Alex Frey: Der GöSF-Schlagmann geht von Bord

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Wassersportler und „Bäder-Chef“: Alexander Frey, Geschäftsführer der GöSF – Göttinger Sport und Freizeit GmbH und verantwortlich für die Sportstätten in Göttingen, geht in Ruhestand. Hier vor dem Freibad Brauweg, das vor einer umfassenden Renovierung steht. 

Bevor Alexander Frey sein berufliches Glück bei der Stadt Göttingen und später bei deren Tochter Göttinger Sport & Freizeit GmbH (GöSF) fand, schraubte er an Motorrädern und handelte mit Bikes. Das lag nahe: Als Absolvent des Lehramtsstudiums hatte Frey, wie viele andere Mitte der 80er-Jahre, schlechte Karten – zumal mit den Fächern Sport und Geschichte. „Wir mussten offen sein, schauen, wo sich etwas auftut“, sagt Frey heute.

Für „Alex“, wie er in Sportlerkreisen nur heißt, aber tat sich etwas auf: Er wurde ABM-Kraft und Kanu-Lehrer bei der Stadt. Das passte zu seiner Passion, dem Kanusport und Kanu-Polo. Auch weil Frey quasi am Ufer des Göttinger Kiessees in der Wohnsiedlung „Hinter dem Hügel“ wohnte. Heute ist der Kiessee ein Wassersportzentrum – mit Bootshäusern von Waspo und der Stadt. Frey ist daran nicht ganz unschuldig.

Nachfolger Gruber

Kanu-Polo spielt Frey nicht mehr, Wildwasser fährt er eher selten, auf Wanderflüssen schon eher – und natürlich mit dem Motorrad. Dafür hat der gebürtige Kasseler ab März mehr Zeit, denn er steigt aus dem GöSF-Boot – in dem war er seit 2007 als Schlagmann – als Geschäftsführer, für Takt, Zielsetzung und Teamspirit verantwortlich. Ein wenig früher als nötig mit 63 und nach drei Jahrzehnten.

„Eine gute Zeit zu gehen“, sagt der in sich ruhende Frey, der die letzten Arbeitswochen am Frühstückstisch seinen PC aufgestellt hatte. Sein Schreibtisch mit zwei großen Bildschirmen war besetzt vom Nachfolger Andreas Gruber. Der, ein ganz anderer Typ als Frey, quirlig und extrovertiert, war zuvor im Kaufpark Center-Manager und ist auch Stadtsportbundvorsitzender.

„Er brennt für den Job, für den Sport und die Geschäftsführung“, sagt Alexander Frey, der ihn seit September eingearbeitet hat und Ende Februar seinen Frühstückstischarbeitsplatz räumen wird. Leicht falle es ihm auch deshalb, weil er seinem Nachfolger zutraut, „etwas bewegen zu können“.

Bodenständiger Typ

Aber es fällt auch schwer, das Boot GöSF nicht mehr zu steuern. „Ich mache mir nichts vor und habe das auch bei anderen beobachtet, die in der Öffentlichkeit standen, etwas gestalten konnten: Es wird mir fehlen, gehört und mitsprechen zu können.“ Aber Alexander Frey hat einen Vorteil gegenüber denen, die plötzlich unbedeutend geworden waren, dann nur als Mensch nicht mehr so viel zählten: Er weiß darum.

Und Frey ist, wie beschrieben, ein besonnener, selbstbewusster und bodenständiger, naturverbundener Mensch. Kanuten sind so: kontrolliert, mit klarem Kopf agierend im wilden Wasser, genießend auf dem ruhigen Fluss unterwegs. So hat er sich auch durch manchmal aufgeregte politische Zeiten und Themen manövriert. Gern auch im Team. Manchmal allein, wie nach seinem – gar nicht so dummen – Vorschlag für einen Volksgolfplatz in Geismar, der ihm öffentlich um die Ohren flog.

Erfolge, wie die Entwicklung des Freizeitareals am Kiessee, die Sanierung und Neuausrichtung der drei Freibäder, des Badeparadieses Eiswiese, den Bau der Sparkassen-Arena und des Basketballzentrums direkt daneben, die Modernisierung vieler Sporthallen und Sportplätze, feierte Alex Frey nicht laut, eher mit stillem Genuss, wie nach dem fehlerlosen Durchqueren einer heiklen Gebirgsbachschlucht mit dem Kajak.

Sportstadt Göttingen

Ein wenig Stolz wird doch spürbar, wenn Alex Frey auf die Frage nach dem Stellenwert der Sportstadt Göttingen sagt: „Im Vergleich zu anderen, ähnlichen Großstädten können wir uns mit den Sportstätten sehen lassen“ – mehr als das: „Ein solches Angebot gibt es eher selten.“ Frey meint auch den Zustand der Hallen und Sportanlagen – und die Tatsache, dass mit drei Freibädern ein außergewöhnlich großes, wie attraktives Angebot besteht.

„Schon mein Vorgänger hat mit dem Naturerlebnisbad Grone auf die Umstrukturierung gesetzt, das war wegweisend und völlig richtig“, sagt Frey, der auch froh über den – nach zähem Ringen mit den Weender Bürgern – erreichten Neubau des Weender Freibades ist. „Wir haben gute Besucherzahlen, das läuft. Und die Schwimmer sind auch geblieben“, bilanziert Frey, der hervorhebt, dass auch das Öffnen der Fläche in Weende und die Freizeitangebote ein echter Fortschritt seien.

Spitzensport

Der Breitensportler Frey ist aber auch ein Mann des Spitzensports. Der sei für eine Stadt wie Göttingen wichtig. „Die Leuchttürme Basketball und Tanzen haben eine Wirkung, sind Werbung für die Stadt, strahlen aber auch auf den Nachwuchs aus“, weiß der Sportwissenschaftler. Dass der Fußball schon länger am Tiefpunkt verharrt, bedauert selbst Kanute Frey.

Schock Bombentote

Haften bleibt für Frey aber auch ein Schockerlebnis: Am 1. Juni 2010 starben bei einer Bombenentschärfung auf dem Schützenplatz drei Menschen. „Ich habe noch kurz vorher mit diesen Männern über ihre gefährliche Arbeit gesprochen. Das war ein schlimmer Tag.“

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