalen Repechage-Turnier einzig gegen Kanada knapp.

Die Lage in Deutschland: Auf die Frage, warum hierzulande kaum jemand die Rugby-WM auf dem Schirm hat, antwortet Krause: „So ganz stimmt das ja nicht. Immerhin wird Rugby im Privat-Fernsehen übertragen. Aber in Deutschland regiert eben der Fußball.“ Er verweist auf Hannover und Heidelberg: „Da ist es eher umgekehrt. Dort sind Rugby-Hochburgen, weil es historisch gewachsen ist.“

Apropos Historie: Dabei spielt sogar Kassel eine Rolle: Am 4. November 1900 wurde der Deutsche Rugby-Verband in Kassel gegründet, heute hat er seinen Sitz im Haus des Sports in Hannover. „Im Dritten Reich wurde Rugby unterdrückt, später ist vor allem in der Nähe der US-amerikanischen Stützpunkte Rugby gespielt worden“, erklärt Krause. Heute sind in 13 Landesverbänden mit 123 Vereinen mehr als 15 000 Mitglieder aktiv.

Die Faszination Rugby: „Es ist kraftbetont, dazu kommen das Ringen um den Ball, das Pushen durch den Gegner, es kommt auf Agilität, Geschwindigkeit, Taktik an. Weil wir beim Rugby keinen Schutz wie beispielsweise im American Football tragen, tragen wir viel mehr Verantwortung für unseren Körper und den Gegner. Wenn ich meinen Gegenspieler zu Boden bringe, darf er sich nicht verletzen. Ich darf nicht in ihn reinrennen. Der Körper oberhalb der Schulter ist Tabuzone.“

Darum geht’s: Zwei Teams mit je 15 Spielern versuchen einen Rugbyball innerhalb von zweimal 40 Minuten aneinander vorbeizutragen und Punkte zu erzielen. „Den Ball dürfen wir nur tragen oder kicken“, erklärt der Fachmann. Heißt: Raumgewinn erzielt eine Mannschaft durch das Laufen mit den Ball oder das Kicken des Spielgeräts. Wichtig: Der Ball darf nicht nach vorn gepasst werden. „Die Forwards, also die Vorderleute, sind die schweren Jungs, ähnlich denen im Football“, erklärt Krause. „Die Backline besteht aus schnellen, agilen Spielern“. Neben dem 15-er Rugby gibt’s auch noch das 7-er Rugby, bei dem eine Mannschaft aus sieben Spielern besteht. „Das ist olympisch, es ist schneller, athletischer, attraktiver“, erklärt Krause.

Die WM-Favoriten:Der traditionelle Topfavorit und Titelverteidiger Neuseeland wackelte zwar zuletzt: „Doch die All Blacks sind eine Turnier-Mannschaft. Ich tippe auf sie als Weltmeister“, sagt Krause. Daneben zählen die Springbocks aus Südafrika, England, Geheimfavorit Fidschi sowie Wales und Irland, die zuletzt nacheinander erstmals die Spitze der Weltrangliste erklommen hatten, als heiße Kandidaten.

Im TV:ProSieben Maxx überträgt 31 der 48 Spiele live im frei empfangbaren Fernsehen.

Zur Person: 

Jochen Krause (32) lebt seit acht Jahren in Kassel und zählt zu den Gründungsmitgliedern von Rugby Cassel. Der Projektingenieur für Robotik ist in festen Händen und Vater eines 18 Monate alten Sohnes.

Schon gewusst? 

Stefan Lau (30) ist Pionier im Kasseler Rugby. Der Magdeburger gründete während seines Studiums in Kassel 2013 Rugby Cassel. In der WM-Qualifikation spielte er für die deutsche Nationalmannschaft, aktuell tritt er für Bundesligist Germania List in Hannover an. 

Bei der WM in Japan wollen die Rugbyspieler ihre Tattoos verdecken. Und zwar, um Rücksicht auf japanische Vorbehalte zu nehmen. Denn Tatöwierungen werden häufig noch mit der Mafia Yakuza in Verbindung gebracht. 

Ein Spielort in Japan ist die rugbyverrückte Stadt Kamaishi. 2011 wurde die Stadt durch Erdbeben und Tsunami völlig zerstört, mehr als 1000 Menschen starben. Die WM soll einen Neustart bringen. . Deutschland ist amtierender Europameister im 7er-Rugby – der olympischen Variante. Ende Juli gewann das Team von Bundestrainer Vuyo Zangqa im Finale gegen Spanien 28:14. 

Der WM-Pokal im 15er-Rugby ist nach William Webb Ellis benannt, der den Sport im 19. Jahrhundert erfunden haben soll.

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