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Für Leyhe endet die Tournee zehn Meter unter der Spaßgrenze

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Von: Dirk Schäfer

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06.01.2022, Österreich, Bischofshofen: Skispringer Stephan Leyhe aus Deutschland reagiert im Zielbereich
Keine Faust, kein Lächeln: Sichtbar enttäuscht verlässt Stephan Leyhe nach dem Finale in Bischofshofen den Auslauf. Als Tournee-Elfter empfiehlt er sich dennoch weiterhin als Olympia-Starter. © Daniel Karmann/dpa

Die 130-Meter-Marke nicht so richtig geknackt, 25. in Bischofshofen, Elfter in der Gesamtwertung: Das sind die nüchternen Fakten zu Stephan Leyhes Abschluss der Vierschanzentournee.

Bischofshofen – „Ich bin leider etwas enttäuscht mit dem Ausgang in Bischofshofen“, gab Leyhe am ARD-Mikrofon zu. Mit Bezug auf die bereits erreichten Top-Ten-Plätze in dieser Saison sagte der Schwalefelder, dass er diesen Maßstab natürlich gern halten wolle und begründete auch damit seine Enttäuschung. Platz elf der Tournee – drei Tage nach Weihnachten hätte Leyhe das wohl noch unterschrieben. Am Dreikönigstag machte er keinen Hehl daraus, dass er doch Gesamtplatz zehn gern zumindest gehalten hätte.

Dafür waren aber gestern Überraschungssieger Daniel Huber aus Österreich und der Japaner Yukiya Sato, der als Vierter noch einen Platz vor Gesamtsieger Ryoyu Kobayashi lag, zu stark.

Leyhe gewinnt hauchdünn sein K.o.-Duell

Als erster am Start: Das hat Stephan Leyhe lange nicht erlebt. Aber so ist das, wenn du 26. bist in der Qualifikation und die Teilnehmer am Finale im K.o.-Modus ermittelt werden. Wie schon am 30. Geburtstag tags zuvor musste Leyhe auch gestern mit einer mäßigen Qualifikation Vorlieb nehmen. 130 Meter waren gar nicht schlecht, aber hinter den Besten ging es punktemäßig sehr eng zu.

Ulrich Wohlgenannt – vor elf Monaten Vierfachsieger beim Continental-Cup in Willingen – hieß Leyhes Gegner im ersten Durchgang. Der Mann vom SC Willingen schaffte erneut 130 Meter. Der Österreicher sprang drei Meter kürzer, aber der Upländer hatte nur um 0,3 Punkte die Nase vorn im Vergleich, sonst hätte er erstmals bei dieser Tournee das Finale der besten 30 verpasst.

Leyhe erreichte es als 25. – also wieder früh dran auch im zweiten Durchgang. Der einsetzende Rückenwind beflügelte ihn nicht gerade. 125,5 Meter. Damit war nicht mehr drin als den 25. Platz zu halten, denn viele andere Athleten landeten dicht rund um die 130-Meter-Marke. Nur Leyhe eben diesmal nicht. 242,4 Punkte; 44 weniger als Sieger Daniel Huber. Hinter den Erwartungen. Oder im Leyhe-Jargon: ein wenig hinter der Spaßgrenze. „Ich weiß nicht ganz genau, woran es liegt, dass mir einfach zehn Meter fehlen, damit es wieder richtig Spaß macht.“

Leyhes Olympia-Chancen sind nicht gesunken

Was den Leyhe-Fans wenig Spaß machte, war, dass ihr Upland-Adler diesmal seine Konstanz nur auf den hinteren Fängen der Top 30 zu Geltung brachte, sondern, dass er ausgerechnet zum Tournee-Finale hinter den Teamkollegen zurück blieb, die wie Leyhe auf einen festen Platz im Olympiateam hoffen.

Der als „Lucky Looser“ weitergekommene Pius Paschke (130,5/126m) lag zwei Plätze vor Leyhe, Constantin Schmid (130,5/130m) wurde 17. Bisher lag der Schwalefelder meist vor den beiden. Severin Freund und Andreas Wellinger hätten mit Leyhe gerne getauscht. Freund verpatzte seinen Sprung und wurde 46., Wellinger verlor das Duell mit Stefan Kraft hauchdünn und schied als 33. aus.

Und was bedeutet das jetzt für die Olympia-Plätze? Stephan Leyhe muss sich trotz der Enttäuschung zum Abschluss keinesfalls als Verlierer im DSV-Team fühlen. Er verbuchte bei der Tournee die Plätze 9, 10, 20 und 25 und steigerte sich im Gegensatz zu den Weltcups vor Weihnachten wieder.

Anders herum ist es bei den anderen: Paschke, der immerhin auch schon drei Top-Ten-Plätze im Weltcup stehen hat, wurde 26., 31., 46. und 23. Schmid kam auf die Ränge 31, 20, 32 und 17. Gespannt darf man sein, ob nicht eher Wellinger und Freund für Leyhe schärfere Konkurrenten sind, vor allem Letzterer hat sich enorm gesteigert und bringt die nötige Erfahrung mit.

Samstag und Sonntag erneut in Bischofshofen

„Jetzt haben wir erstmal einen Tag zur Analyse“ setzt Stephan Leyhe seine Hoffnung bereits auf die beiden weiteren Springen in Bischofshofen, nachdem er zum Tournee-Abschluss zwar unter seinen Erwartungen blieb, aber immer noch drittbester Deutscher der Tourneewertung und im Gesamtweltcup ist.

In Bischofshofen stehen ein Einzelspringen (Samstag, 16 Uhr) und ein Teamwettbewerb (Sonntag) an. Leyhe will darin seinen nach langer Verletzungspause schnell zurückeroberten guten Status im Team untermauern – mit Blick auf die Entscheidung, wer mit nach Peking darf. Fünf DSV-Adler werden bereits am 11. Januar nominiert und einen Tag später in München für Olympia eingekleidet.

ARD-Experte Sven Hannawald machte am Donnerstag Werbung für Leyhe, den Team-Weltmeister von 2019, der gerade für Einsätze in der Mannschaft unersetzlich sei. „Stephan hat ein stabiles System, springt immer konstant und kann an einem guten Tag sogar Punkte rausreißen.“ (Dirk Schäfer)

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