Schiri-Chef Heß: Der Fußball wird ein anderer sein.

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Karten und Kirche: Das macht die beiden Hobbys von Rainer Heß aus. Der Kreisschiedsrichter-Obmann ist Prädikant der evangelischen Kirche in Heringen.

Kreisschiedsrichter-Obmann Rainer Heß aus Heringen spricht im Interview über die Corona-Pause und die Zukunft des Amateurfußballs im Kreis.

Herr Heß, wie sehr leiden Sie unter der fußballlosen Zeit?

Es ist ganz klar: Da fehlt etwas. Wir sind ja von 100 auf 0 runter und wurden Mitte März komplett ausgebremst. Die ganze Organisation im Schiedsrichterwesen liegt auf Eis.

Haben Sie schon Rückmeldungen bekommen, ob es den Schiedsrichtern jetzt langweilig ist?

Nein, es ist erstaunlich ruhig, und es gibt wenig Kontakt. Still ruht der See, könnte man fast sagen.

Die meisten Unparteiischen waren 2020 noch überhaupt nicht im Einsatz. Wie viele Spiele leitet ein Schiedsrichter eigentlich durchschnittlich pro Saison?

Das ist ganz unterschiedlich. Aber ich würde mal sagen, im Schnitt sind es 20 bis 25.

Der Neulingslehrgang musste wegen Corona abgebrochen werden. Es gibt keine Pflichtsitzungen. Spielt sich derzeit im Schiedsrichterwesen überhaupt etwas ab?

Wenig. Es soll demnächst über den Hessischen Fußball-Verband eine virtuelle Schiedsrichter-Pflichtsitzung geben. Und die Schiedsrichter, die sich im Förderkader befinden, müssen sich demnächst einem Haus-Regeltest unterziehen. Das betrifft Kreisoberliga-Schiris bis hin zur Spitze.

Befürchten Sie, dass nach der Zwangspause einige ältere Schiedsrichter nicht mehr weitermachen?

Das könnte ich mir vorstellen. Mir fallen da zwei, drei Kandidaten ein, die aus Altersgründen demnächst ohnehin aufhören wollten.

Denken Sie, dass vielleicht auch jüngere Unparteiische abspringen?

Das könnte so kommen. Wer noch nicht so lange dabei ist, ist sozial oft noch nicht so reingewachsen in die Schiedsrichter-Vereinigung. Wenn der Kontakt und die Einsätze fehlen, könnte darunter bei dem ein oder anderen die Motivation leiden. Einige Nachwuchs-Schiedsrichter hören ohnehin nach ein oder zwei Jahren schon wieder auf.

Wird es in Zukunft möglicherweise noch schwerer, Nachwuchs-Schiedsrichter zu finden?

Das ist schwer einzuschätzen. Auf jeden Fall werden alle Schiedsrichter-Anwärter des letzten Neulings-Lehrgangs noch einmal von uns angeschrieben. Wir müssen abwarten, wie das Echo wird.

Glauben Sie, dass die neue Fußball-Saison im September beginnen kann?

Ich hoffe es. Aber ich denke eher, dass es Ende September oder gar Anfang Oktober werden könnte. Es kommt halt darauf an, wie diszipliniert wir uns alle in der nächsten Zeit verhalten und was die Infektionszahlen machen.

Brauchen Schiris nach langer Pause eigentlich auch Anlaufzeit, um wieder die gewohnte Form zu erreichen?

Davon können Sie ausgehen. Man muss sich in der Zwischenzeit körperlich fit halten. Wenn es dann wieder losgeht, muss man sich erst einmal wieder reinfinden und den Blick für die Spielsituationen schärfen. Wir bekommen vor dem Start eine Vorlaufzeit von 14 Tagen. Diese ist auch notwendig für die Ansetzungen.

Denken Sie, dass sich der Fußball in Zukunft verändern wird?

Zunächst einmal bestimmt. Man muss ja auch mal abwarten, welche Regelanpassungen es geben wird. Darf öfter ausgewechselt werden wie jetzt im Profibereich? Gibt es vielleicht drei Drittel anstatt zwei Halbzeiten? Der Fußball wird erst einmal ein anderer sein.

Zum Abschluss: Was halten Sie persönlich eigentlich vom Videobeweis und dem VAR?

Ich sehe den Videobeweis sehr kritisch. Fehler gehören zum Menschsein und eben auch zum Sport dazu. Durch diese übertrieben starke Technisierung wird dem Fußball in meinen Augen die Seele genommen.

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