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Sören Nell wird zum Ironman: 38-Jähriger kämpft sich auf Hawaii durch

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Von: Marvin Heinz

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Geschafft: Sören Nell hat sich einen Traum erfüllt und den Ironman auf Hawaii gepackt.
Geschafft: Sören Nell hat sich einen Traum erfüllt und den Ironman auf Hawaii gepackt. © Privat

Gezeichnet von der Anstrengung ist Sören Nell (38) auch noch Tage danach: Am Wochenende war er beim Ironman auf Hawaii dabei – und zog ihn durch.

Waldkappel/Kona – Mit schmerzverzerrtem Gesicht stieg Sören Nell am Montagmorgen aus einem Miniatur-Eisenbahn-Express aus, um in seinem Hotel zum Frühstück zu kommen. Es zwickt hier, es zwickt da.

Und rund war der Gang des 38-Jährigen immer noch nicht. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und der anschließende Marathon bei der Ironman-Weltmeisterschaft in Hawaii haben Nell alles abverlangt. „Es war ein einmaliges und ganz besonderes Erlebnis. Ich war heilfroh, als ich im Ziel war“, sagt Nell, der partout nicht aufgeben wollte.

Rhythmus war beim Schwimmen im Salzwasser schnell da

Beim Schwimmen zu Beginn des wichtigsten Triathlon-Events des Jahres fand der ehemalige Fußballer des SV Adler Weidenhausen schnell seinen Rhythmus. Aber der erste Wettkampfteil war gewöhnungsbedürftig.

„Ich hatte ständig das Salzwasser im Mund“, erinnert sich Nell, der nach einer Stunde und elf Minuten aus dem Wasser kam und sich selbst voll im Soll sah: „Es war für mich ohne Neoprenanzug eine gute Zeit.“

Der Wechsel auf sein Triathlon-Rad am Pier von Kailua-Kona glückte. Entlang des Queen K Highway durch die Lavafelder blieben die gefürchteten Ho’o-Mumuku-Winde aus. Der Wind kam dagegen mal von vorne, mal von der Seite oder von hinten. Anders als die deutsche Profi-Elite um Patrick Lang und Laura Philipp hielt sich Nell an die Regeln.

Versorgungsstellen waren nicht optimal

Er verstieß nicht gegen die Windschattenregeln und vermied es, fünf Minuten in der Penalty Box abzusitzen. „Bei uns Altersklassenathleten wird diese Regel nicht so streng kontrolliert“, merkt Nell an, der auf der mit 1500 Höhenmetern gespickten Strecke zeitweise mit seinen Mitstreitern in den Anstiegen „im Schneckentempo“ kämpfte.

Nach fünf Stunden und 15 Minuten wechselte Nell auf die Laufstrecke, die ihm alles abverlangen sollte. Bereits der erste Anstieg herauf auf der Palani Road zwang Nell zu einer Gehpause: „Mir war klar, dass ich den Anstieg nicht vollends schaffe, deswegen habe mich gleich entschieden zu laufen.“

An den Versorgungsstellen vermisste er salzhaltigen Snacks. Einige Station wurden gar ganz gestrichen, weil dem Veranstalter die ehrenamtlichen Helfer fehlten. Das Teilstück auf dem Queens K Highway wurde zur Qual.

„Die vor Hitze flimmernde Luft, der glühende Asphalt und die menschenleere Kulisse waren für meinen Kopf eine Riesenherausforderung. Ich musste an meine Schmerzgrenze gehen und darüber hinaus“, sagt Nell, der sich nach 25 Kilometern und unzähligen Eiswürfeln oft die Sinnfrage stellte: „Warum mache ich das eigentlich?“

Neben Wasser schwitzen Ausdauersportler auch Harnstoffe und Mineralien aus, allen voran Natriumchlorid – sprich Kochsalz. „Diesen Speicher konnte ich aber nicht mehr nachfüllen, weil die Verpflegungsposten es nicht ermöglicht haben. Beim Laufen hat mich dann eine Mixtur aus meiner eigenen Verpflegungsflasche im Rennen gehalten.“

Die eigene Trinkflasche als Rettung

Diese gab er auf der Strecke nicht aus der Hand: „Sie war meine Rettung.“ Immer wieder nahm er einen Schluck. Unterdessen legte er weitere Gehpausen ein. „Der zweite Ironman innerhalb von sechs Monaten ist nicht so optimal“, musste Nell anerkennen und querte auf dem Ali’i Drive in Kona mit einer Laufzeit von vier Stunden und 28 Minuten die Ziellinie.

Mit seiner Endzeit von 11 Stunden, vier Minuten und vier Sekunden kam Nell 101 Sekunden vor Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder (54) ins Ziel. So richtig realisieren und feiern konnte Sören Nell seinen Zieleinlauf aber nicht. Er bekam die typische Blumenkette um den Hals gehangen und baute dann relativ schnell ab.

Appetit auf Essen? Fehlanzeige. Als dann auch körperlich nichts mehr ging, bekam der 38-jährige Nell vom medizinischen Personal des Veranstalters eine Kochsalzlösung verabreicht. Erst nach der zweiten Infusion ging es ihm wieder besser: „Was ich geschafft und erreicht habe, werde ich wohl erst in den kommenden Tagen realisieren.“ (Marvin Heinz)

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