Kassel: Erste Frauen bei Main Tour

Snooker-Experte Lukas Marmucki aus Kassel: Main Tour „ist eine große Chance“

Sie darf sich nun mit den Männern messen: die Snookerspielerin Ng On Yee aus Hongkong.
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Sie darf sich nun mit den Männern messen: die Snookerspielerin Ng On Yee aus Hongkong.

Snooker erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Billard-Variante hat aber einen Makel: Frauen waren bei der Main Tour nicht zugelassen. Das ändert sich jetzt.

Kassel – Warum es nur wenig Spielerinnen gibt und sie erst jetzt zur Tour dürfen, erklärt Lukas Marmucki vom Hofgeismar Snooker Club.

Erinnern Sie sich noch, wann Sie zuletzt gegen eine Frau gespielt haben?
Das war 2005 oder 2006. Es ist so lange her, weil wir keine Frau im Verein haben und wir seit 2008 wegen zu wenig Spielern nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen. Damals habe ich verloren.
Aber warum gibt es so wenig Spielerinnen?
Der Grund liegt vermutlich in der Herkunft des Sports. Snooker wurde von Offizieren erfunden und ist bis heute eigentlich ein reiner Männerklub. Es wird auch öfter das Pseudonym Gentleman-Sportart verwendet. Hinzu kommt, dass es in Deutschland eine Randsportart ist. In England sieht das anders aus.
Wie wichtig ist es, dass nun zwei Frauen an der Tour teilnehmen dürfen?
Das ist eine große Chance für den Sport. Die bestehenden Snooker-Wettkämpfe mit Frauen werden nicht im Fernsehen übertragen. Wer sich nicht im Internet darüber informiert, bekommt davon nichts mit. Die Frauen bei der Main Tour ändern das. Dadurch wird deutlich: Hier können auch Frauen mitspielen, und sie können sich gegen Männer behaupten.
Warum hat die Öffnung für Frauen so lange gedauert?
Den Frauenverband World Women’s Snooker gibt es seit 40 Jahren. Es ist schwierig, zu sagen, warum die Verantwortlichen des Weltverbands World Snooker Federation so lange gewartet haben. Vielleicht lag es daran, dass einige der Meinung sind, Frauen seien mental nicht dazu in der Lage. So sagte es jedenfalls kürzlich Ex-Profi Steve Davis, die Snooker-Legende. Und wenn ein so bekannter Sportler das sagt, kann ich mir vorstellen, dass er mit der Meinung nicht allein ist. Der Druck aus der Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren aber wohl so groß geworden, dass sich die Verantwortlichen dazu entschieden haben, Frauen zuzulassen und ihnen die Chance zu geben, sich zu etablieren.
Welche Unterschiede gibt es beim Snooker zwischen Männern und Frauen?
Eigentlich keine. Beide spielen auf denselben riesigen Snooker- Tischen und mit der gleichen Ausstattung. Auch körperlich sind Frauen nicht unterlegen, denn die Spieler brauchen nicht viel Kraft und Kondition. Dadurch gibt es keine Unterschiede im Niveau. Die Frauen sind genauso talentiert. Es gab die Diskussion, dass ihre etwas geringere Körpergröße ein Problem sein könnte, weil sie nicht überall herankommen. Das glaube ich aber nicht, denn es gibt auch viele kleine Männer, die Snooker spielen. Der einzige Unterschied könnte sein, dass viele Frauen taktisch anders agieren.
Das heißt?
Sie sind ein bisschen abwartender und geduldiger. Das ist aber eher ein Vorteil, weil sie damit den Gegner unter Druck setzen. Ein Problem für werdende Profis ist allerdings, dass sie kontinuierlich trainieren müssen, um ihr Niveau zu halten. Das können Spielerinnen oft nicht.
Warum nicht?
Frauen bekommen ein viel geringeres Preisgeld wie die Männer, die zwischen 30 000 und 1,5 Millionen Euro im Jahr verdienen. Das liegt vor allem daran, dass Frauen-Snooker nicht vermarktet wird. Daher müssen die Frauen noch einem Job nachgehen und haben nicht die Zeit für so viel Training. Reanne Evans und Ng On Yee, die an der Main Tour teilnehmen, können nun wohl vom Snookerspielen leben. So können sie locker oben mithalten.
Was ist für Amateure in der Pandemie möglich?
Der ganze Spielbetrieb in Deutschland ist ausgesetzt, die Saison wird nicht zu Ende gespielt. Nur die 128 Profis der Main Tour dürfen noch spielen. Alle Vereine und Bars mit Snooker-Tischen sind zurzeit geschlossen, da darf nicht trainiert werden. Amateure können nur spielen, wenn sie Zugang zu einem privaten Snooker-Tisch haben. Wer jetzt anfangen möchte, muss sich wohl noch gedulden. Sobald ein normaler Spielbetrieb wieder möglich ist, finden Interessierte im Internet die Adressen von Vereinen in ihrer Region. (Fabian Becker)
Lukas Marmucki (36) ist 1. Vorsitzender des „Hofgeismar Snooker Clubs“. Er hat unter anderem in der 2. Bundesliga und der Hessenliga sowie bei Deutschen Meisterschaften und Hessischen Meisterschaften gespielt. Marmucki studiert Umweltingenieurwesen. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Söhne.

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