Vom Glück ins Tal der Tränen

Schalke-Fans aus dem Kreis erinnern sich an Meisterschafts-Finale von 2001

Schalkes Manager Rudi Assauer (links) und Trainer Huub Stevens.
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Ungläubiges Staunen: Schalkes Manager Rudi Assauer (links) und Trainer Huub Stevens nach dem Abpfiff im Gelsenkirchener Parkstadion 2001.

Den 19. Mai 2001 werden Schalke-Fans so schnell nicht vergessen. Für vier Minuten galten die Gelsenkirchener als neuer Meister der Fußball-Bundesliga – ehe sich der FC Bayern München mit einem späten Treffer den Titel sicherte. Wir blicken zurück auf das Herzschlagfinale.

Eschwege/Wichmannshausen – Rolf Dilchert aus Wichmannshausen fiel fast vom Sofa und Olaf Ronge erlebte in einer Eschweger Kneipe einen Moment der puren Glückseligkeit. Vor genau 20 Jahren feierten die beiden Fans des FC Schalke 04 die erste und langersehnte Meisterschaft seit 1958. Es war aber nur eine Momentaufnahme, nach vier Minuten und 38 Sekunden fielen sie ins tiefe Tal der Tränen.

Der Branchenprimus FC Bayern München glich durch einen wahrhaft historischen Freistoß in der vierten Minute der Nachspielzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg aus. Bayern war Meister. Und Schalke ging mit der kürzesten und zugleich traurigsten Meisterfeier in die Bundesliga-Historie ein.

Wehmütiger Rückblick

„Ich war wirklich gerührt und konnte es kaum fassen“, blickt Rolf Dilchert wehmütig zurück. Der aus Wichmannshausen kommende Bäckermeister schwärmt noch heute von der Mannschaft, die 2001 und 2002 den DFB-Pokal holte: „Das war ein eingeschworener Haufen, ganz anders als heute.“

Seinen Bayern-Kumpels hatte der 61-jährige damals lauthals versprochen: „Wird Schalke Meister, dann gibt es bei mir eine Woche lang blau-weiße Brötchen.“

Karten für die Partie gegen Unterhaching, welche Schalke durch die Treffer von Jörg Böhme und Ebbe Sand in der zweiten Hälfte drehte und mit 5:3 gewann, bekam der Vielfahrer aber nicht. Es war das letzte Spiel im Parkstadion, bevor der Umzug in die neu gebaute Arena anstand. Olaf Ronge aus Eschwege, der den UEFA-Cup-Sieg 1997 in Mailand hautnah miterlebte, kam ebenfalls nicht nach Gelsenkirchen.

Trotzdem herrschte in seiner Stammkneipe nach dem 1:0 in der 89. Minute des Hamburgers Sergej Barbarez gegen die Bayern Stadionatmosphäre. Wenige Sekunden später hörte er, wie Hansi Küpper, der Kommentator des ausstrahlenden Bezahlfernsehsenders, verkündete: Der Deutsche Meister im Jahre 2001 heißt Schalke 04.

Manager Rudi Assauer jubelte mit den Spielern, die Fans stürmten den Platz, Reporter „Rollo“ Fuhrmann interviewte Spielmacher Andreas Möller und Ronge kannte im 250 Kilometer entfernten Eschwege kein Halten mehr. „Dieser Moment war total abgefahren, wir hatten richtig geile Minuten und lagen uns auf dem Boden in den Armen“, so Ronge, dessen Bier kurz zuvor durch die Luft flog.

Aber dann sagte einer im Raum, dass in Hamburg noch gespielt wird. Ronges Stimme wird auch rückblickend leiser. Auf der Anzeigetafel des Parkstadions werden die Bilder des Bayern-Spiels gezeigt: „So richtig hat das kaum einer wahrgenommen. Viele dachten, es sei eine Wiederholung.“ Es ist aber keine Wiederholung. Das Spiel des Rekordmeisters läuft noch – und FCB-Verteidiger Patrik Andersson hämmert mit voller Wucht einen Freistoß zum 1:1 in die Maschen des HSV-Tors.

Party endet abrupt

Der Party in Königsblau wird abrupt der Stecker gezogen und im Wohnzimmer von Dilchert machte sich blankes Entsetzen breit. Noch heute hadert er mit der Entscheidung von Schiedsrichter Dr. Markus Merk: „Das war nie im Leben ein Rückpass. Am liebsten hätte ich das TV-Gerät aus dem Fenster geschmissen, die hämische Freude der erfolgsverwöhnten Bayern-Fans kam dann noch dazu.“ Ronge kann es bis heute nicht glauben: „Wir haben uns angeschaut und wussten nicht, was passiert ist.“ (Marvin Heinz)

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