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Erster Kater in den Göttinger Kneipen nach der Pleite in Katar

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Von: Helmut Anschütz, Andreas Arens

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Prost! In der Kneipe „Stadion an der Speckstraße“ gab’s im Gegensatz zu Katar wenigstens Bier.
Prost! In der Kneipe „Stadion an der Speckstraße“ gab’s im Gegensatz zu Katar wenigstens Bier. © Jelinek, Hubert

Ein insgesamt tristes Bild bot sich in den Göttinger Kneipen beim erstem deutschen WM-Spiel gegen Japan am Mittwochnachmittag. Keine WM-Atmosphäre und dann auch noch eine Niederlage. Ein Stimmungsbericht.

Göttingen – Gedämpfte Stimmung vor der Partie, noch gedämpftere Stimmung danach – von Euphorie rund um die Fußball-WM ist auch am Tag des ersten Spiels der deutschen Elf gegen Japan (1:2) am Mittwoch in Göttingen keine Spur. Auf unserer kleinen Rundreise durch die bekanntesten Fußball-Lokale der Uni-Stadt begegnen uns keine Fans in Trikot oder mit Fähnchen, selbst in den teils nicht gerade voll besetzten Kneipen sucht man vergeblich nach Fan-Kultur und WM-Atmosphäre.

Erste Hälfte

Den Anpfiff erleben wir im Monro’s Park. Es ist Mittagszeit an einem normalen Arbeitstag in Göttingen/Deutschland – an einem Mittwoch im November. Fußball scheint da nur vereinzelt zu interessieren. 60 Leute haben sich in Göttingens größtes Fußball-Lokal verirrt. Bei anderen Turnieren oder auch Champions League-Spielen waren hier locker mehr als 300 Leute anzutreffen. Umfallen im Gedränge völlig unmöglich!

Reus sitzt nur in der zweiten Reihe: Kurz vorm Anpfiff im Monro‘s Park. In der deutschen Aufstellung fehlt der Dortmunder, in der Kneipe schaut der Reus-Fan zu.
Reus sitzt nur in der zweiten Reihe: Kurz vorm Anpfiff im Monro‘s Park. In der deutschen Aufstellung fehlt der Dortmunder, in der Kneipe schaut der Reus-Fan zu. © Jelinek, Hubert

Während der ersten Halbzeit kommen auch Lukas Zekas (Ex-Trainer von Landesligist SC Hainberg) und Marlon Krebs (Ex-Handballer Rosdorf, jetzt wieder aktiv für Landesligist Northeimer HC II). Richtig begeistert vom Spiel scheinen auch sie nicht zu sein.

Halbzeitpause

Zum Pausentee gibt es eine kleine Stippvisite im La Vida. Die Kneipe in der Roten Straße lebt bei den warmen Sommer-WM’s oder EM’s von ihrer Außengastronomie samt trinkfreudiger Kundschaft. Gestern bei nur sieben Grad im Freien spielte sich alles nur innen auf sechs TV-Bildschirmen ab.

Zweite Hälfte

Voll ist die Hütte zur zweiten Halbzeit zumindest im kleinen „Stadion an der Speckstraße“ – trotz des ausdrücklichen Hausverbots für Fifa-Präsident Gianni Infantino. „Das umfasst auch das Rumlungern vor der Gaststätte“, betont Betreiber Dominik Hollender. Er hatte lange überlegt, ob er die WM in Katar aufgrund der Menschenrechtslage boykottieren soll. „Der Blick auf mein Konto hat mich davon abgehalten, so ehrlich muss ich sein“, sagt Hollender, der laut eigener Aussage aber 2,5 Prozent der Einnahmen während der WM an Amnesty International spenden will.

Hat Stadionverbot in der Speckstraße: Der umstrittene FIFA-Boss Gianni Infantino.
Hat Stadionverbot in der Speckstraße: Der umstrittene FIFA-Boss Gianni Infantino. © Andreas Arens

Unter den Gästen ist dafür unter anderem Karl „Willi“ Würzberg, Klubchef des Fußball-Landesliga-Dritten SVG Göttingen. Auch er sieht, wie die deutsche Mannschaft eine Chance nach der anderen vergibt.

Freundliche Fachsimpeleien lassen sich hier jede Menge führen, doch leider wird das Spiel der deutschen Mannschaft immer schlechter. „Das fängt schon wieder so an wie bei der letzten WM“, ärgert sich ein Zuseher beim japanischen Ausgleich. Und er sollte recht behalten.

Als Takuma Asano vom VfL Bochum, neben Ritsu Doan vom SC Freiburg der zweite Torschütze aus der deutschen Bundesliga, zum Sieg für die Japaner trifft, herrscht um 15.32 Uhr blankes Entsetzen. ein Aufschrei in der kleinen Pinte, Fassungslosigkeit bei den Gästen. Einige ordern noch ein Frust-Bier, andere suchen schnell den Ausgang vor dem Kater nach der Pleite in Katar.

Ein Irrtum? Japaner mit Deutschland-Flagge.
Ein Irrtum? Japaner mit Deutschland-Flagge. © Jelinek, Hubert

So wirklich trüben kann das die maue WM-Stimmung aber auch nicht mehr, denn sie ist in Göttingen an diesem Mittwoch-Nachmittag einfach nicht vorhanden. Auf dem gerade begonnenen Weihnachtsmarkt ist die umstrittenste Fußball-WM aller Zeiten am bekanntesten Glühweinstand ebenso wenig ein Thema wie in der Fußgängerzone.  gsd/ana

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