Skisprung-Weltcup: Willinger haben Plan B für den Schnee

An der Mühlenkopfschanze sollen die Schneekanonen morgen erstmals laufen, der Wetterbericht kündigt zumindest für zwei Tage die benötigten Minustemperaturen an – Schanzenchef Wolfgang Schlüter (links) und Andreas Rohn sind zumindest startklar. Foto: Archiv

Willingen. Lange dauert es nicht mehr. Heute in 48 Tagen ist die Qualifikation für den Willinger Skisprung-Weltcup mit Einzel und Team-Wettbewerb.

Nervös sind die Verantwortlichen angesichts der für die Jahreszeit hohen Plustemperaturen aber keineswegs. „Gesprungen wird auf jeden Fall, kein Frage", ist Schanzenchef Wolfgang Schlüter ohnehin als die Ruhe in Person bekannt. „Wir sind für den Notfall gut aufgestellt." Wie sieht der „Plan B“, wie ihn Organisationschef Jürgen Hensel nennt, aus, um die rund 4000 Kubikmeter Schnee für die Belegung der Mühlenkopfschanze zu beschaffen? Neben Naturschnee ist Schlüter der Kunstschnee aus eigener Produktion am liebsten. „Der lässt sich am besten mit den Maschinen verarbeiten“, denkt er insbesondere an die 1000 Kubikmeter für den Aufsprunghang.

Derzeit warten sieben Schneekanonen im Strycktal auf ihren Einsatz. „Ich hoffe“, sagt Schlüter angesichts sinkender Temperaturen, „dass wir sie Sonntag und Montag erstmals anwerfen können“. Die vier neuen Maschinen produzieren bereits „im Grenzbereich“ bei minus 1,5 bis minus 2. Je kälter umso besser. „Wenn wir minus 5 Grad haben“, erklärt der Schanzenchef, „dann machen wir aus 50 Kubikmeter Wasser in der Stunde 100 Kubikmeter Schnee“.

Zurückgreifen kann der Ski-Club auch auf „gebrauchten Schnee“ vom Biathlon-Event „Auf Schalke“ (28. Dezember). „Bis zum 18. Dezember müssen wir entscheiden, ob wir 2000 Kubikmeter von dort kaufen wollen“, sagt Hensel. Der ist aber nicht mehr ganz so sauber, aber als Unterlage für den Schanzenauslauf immer noch bestens geeignet.

Ebenfalls aus der Bundesliga-Arena könnte bereits am 10. Dezember eine von zwei dem Deutschen Ski-Verband gehörenden „Snowfactory“-Maschinen angeliefert werden. „Die arbeiten bis zu 15 Grad Celsius zuverlässig“, berichtet Schlüter von einer Info-Reise mit seinem Assistenten Andi Rohn nach Klingenthal, wo an diesem Wochenende der Weltcup startet. Einer dieser runtergekühlten Container spuckt pro Tag 100 Kubikmeter Kunstschnee aus.

Weitere Optionen für Willingen sind, wie schon öfters praktiziert, Schneelieferungen aus den Skihallen in Neuss und Bispingen sowie aus der Eisfabrik in Bremerhaven, die zur Kühlung von Fischen produziert.

Aus Eishalle in den Anlauf 

Die 90 Meter lange Anlaufspur wird schon seit Jahren mit Eis aus der Eislaufhalle belegt. Dazu haben die Willinger erstmals ein großes Zelt mit 150 Quadratmetern Grundfläche aufgebaut, um dort die weiße Pracht zu sammeln. Mehrmals täglich wird die Fläche präpariert. „Damit schaffen wir vier Kubikmeter pro Tag“, erklärt Schlüter. Der Eismeister der Gemeinde und Schanzenchef versammelt bereits am 19./20. Dezember sein Team um sich, um den Anlauf zu belegen. Vorher werden wieder die Kühlschlangen montiert und nach der Präparation alles mit einer langen Folie abgedeckt. Die wird erst wieder kurz vor dem Weltcup abgenommen, wenn die Anlaufspur gefräst wird. Dann ist die ganze Mühlenkopfschanze auch dank der „Free Willis“ perfekt präpariert. Denn, wie sagt Wolfgang Schlüter: „Gesprungen wird auf jeden Fall.“ (ni)

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