Blindenfußball beim Turnfest: Gegen die "Gauchos" war nichts drin

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Deutschland vor! Ali Pektas (2. v.l.) stürmt mit dem Rassel-Ball am Fuß Richtung argentinisches Tor. Bei diesem Angriff sind die Gauchos nur zweiter Sieger.

Göttingen. Schon viel besser als vor Wochenfrist bei einem renommierten Turnier Regensburg, aber noch nicht gut genug!

Zwar zeigte sich die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft gegenüber dem 0:5 in Bayern bei den beiden Test-Länderspielen in Göttingen gegen Argentinien im Rahmen des Erlebnis-Turnfestes erheblich verbessert, doch an den beiden 2:0-Siegen der „Gauchos“ am Samstag und am Sonntag gab es überhaupt nichts zu deuteln. 

„Die technische Überlegenheit der Argentinier war entscheidend“, meinte Bundestrainer Uli Pfisterer nach dem Sonntagsmatch, das genauso intensiv geführt wurde wie die Partie am Samstag. Fast 500 Zuschauer klatschten anerkennend – obwohl die Blindenfußballer eher fast absolute Ruhe benötigen, um die Anweisungen der Trainer, der Mitspieler und des „Guides“ hinter dem gegnerischen Tor zu hören.

„Ich bin positiv überrascht über die Steigerung“, sagte Pfisterer weiter und meinte damit den am Sonntag wesentlich druckvolleren Auftritt der Mannschaft um Kapitän Alex Fangmann. Deutschland spielte mit mehr Power nach vorn als am Samstag, als die Argentinier durch Maxi Espinillo und Nicolas Velez zu ihren beiden Treffern kamen. Allerdings hätten die „Albiceleste“ (die „Himmelblauen“, wegen ihrer hellblau-weiß gestreiften Trikots) am Sonntag weitaus höher gewinnen können, denn Führungs-Torschütze Ivan Figeroa traf ebenso wie 0:2-Torschütze Espinillo sowie der überragende Froilan Padillo nur den Pfosten. Beide verschossen jeweils einen Achtmeter, den es ab dem vierten Team-Foul gibt.

Padillo, der mehr als 1,90 Meter messende Abwehrchef der Argentinier, verblüffte mit einer starken Ballführung – kein Wunder, denn er spielt als Profi in Brasilien, das die Experten gegen die Gauchos im Paralympics-Finale in Rio erwarten.

„Argentinien war eine Klasse besser“, räumte der deutsche Stürmer Ali Pektas (Marburg) ein und ergänzte: „Ich kann es mir nicht leisten, zehn Tage durch Europa zu reisen.“ Wie die Argentinier, meinte er, bei denen der Blindenfußball einen höheren Stellenwert genießt als hierzulande. Bundestrainer Pfisterer appellierte nicht zum ersten Mal daran, dass sich der DFB mehr engagieren müsse.

In diese Kerbe schlug auch der Göttinger SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann: „Blindenfußball müsste mehr Förderung bekommen, das muss sich ändern, da müssen wir Druck machen.“ Derzeit ist das zentral liegende Göttingen „Lehrgangsstandort der deutschen Nationalmannschaft“. Pfisterer regte sogar ein Göttinger Team in der Blindenfußball-Bundesliga an. In seiner Nähe, denn er zieht nach Nordhessen. 

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