Handball

Siebenmeter waren Torhüter Krichbaums Spezialität

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Erfolgreiches Team: Frank Krichbaum heute mit dem Foto des Großwallstädter Meisterteams von 1984.

Der TV Großwallstadt war in den 70er- und 80er Jahren die Handballhochburg in Deutschland. Einer, der diese Zeit miterlebte, war Frank Krichbaum, der heute in Bad Hersfeld lebt.

Zwei Serien spielte Krichbaum beim Deutschen Rekordmeister, eine in den A-Junioren, eine bei den Senioren. Und das war ausgerechnet die Saison 83/84, die noch heute als eine der erfolgreichsten in der mehr als 130-jährigen Geschichte des deutschen Rekordmeisters gilt.

Mit Kurt Klühspies, der nach dieser Saison seine Karriere beendete, Claus Hormel und Manfred Freisler standen noch drei Weltmeister von 1978 im Team. Nicht nur das Titelrennen, sondern auch die Pokalrunde entschieden die Unterfranken für sich. In Hin- und Rückspiel (17:20, 20:14) gewannen die Unterfranken gegen die Reinickendorfer Füchse. Doch damit nicht genug. Als i-Tüpfelchen kletterten sie auf den Gipfel Europas, holten sich mit dem IHF-Cup in einem dramatischen Finale gegen Gladsaxe HG Kopenhagen sogar das „Triple“. Die Großwallstädter gewannen das Hinspiel in Kopenhagen mit 16:15 und auch das Rückspiel in Elsenfeld mit 20:19.

Dieser Erfolg war auch ein Verdienst von Krichbaum, der als junger Nachwuchsmann der zweite Keeper hinter Großwallstadts Keeper-Ikone Siegfried „Sigi“ Roch war.

Oft kam er in den Begegnungen nur zu Kurzeinsätzen, zumeist bei seiner Spezialität – den Siebenmetern. Genau in diesem Endspiel wuchs der reaktionsschnelle Schlussmann bei den Aktionen vom Punkt über sich hinaus. Bei fünf Siebenmetereinsätzen kamen die Schützen nur zu zwei Treffern, zwei wurden Krichbaums Beute, einer ging vorbei.

Besonders als das Spiel eine Wende zugunsten Kopenhagens hätte nehmen können, war der Torwart auf dem Posten. Großwallstadt ging daraufhin 18:15 in Führung, siegte zum Schluss durch Tore von Klühspies und Winfried Damm mit 20:19 – die Halle kochte. „Danach habe ich zum ersten und im übrigen einzigen Mal in meinem Leben eine Zigarre geraucht“, erzählt der 56-Jährige und lacht.

Es sind nur einige von zahlreichen Erinnerungen, die haften geblieben sind. Mannschaftsfotos im Großformat, den Jubiläumsband des TV Großwallstadt zum 125-jährigen Bestehen schaut er sich immer wieder gerne an. Zu einigen Spielern fallen ihm immer noch Geschichten ein.

Und auch das alte Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust aus der A-Juniorenzeit – Krichbaum bestritt zwei Jugendländerspiele – passt ihm sogar heute noch. Weil er noch heute fast täglich Sport treibt, ist er fast genauso durchtrainiert wie damals. Radfahren, Laufen und vor allem im Winter Skifahren – für Krichbaum vergeht kaum ein Tag ohne Sport.

Doch für einen richtig Großen in seinem Metier war er mit 1,80 Meter einige Zentimeter zu klein. So kam es, dass er nach zwei Jahren Großwallstadt nach Milbertshofen wechselte, wo auch Weltmeister Erhard Wunderlich spielte. Dort aber fühlte er sich nicht wohl. „Es war keine gewachsene Mannschaft“, sagte er.

Nach einem weiteren Jahr der erneute Wechsel – diesmal ging er nach Wiesbaden, wo ein gewisser Zeljko Zovko mit seiner Technik brillierte. Im Gegensatz zu einigen anderen Spielern in der Bundesliga war er Amateur. Er arbeitete als Bankkaufmann. Heute ist er Dozent der Sparkassenakademie in Erfurt. Aber nicht nur die Größe war dafür verantwortlich, dass er mit 23 Jahren schon seine aktive Laufbahn ein Jahr später beendete.

Seit frühester Kindheit besitzt Krichbaum ein Handicap. Nach einem Unfall muss er ein Glasauge tragen. In Bad Hersfeld wohnt er übrigens nur wenige Straßen entfernt von Bernd Edleditsch, mit dem er einst in der Hessenauswahl spielte. Heute besucht er nur noch ganz selten Handballspiele. Vor einigen Jahren war er beim TV Hersfeld, als eine südhessische Mannschaft zu Gast war.

Heute sagt er: „Im Handball gibt es zu wenig Bewegung in der Vereinsstruktur. Für kleine Vereine besteht kaum eine Möglichkeit, nach oben zu kommen.“ Und er ergänzt: „Die schönste Zeit, die diesen Mannschaftssport ausmacht, hatte ich in der Jugend.“

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