Vor Ort: Die Schützengilde Mengshausen scheitert in Rotenburg im Viertelfinale an Prittlbach

Und plötzlich ist alles vorbei

Wenn Blicke alles sagen: Michelle Horst (links), Elena Rohn (Mitte) und Manuela Schmermund verfolgen die Schlussphase des Wettkampfs auf der Leinwand. Die Niederlage zeichnet sich ab. Foto: Henkel

Rotenburg. Es ist kurz nach 15 Uhr, und Zeljko Moicevic steht mit starrem Blick in der Halle. Jäh sind die Anfeuerungsrufe der Zuschauer in der Göbel Hotels Arena erstorben. Und Manuela Schmermund sagt einen dieser Sätze, die so wahr sind im Sport – und die so schmerzen: „Gewinnen kann jeder – aber verlieren muss man können. Dadurch zeichnen sich Mannschaften aus.“

50 Minuten vorher sind sie voller Hoffnung, die fünf Schützen aus Mengshausen. Unter dem ohrenbetäubenden Beifall des Publikums stehen sie, die Luftgewehre im Anschlag, am Schießstand. Es rasselt, es trommelt, es dröhnt in den Ohren. Ihre Viertelfinalgegner von Germania Prittlbach stehen ruhig daneben. Aber den Eindruck, dass diese Kulisse sie überrascht und nicht völlig kalt lässt, den hat man schon.

Die Zeit läuft

Dann läuft die Zeit: 50 Minuten werden rückwärts gezählt auf der großen Leinwand. 50 Minuten, zehn Schützen, vier Zehnerserien – 400 Schuss also insgesamt. Jubel brandet auf, als Mengshausens Patrick Seyfarth beim ersten eine 10,4 erzielt.

Und die Lokalmatadoren setzen die Gäste unter Druck: Schnell schießen sie. Allen voran Michelle Horst, die schon in der dritten Serie ist, als ihre Gegnerin Julia Bauer die erste noch nicht beendet hat. Auch Elena Rohn und Patrick Seyfarth legen ein Höllentempo vor. Die ersten Endergebnisse werden hochgerechnet auf der Leinwand – 3:1 führt Mengshausen. Die Rasseln und Trommeln und Rufe werden noch ein bisschen lauter.

Aber irgendwann, irgendwann wendet sich das Schützenglück. Patrick Seyfarth ist der Erste, der eine Pause einlegt. Er geht zu Manuela Schmermund. Die „gute Seele des Teams“ sei die Paralympics-Gewinnerin, heißt es. Nun muss sie es beweisen. Kleine Tipps, aufmunternde und beruhigende Worte. Erst für Seyfarth, dann für Jaqueline Orth, die ebenfalls ihren Wettkampf unterbricht.

Beide liegen auf Kurs 389 Ringe, rechnet der Computer unbarmherzig hoch. Zu wenig ist das. Auch Elena Rohn und Michelle Horst liegen zurück, nur Zeljko Moicevic führt. 4:1 für Prittlbach, lautet die Computer-Prognose.

Michelle Horst ist als Erste fertig. Mit einer 95 in der letzten Zehnerserie. Mit versteinertem Blick sitzt sie auf der Tribüne. Sie ahnt: Das wird nicht reichen. Auch Seyfarth und Rohn legen die Waffe weg. Ihre Gegner müssen „nur“ ihre Ergebnisse halten, um zu gewinnen.

Und dann ist es ganz schnell vorbei. Seyfarth verliert, Moicevic gewinnt, Rohn verliert, Horst verliert. Mit einem Mal ist es still in der Halle. Orths Unentschieden hat keine Bedeutung mehr. 1:3 – die Bundesligasaison ist vorbei für die Schützengilde Mengshausen. Und Zeljko Moicevic steht mit starrem Blick in der Halle.

Von Rainer Henkel

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