Franz Wagner wird 65

Der Uwe Seeler des Handballs feiert Geburtstag

Zur Not mit links: Franz Wagner setzt sich gegen drei Gegenspieler durch. Archivbild: Heinz Siemon

Felsberg. Bodenständig und volksnah: Diese Begriffe werden gern gebraucht, wenn Menschen beschrieben werden, die im Rampenlicht stehen und trotzden nicht vergessen haben, wo sie herkommen und wem sie ihren Ruhm zu verdanken haben.

Zu diesen Menschen gehört Uwe Seeler, das Idol aller Fußballfans, zu jener Gruppe zählt aber auch Franz Wagner, die Gensunger Handball-Legende. Wagner wird heute 65.

Wie schön, dass ihn sein Geschwätz von vorgestern nicht mehr interessiert hat, als sich im Jahr 1977 eine Abordnung des TSV Jahn Gensungen in die feindliche Nachbarschaft nach Felsberg traute. Die Gensunger wollten den Felsberger Franz Wagner dazu überreden, künftig für den TSV Jahn statt für die Eintracht Tore zu werfen. Dabei war ein Wechsel von Felsberg nach Gensungen damals so unvorstellbar wie ein Katholik im Fußball-Trikot der Glasgow Rangers.

Von Franz Wagner wusste man auch, dass er schon mal Sportsachen verbrannte, weil sie grün waren, denn in grünen Hemden und Hosen liefen die Gensunger Handballer auf das Feld. Zudem hatte sich Wagner einst zu dem folgenden Satz hinreißen lassen: „Bevor ich für den TSV Jahn Gensungen spiele, hacke ich mir die rechte Hand ab.“ Mit der rechten Hand hat Franz Wagner in der Bundesliga-Saison 1978/79 90 Tore für Jahn Gensungen geworfen, und dabei trug der damals 30-Jährige ein grünes Trikot und eine grüne Sporthose.

Angefangen aber hat Wagners Karriere natürlich bei Eintracht Felsberg. „Vorher habe ich den Ball stundenlang gegen Scheunentore geworfen“, erinnert sich Franz Wagner. „Werfen und Fangen haben wir uns damals selbst beigebracht.“ In Wagners Jugendzeit war Handball längst noch keine Sportart, die in der Halle ausgetragen wurde. Handball war damals ein Spiel, das auf dem grünen Rasen stattfand.

Die Felsberger Eintracht war gut, aber in dieser Region gab es einige Klubs, die besser waren. Zu denen zählte auch der SV Kirchbauna, für Wagner eine Zwischenstation auf dem geografisch so kurzen, aber psychologisch so unendlich weiten Weg von Felsberg nach Gensungen.

Für Franz Wagner war Handballspielen stets Leidenschaft und Hobby, das änderte sich auch dann nicht, als Jahn Gensungen in der Saison 1978/79 ein kurzes Gastspiel in der 1. Bundesliga gab. Auch damals erschien Wagner pünktlich an seinem Arbeitsplatz im Ausbesserungswerk der Deutschen Bundesbahn in Kassel. Auch die Ehefrau hat er nicht gewechselt. Mit Brigitte ist Franz Wagner seit 37 Jahren verheiratet. Das Paar hat eine Tochter, einen Sohn und zwei Enkelkinder.

Und wie verbringt der Ex-Handballer seinen Ruhestand? „Radtouren sind mittlerweile meine große Leidenschaft“, verrät Wagner und fügt hinzu: „Ab und zu schaue ich mir die Spiele der MT Melsungen, der HSG Gensungen/Felsberg und der HSG Baunatal an.“

„Da iss je dr Franz“, sagen die Leute dann, und das hört sich irgendwie so an, als ob Fußballfans „uns Uwe“ rufen.

Von Gerd Brehm

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