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Die Göttingerin Hannah Buch bereitet sich auf die Profi-Saison vor

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Von: Andreas Arens

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Training für eine harte Saison: Hannah Buch vom Tuspo Weende bereitet sich zwischen den Trainingslagern auf Mallorca und in Frankfurt/Oder auch auf der heimischen Radrennbahn auf die Straßenrennen der Profis vor.
Training für eine harte Saison: Hannah Buch vom Tuspo Weende bereitet sich zwischen den Trainingslagern auf Mallorca und in Frankfurt/Oder auch auf der heimischen Radrennbahn auf die Straßenrennen der Profis vor. © Hubert Jelinek/GSD

Radfahrerin Hannah Buch vom Tuspo Weende hat den Sprung in die Elite ihres Sports geschafft. Die 19-jährige Göttingerin nimmt mit ihrem Profi-Team 2022 an den größten Rennen der Welt teil.

Göttingen – Ob Sport oder Studium – bei allem, was die Göttingerin Hannah Buch tut, steht der Spaß im Vordergrund. Und dennoch ist sie mit gerade einmal 19 Jahren schon im Kreis der absoluten Radsport-Elite angekommen. „Lange war es gar nicht mein Ziel, Profi zu werden“, erzählt Buch. In der Junioren-Saison, als es darum ging, sich für die Profi-Teams zu empfehlen, hatte sie aber „einfach Bock darauf“.

Und so hat die Radfahrerin vom Tuspo Weende 2022 die Chance, an den größten Rennen der Welt teilzunehmen und mit den besten Straßen-Radfahrerinnen des Globus’ in Konkurrenz zu treten.

Buch erlebt die momentan rasante Entwicklung des Frauen-Profiradsports hautnah mit. Mit ihrem Team „Roland Cogeas Edelweiß Squad“ ist sie in die erste Kategorie der Profi-Teams vorgestoßen. Und dort tut sich einiges, immer mehr berühmte Eintagesklassiker und Rundfahrten, die früher den Männern vorbehalten waren, stehen im Kalender.

Keine Berührungsängste

Bis die Saison so richtig losgeht, gilt es für Hannah Buch noch, einige Trainings- und Wettkampf-Kilometer abzuspulen. Als die HNA mit ihr spricht, befindet sie sich gerade im Trainingslager der Frauen-Nationalmannschaft auf Mallorca. An der Seite des 2021 so erfolgreichen Bahnrad-Vierers (Lisa Brennauer, Lisa Klein, Mieke Kröger und Franziska Brauße) und aller anderen etablierten Fahrerinnen bereitet sie sich auf die kommende Straßenrad-Saison vor.

Berührungsängste mit den „Großen“ der Szene gibt es nicht. „Die sind alle sehr nett. Es ist einfach cool, mit ihnen zusammen zu trainieren, ich kann viel von ihnen lernen“, sagt Buch. Die Radfahrerinnen haben in der Vorbereitung schon einige Kilometer hinter sich gebracht. Das intensive Trainingslager jetzt sei zwar anstrengend, aber „hauptsächlich eine gute Vorbereitung“, findet die 19-jährige Göttingerin.

Große Umstellung

Dass man die Wettkampfhärte, die sich die Straßenradfahrerinnen gerade holen, im Profi-Zirkus unbedingt benötigt, weiß Buch bereits aus dem vergangenen Jahr. Schon 2021 nahm sie an einigen der größten Rennen teil. Etwa an der erstmals ausgetragenen Tour de Suisse sowie den „Ardennen-Klassikern“ Flèche Wallone („Wallonischer Pfeil“), Lüttich-Bastogne-Lüttich und dem Amstel Gold Race. Für eine Fahrerin, die damals frisch aus dem Junioren-Bereich kam, waren die Elite-Rennen zunächst schon eine große Umstellung.

Von Beginn an ihr Coach und Mentor: Hannah und Holger Buch beim gemeinsamen Training auf der Radrennbahn am SVG-Stadion.
Von Beginn an ihr Coach und Mentor: Hannah und Holger Buch beim gemeinsamen Training auf der Radrennbahn am SVG-Stadion. © Hubert Jelinek/GSD

„Die Länge ändert sich (die Rennen haben durchschnittlich fast die doppelte Distanz, die Redaktion) und es wird viel, viel härter gefahren“, beschreibt Buch den großen Sprung von den Juniorinnen zur Elite. Dort muss sie sich nun behaupten – auch innerhalb ihres Teams, das in der vergangenen Saison den Aufstieg von der zweiten in die erste Kategorie der Profimannschaften geschafft hat.

Erste Tour für Frauen

Auch wenn Buch sich nicht besonders mit der Thematik beschäftigt, erlebt sie die zunehmende Professionalisierung des Frauen-Radsports mit. Es fließt mehr Geld, und in einigen Teams steigen der Druck und die Erwartungshaltung. „Mein Team ist aber sehr geduldig. Sie geben mir Zeit. Aber allgemein gibt es schon eine Entwicklung in diese Richtung“, sagt Buch.

Die positive Seite sind die prestigeträchtigen Rennen, die es nun auch für Frauen gibt. Letztes Jahr wurde erstmals Paris-Roubaix ausgefahren und im Sommer soll die Tour de France ihre Premiere feiern. Sechs Startplätze hat ihr Team dann zur Verfügung, elf Fahrerinnen stehen unter Vertrag. „Wer mitfährt, steht noch nicht fest, das hängt dann auch von der Entwicklung bis zum Sommer ab“, beschreibt Buch ihre Aussichten auf eine Tour-Teilnahme.

Studium und Karriere

Was ihr bei einer Nominierung zugutekommen könnte, ist ihre Stärke im Einzelzeitfahren (die bei großen Rundfahrten immer von Bedeutung ist). Bei den Deutschen Elite-Meisterschaften 2021 wurde Buch immerhin 15. Festgelegt auf das Zeitfahren als Spezialdisziplin ist die Göttingerin aber nicht. „In meinem Alter versucht man, sich in allen Disziplinen weiterzuentwickeln. In ein paar Jahren schaue ich dann, was mir besonders liegt“, sagt Hannah Buch.

Was sie nach ihrer Radsport-Karriere machen will, weiß sie schon genau. Im Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Uni Göttingen befindet sich Buch schon auf der Zielgeraden. Sie kommt im Frühjahr bereits ins sechste Semester. „Das Studium habe ich nicht nur nebenbei gemacht, ich habe das immer gut mit dem Sport vereint“, sagt die 19-Jährige. Und Spaß macht es ihr natürlich auch. „So viel, dass ich beruflich später in diese Richtung gehen will.“

Zur Person

Hannah Buch (19) wurde am 11. September 2002 in Göttingen geboren. Ihre Begeisterung für den Radsport entdeckte sie mit fünf Jahren, als ihr Vater Holger Buch (Leiter Radsport-Sparte im Tuspo Weende) mit ihr Geschicklichkeitsübungen auf dem Rennrad machte. Seit 2021 ist sie Profi-Fahrerin, 2022 als Mitglied des Teams „Roland Cogeas Edelweiß Squad“.

Ihre bislang größten Erfolge: Hannah Buch war Deutsche Zeitfahr-Meisterin in der U 17 und U 19, Zweite bei den Deutschen Berg-Meisterschaften, EM-Dritte Mannschaftsverfolgung U 19.

Von Andreas Arens

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