Vor Ort

Beobachtungen und Eindrücke beim Duell der Luftgewehr-Bundesliga

Das Spitzenduell: Mengshausens Nazar Louginets (links) und Kevelaers Topmann Sergy Richter. Louginets setzte sich durch – es war der einzige Mengshäuser Punkt.

Am Anfang dröhnen AC/DC und Hell's Bells. Zu den legendären Klängen der australischen Hardrock-Band nehmen die fünf Mengshäuser Hoffnungsträger, jeweils ein Einlaufkind an der Hand, Aufstellung in der Großsporthalle. Und neben ihnen die Gegner aus Kevelaer.

250 Menschen in der Halle applaudieren und schauen in zehn regungslose Mienen. Die Anspannung vor dem Wettkampf, sie ist greifbar.

Jeder Handgriff sitzt beim Auspacken des Gewehrs, beim Aufstellung-Nehmen am Schießstand. Kevelaers Patricia Seipel hält die Hände gekreuzt vor die Brust, schließt die Augen, verharrt so. Mengshausens Nazar Louginets hat so spät den Pulli gegen die Wettkampfkleidung getauscht, dass mancher Zuschauer glaubt, er schösse gar nicht. Rituale. Psycho-Kniffe.

Zehn Minuten Einschießen, nicht zum Gegner schauen, sich nicht in die Karten schauen lassen.

Und dann geht es los. 50 Minuten beginnen rückwärts zu laufen auf der Hallenuhr hoch oben über den zehn Schießscheiben, und mit der Ruhe ist es endgültig vorbei. Bam, bam, bam-bam-bam - die Mengshäuser Fans schlagen die Trommel, klatschen rhythmisch. Eine Stimmung wie in der dramatischen Schlussphase eines Handballspiels. Wer was trifft - das Publikum sieht es auf der Leinwand. Die Zehn ist das normale Ergebnis, die Neun ein Fehlschuss, die Acht eine Katastrophe. Es geht um Millimeter. Und das Publikum bejubelt die besten Treffer der Mengshäuser. Bam, bam, bam-bam-bam.

Doch die zeigen Nerven. Elena Rohn ist die erste, die den Wettkampf unterbricht. Sich Tipps geben lässt am Rand des Schießstands von der erfahrenen Manuela Schmermund. 93 Ringe ist ihre erste Zehnerserie. Schon alles verloren?

Die Gäste schießen schneller. Und sie schießen stark. Hinterher wird die Leinwand zeigen, dass keine ihrer Zehnerserien schwächer als 97 war.

Nur Nazar Louginets ficht das nicht an. Wie eine Maschine schießt und trifft und schießt und trifft er. Sein Gegner, der Israeli Sergy Richter, ist bärenstark - 395 Ringe. Aber für Louginets nicht stark genug. Der schießt 397 - Mengshausen führt 1:0. Jubel!

Doch anderswo sieht es nicht so gut aus. Elena Rohn steht auf verlorenem Posten, Jaqueline Orth leistet sich eine 93 in der letzten Serie - 1:2. Als Tobias Göbel im letzten Schuss unterliegt, erstirbt das Bam-bam-bam. Alles aus. Auch Henri Junghänel verliert noch - 1:4. Plötzlich ist es ganz leise. Und die Mienen bleiben regungslos.

Von Rainer Henkel

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