Interview über Feinde, Teamkollege Leyhe und die Vorfreude auf Willingen

Skispringer Severin Freund: „Ich bin ein Klugscheißer“

Ist derzeit Fünfter des Gesamt-Weltcups und feierte diese Saison schon zwei Siege: Skispringer Severin Freund. Foto: dpa

Willingen. Für Skispringer Severin Freund läuft’s diese Saison richtig rund. Schon sechs Mal stand der 26-Jährige auf dem Podest.

Da will er auch dieses Wochenende in Willingen wieder landen. „Ein Teamsieg ist aber wahrscheinlicher“, verrät er im Interview:

Was zeichnet Sie als einen guten Freund aus? 

Severin Freund: Auf jeden Fall nicht, dass ich viel Zeit im Winter hätte. Aber ich glaube, dass ich gut zuhören, gute Ratschläge geben kann und wenn es wirklich wichtig ist, auch für meine Freunde da bin.

Und wer ist derzeit Ihr größter Feind auf der Schanze? 

Freund: Ich habe keinen Feind auf der Schanze. Auch wenn es verschiedene Nationen sind, sind wir trotzdem wie eine Familie, weil wir den ganzen Winter zusammen unterwegs sind. Dafür gibt’s aber einige Konkurrenten.

Wen genau meinen Sie? 

Freund: Da kann ich keinen bestimmten herauspicken, der jetzt der Stärkste wäre.

Ihre Kollegen bezeichnen Sie als ein wandelndes Lexikon. Kann man so weit gehen und sagen, dass Sie sogar ein Klugscheißer sind? 

Freund: Definitiv, ich bin ein Klugscheißer. Das gebe ich gern zu, ich bin besserwisserisch, das ist einfach so.

Und wann hat man das zuletzt gemerkt? 

Freund: Ich musste unbedingt klären, woher ich eine bestimmte Schauspielerin kenne. Das kann ich nämlich gar nicht ab, wenn ich meine, jemanden kennen zu müssen, aber nicht weiß, woher. Das muss sofort geklärt werden.

Den letzten Weltcup in Sapporo haben Sie ausgelassen, also reisen Sie frisch und munter in Willingen an? 

Freund: Definitiv. Ich glaube nach wie vor, dass man auch mal eine Pause einlegen sollte, sonst ist der Akku irgendwann leer. Deswegen habe ich Sapporo, also den Weltcup mit den größten Reisestrapazen, ausgelassen. Zu Hause habe ich noch mal etwas trainiert, die Pause hat mir gut getan.

Willingen ist sowieso ein gutes Pflaster für Sie. 2011 haben Sie dort gewonnen, 2014 waren Sie zwei Mal Zweiter. Werden Sie auch dieses Jahr auf dem Podest stehen? 

Freund: Ich hoffe es. Ich mag die Schanze sehr gern, wir haben drei Wettkämpfe, und es wird sicher spannend. Bisher bin ich dort gut zurecht gekommen. Ich hoffe, dass das auch dieses Mal so ist.

Ist ein Einzel- oder Teamsieg wahrscheinlicher? 

Freund: Aufgrund der Teilnehmerzahl ist ein Teamsieg wahrscheinlicher. Wir haben nach zwei Teamsiegen ja auch was zu verteidigen. Wir könnten das Triple schaffen, das wäre eine Mega-Sache. Ich glaube jedenfalls, dass es möglich ist – aber es muss alles passen, die anderen schlafen ja auch nicht.

Auf was freuen Sie sich in Willingen besonders? 

Freund: Auf jeden Fall auf die Fans, das ist jedes Jahr wieder ein großes Spektakel. Und ich freue mich auf die Schanze.

Ihr Teamkollege Stephan Leyhe steht vor einem Heimspiel. Übt das besonders Druck auf ihn aus? 

Freund: Das kann Druck ausüben, aber auch beflügeln. Wenn man von dort kommt, kennt man sich gut aus auf der Schanze, und die Leute im Stadion sind nochmal lauter. Ich persönlich mag das, wenn Stimmung im Stadion ist.

Überrascht es Sie eigentlich, dass Leyhe den Sprung ins Weltcup-Team geschafft hat? 

Freund: Nein, auf keinen Fall. Man hat immer schon gewusst, dass er was drauf hat. Man hat das auch bei mir gesehen, das hat auch länger gedauert, bis es endlich aufgegangen ist. Das ist ein harter Kampf, aber er hat sich extrem gut verbessert.

Und was zeichnet ihn als Teamkollegen aus? 

Freund: Er ist ruhig, entspannt und eine gute Stütze fürs Team. Er geht seinen Weg, und solche Leute im Team sind immer angenehm.

Aber beim Schafkopfspielen hat er noch Probleme ... 

Freund: Stimmt, da hat er aber auch einen kleinen regionalen Nachteil.

Von Friederike Göbel

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