Siebenkämpferin Schäfer zur Olympia-Verschiebung

Siebenkämpferin Schäfer nimmt Olympia-Verlegung extrem gelassen

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Lässt sich nicht herunterziehen: Siebenkämpferin Carolin Schäfer, hier auf einem Bild, das vor der Corona-Krise entstand.

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio werden erst im nächsten Jahr stattfinden. Siebenkämpferin Carolin Schäfer findet die Verlegung gar nicht so schlimm. 

Eigentlich wollte Carolin Schäfer in knapp zwei Wochen Richtung Belek aufbrechen. An der Mittelmeerküsten im Süden der Türkei stand für Deutschlands beste Siebenkämpferin ein Trainingslager auf dem Programm. Daraus wird nichts. Genau wie aus dem Saisonhöhepunkt. Die Olympischen Sommerspiele in Tokio sind wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden. Die Leichtathletin aus Bad Wildungen nimmt die Entscheidung allerdings extrem gelassen.

Zumindest fällt die 28-Jährige nicht in ein tiefes Loch. Im Gegenteil. „Natürlich ist es schade. Aber es ist doch nur ein Jahr“, sagt Schäfer entspannt. Weil sie vor vier Jahren bei den Spielen in Rio dabei war, träfe sie die Verschiebung nicht so hart: „Die Entscheidung ist absolut richtig. Außerdem haben wir jetzt endlich Klarheit.“ Der Schwebezustand sei nicht schön gewesen. Sie hätte in einem Zwiespalt gesteckt: Die Regierung empfiehlt, sich wenig draußen aufzuhalten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) aber hält zunächst am ursprünglichen Termin fest. Beim Trainieren im Freien habe Schäfer fast so etwas wie Gewissensbisse gehabt.

Nun ist die Lockerheit zurück. Okay, ein bisschen wurmt es sie schon, dass es mit den Spielen nichts wird. Wer will es ihr verübeln? Gerade Leichtathleten arbeiten im Olympia-Zyklus, wie Schäfer es ausdrückt. Alles richte sich auf diesen Höhepunkt alle vier Jahre aus. Darüber hinaus fühle sie sich richtig gut. „Ich befinde mich in Topform“, sagt die Siebenkämpferin. Sämtliche Investitionen hätten gefruchtet.

Was Schäfer damit meint: Im Herbst vergangenen Jahres trennte sie sich von ihrem langjährigen Coach Jürgen Sammert und schloss sich der Trainingsgruppe von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul an. Was bedeutet, dass Kauls Eltern Michael und Stefanie nun für Schäfer verantwortlich sind. Zufrieden sagt die Leichtathletin: „Es war der richtige Schritt. Das neue Umfeld, das neue Team tun mir gut.“

Und dieses Team setzte neue Reize. Schäfer formuliert es so: „Ich besitze ein besseres Grundfundament.“ Sie verfüge über größere körperliche Substanz und habe viele Kilometer in den Knochen. Und so könne mehr im technischen Bereich trainiert werden, außerdem mit größeren Umfängen. Und was Tokio anbelangt, da gewinnt Schäfer der Verlegung sogar etwas Gutes ab: „Ich sehe es jetzt als gewonnene Zeit. So können wir als Team noch enger zusammenwachsen.“

Komplett hat sie diese Saison nicht abgeschrieben. Für die Europameisterschaft Ende August steht noch eine Entscheidung aus. Das traditionsreiche Mehrkampf-Meeting in Ratingen Ende Juni wurde noch nicht abgesagt. Es gibt vereinzelte Wettkämpfe, die Schäfer und ihr Team im Visier haben. „Wir planen vorerst bis Herbst und gucken spontan, welche Meetings womöglich ausgetragen werden.“

Finanziell muss sie sich jedenfalls keine Sorgen machen. Natürlich fallen nun Prämien und Preisgeld weg, mit Sponsoren müsse sicherlich gesprochen werden. Aber als Polizeibeamtin erhält sie weiterhin Gehalt. „Dafür bin ich sehr dankbar. Anderen geht es in dieser Situation sicherlich schlechter.“ Und somit konzentriert sich die Leichtathletin weiterhin aufs Training.

Sie will die Fitness mindestens halten. Läufe, Sprünge und Würfe macht sie in der Natur. Und statt im sonnigen Belek zu schwitzen, wird eben die 54 Quadratmeter große Wohnung in Frankfurt umfunktioniert. Der Keller gleicht einem Fitnessstudio, auf dem Balkon hängen TRX-Bänder für Stabilitätsübungen, im Wohnzimmer wird ebenfalls trainiert. Mit ihrem Freund Jan Uder, der sich im Homeoffice befindet, wechselt sie regelmäßig die Räume – für einen Tapetenwechsel, wie sie sagt: „Das passt schon.“ Wie gesagt, Schäfer sieht es ganz gelassen.

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