Paralympics in Tokio

Schmermund und Kames attackieren Schützen-Bundestrainer Krenn

Wurde jahrelang vom Bundestrainer schikaniert: Die ehemalige Mengshäuser Bundesligaschützin Manuela Schmermund.
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Wurde jahrelang vom Bundestrainer schikaniert: Die ehemalige Mengshäuser Bundesligaschützin Manuela Schmermund.

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ erheben Sportschützinnen, darunter auch Manuela Schmermund und Sabine Kames, Luftgewehrtrainerin in Mengshausen, schwere Vorwürfe gegen Bundestrainer Rudolf Krenn.

Worum geht es?

Dem Cheftrainer der Schützen-Nationalmannschaft im Deutschen Behindertensportverband wird von Athletinnen und Athleten Demütigung, Schikane und Mobbing vorgeworfen. An die Öffentlichkeit sind die Anschuldigungen gekommen, weil die Sportschützin Elke Seeliger eigentlich auf die Spiele verzichten wollte.

Grund: Krenn (62) hätte sie trotz einer Unwetterwarnung gezwungen, für einen Lehrgang 400 Kilometer nach Suhl zu fahren – für eine Rollstuhlfahrerin eine große Distanz. Wenn sie nicht kommen würde, sei Tokio für sie gelaufen, hatte Krenn gedroht. Seeliger kam, erreichte aber später über den niedersächsischen Verband, dass sie von zu Hause aus trainieren kann. Sie schaffte die Quali, wird in Tokio aber nicht von Krenn betreut.

Im „Spiegel“ wird dem Bundestrainer fehlende Empathie vorgeworfen. Er habe ein System der Angst und Ausgrenzung entwickelt. Viele Schützinnen wollten aus Angst vor Konsequenzen anonym bleiben. Krenns Zornausbrüche sollen unter den Schützen gefürchtet sein. Auch Mengshausens Bundesligatrainerin Sabine Kames war 2016 Zielscheibe von Krenn, als sie von vier Betreuern in einen Raum gebeten worden war. Krenn warf ihr vor, verbotenerweise von einem Paralympics-Ausscheidungswettkampf Fotos gemacht zu haben. Als ein Betreuer von der Tür gewichen sei, habe sie den Raum verlassen können. Am Abend, so erklärte sie der „Sportschau“, habe sie sich im Hotel eingeschlossen und noch ein Sessel vor die Tür gestellt.

Fühlte sich bedroht: Sabine Kames, Trainerin des Luftgewehr-Bundesligisten SGi Mengshausen.

Das sagt Manuela Schmermund

Auch die erfolgreiche Paralympicsteilnehmerin, gleichzeitig stellvertretende Athletensprecherin im Behindertensportverband, hat einigen Zwist mit Krenn austragen müssen. So habe eine von Krenn ausgesuchte Kampfrichterin sie bei einem WM-Quali-Wettkampf für Sydney 2019 gezwungen, sich anders in ihren Rollstuhl zu setzen. Schmermund musste den Wettkampf abbrechen, weil sie fast aus dem Stuhl gefallen wäre – die Quali war gescheitert. Oder, so erklärte Schmermund gegenüber einem Fernsehbeitrag in der „Sportschau“, dass er ein Gewehr habe hinfallen lassen.

Der Mengshäuser Sportschützin liegen ganze Aktenordner mit Briefwechseln über Krenn vor. „Das sind bestimmt zwei Kilo.“ Man habe alles versucht. Aber je länger Krenn den Job als Bundestrainer ausübe, desto härter würde er vorgehen. Gegenüber der „Sportschau“ sagte Schmermund auch, dass Krenn bei schwachen Ergebnissen seiner „Schützlinge“ hämisch lachen würde.

Die Kritik kommt auch von ehemaligen Kollegen, sogar von Philip Bernhard, Landestrainer ehemals Krenns Co-Trainer. Er wisse nicht, so Bernhard, warum der Verband an Krenn festhielte.

Das sagt Rudolf Krenn

Der Bundestainer ist vom „Spiegel“ mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Er spricht von einer Kampagne gegen ihn, will aber seine Zitate nicht veröffentlicht wissen. Auch zu anderen Medien, wie zum Beispiel der ARD-„Sportschau“, hält sich Krenn bedeckt, will sich nicht äußern.

Das sagt der Verband

Dem deutschen Behindertensportverband ist dieser Konflikt sichtlich unangenehm. In einer ersten Stellungnahme haben sich die Verbandsverantwortlichen hinter den Bundestrainer gestellt. Er besitze das volle Vertrauen der Verbandsführung, so wird der DBS im Spiegel zitiert.

In einem Interview mit der „Sportschau“ erklärt Karl Quade, Vizepräsident Leistungssport des DSB, dass man noch einmal das Gespräch anbieten werde. Sollten allerdings weitere, neue Vorwürfe auftauchen, dann müsse man den Fall neu bewerten. In der Zwischenzeit wolle das deutsche Team in Tokio sportlich glänzen und laut Quade „positiv auftreten.“

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