Reiten

Soenke Lauterbach: „Wir brauchen die Kuchentheke“

Während Otto Becker als Bundestrainer die Perspektiven der Springreiter im Blick hat, steht Soenke Lauterbach in Warendorf als Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für fast vier Millionen Pferdesport-Treibende im Land.

„Wir können nur hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen.“ Sagt Soenke Lauterbach. Und ist gleichwohl zuversichtlich, „dass wir nach einer ziemlichen Achterbahn der Gefühle die Talsohle hoffentlich jetzt durchschritten haben.Wir sprachen mit ihm über ...

Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN. Foto: Kaup/FN-Archiv/nh

Hilferufe

„Sie nehmen zum Glück inzwischen deutlich ab“, sagt Lauterbach. Mitte März sei es sehr krass gewesen wegen der Schließung von Sportstätten und Reitschulen, die ohne Einnahmen in der Existenz bedroht sind, und dem Ringen von Betrieben und Vereinen um Fördermittel. Hobbyreiter waren in Sorge um Leib und Leben ihrer Pferde, doch diese Ängste seien im Rahmen der gesetzlichen Regelungen zur Notfallversorgung schnell geklärt gewesen.

Der Sorge um die Existenzsicherung folgten Anfragen über Konzepte und Organisation von Lehr- und Reitbetrieb im Rahmen u. a. der Hygieneregeln. Jetzt, so Lauterbach, gehe es um die Umsetzung des Wiedereinstiegs, die Perspektiven von Turnieren. „Die Menschen denken wieder positiv.“

Solidarität

Viele Vereine erfahren derzeit große Solidarität ihrer Mitglieder, die eben nicht ihre Beiträge stornieren. Ebenso ergehe es Reitschulen, die trotz ausgefallener Unterrichtsstunden Einnahmen buchten. Derzeit noch ungeklärt ist die Anfrage, hier die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent zu senken. „Die Reiter und die staatlichen Hilfen haben viel geholfen. Und es gibt jetzt auch noch keine konkreten Zahlen“, so Lauterbach. „Aber dennoch werden vermutlich leider nicht alle Betriebe überleben.“

Turniere

Natürlich hoffen die Reiter, dass spätestens ab 1. September wieder Turniere möglich sein werden - mit Zuschauern. „Die Veranstalter insbesondere der ländlichen Turniere, meistens die Vereine, benötigen dringend Einnahmen, um beispielsweise die Jugendarbeit finanzieren zu können“, erläutert Lauterbach. „Wir brauchen dafür die Kuchentheke, den Kaffee und die Bratwurst.“

Bei der Organisation von Turnieren seien lange Vorlaufzeiten und Ausschreibungen ein großes Problem. Deshalb habe die FN hier Fristen deutlich verkürzt. Auch um Berufsreitern wieder weitere Möglichkeiten zum Arbeiten zu geben.

Rote Zahlen

Rund 25 Millionen Euro setzt die Reiterliche Vereinigung mit ihren Mitarbeitenden in rund 200 Stellen pro Jahr um. Normalerweise. Derzeit sei Kurzarbeit angesagt für die meisten und die Minderung aller Fixkosten, so weit es nur geht. „Wir gehen für 2020 von einem Minus von 20 Prozent aus, also fünf Millionen Euro. Dank unserer Rücklagen und den Einsparungen dürfen wir hoffen, das Minus auf zwei Millionen zu reduzieren“, sagt Soenke Lauterbach. Das dürfe sich dann nicht wiederholen, wäre aber das blaue Auge, für das Covid 19 im Reitsport sorgt. HINTERGRUND Reiten in Deutschland

3,89 Millionen Deutsche bezeichnen sich als Reiter, davon sind 1,25 Millionen aktiv, davon sind 78 Prozent weiblich.

900 000 Pferdebesitzer gibt es, von 13 Millionen Pferden ist auszugehen.

682 380 Mitglieder hatten die 7334 Vereine der FN im Jahr 2016. Das bedeutet Rang acht in der Liste der deutschen Fachsportverbände.

8000 Züchter sind registriert.

10 000 Firmen - Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen - haben Pferde als Haupt-Geschäftsgegenstand.

21 Millionen Euro wurden 2019 bei Auktionen umgesetzt. Für 848 Reitpferde wurde ein Durchschnittspreis von 24 725 Euro erlöst.

6,7 Milliarden Euro betrug 2019 geschätzt der Umsatz der gesamten deutschen Pferdewirtschaft.

128 Pferde (von 560) bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon (USA) stammten aus deutsche Zucht, also fast 23 Prozent in Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Reining, Fahren, Para und Voltigieren.

19 WM-Medaillen (von 45) holten „deutsche“ Vierbeiner in Dressur, Springen und Vielseitigkeit, also 42 Prozent. Allen voran die Springer (10/15 = 66 Prozent) vor den Dressurpferden (8/15 = 53 Prozent, davon vier goldene).

sam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.