Buchtipp zu Weihnachten

Keine Fanta, aber viel Vergnügen: Fußball-Buch vom Arete Verlag stellt Bundesliga-Originale vor

Im stilechten Gelb und Orange der 1970er Jahre: Das Cover von „Männer trinken keine Fanta“.
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Im stilechten Gelb und Orange der 1970er Jahre: Das Cover von „Männer trinken keine Fanta“.

„Männer trinken keine Fanta“, mit diesem Spruch – oder viel mehr mit der Vorgeschichte, die zu diesem Spruch führte – erlangte Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder 1975 bundesweit Berühmtheit.

Göttingen/Hildesheim – Was er meinte: Männer trinken natürlich Bier – nicht nur nach dem Fußballspiel, sondern auch davor. Und da kann es dann eben mal passieren, dass man bei einer Bundesligapartie – so wie an jenem 8. November 1975 geschehen – schon nach 32 Minuten zum Pausentee bittet.

Diese kuriose Begebenheit war nicht nur Namensgeber des neu im Hildesheimer Arete-Verlag erschienenen Buches „Männer trinken keine Fanta“, sondern steht auch exemplarisch für den Fußball der guten alten Zeit. Als Männer eben noch Männer waren (und keine Fanta-Trinker), als ganz klar war, dass Torhüter und Linksaußen etwas anders tickten, als Unangepasstheit noch eine Tugend war.

Hermann Schmidt und Miriam Bernhardt porträtieren in ihrem Buch mehr als 80 Originale der Fußball-Bundesliga. Von A wie Ahlenfelder bis Z wie Zebec erfährt der Leser etwas über die Biografien von Fußballern, die etwas anders waren als die anderen. Ob die „Männer im Kasten“ wie Anton Schumacher oder Volker Ippig, „Eisenfüße“ wie Uli Borowka, „Manndecker und Maurer“ wie Ata Lameck, „Laufwunder“ wie Willi Landgraf, „Sturmtanks und Brecher“ wie Klaus Fischer, „Unglücksraben“ wie Stan Libuda, „Spaßvögel“ wie Ente Lippens, „Die Unangepassten“ wie Walter Frosch, „Die Weltmeister“ wie der Boss Rahn oder Paul Breitner und schließlich die „Trainer“ wie Max Merkel oder Louis van Gaal – auf etwa 220 Seiten schildern Schmidt und Bernhardt, was die ausgewählten Fußballer so besonders machte.

Uli Borowka engagiert sich heute in der Suchtprävention.

Bei vielen Persönlichkeiten gelingt das sehr unterhaltsam, etwa bei Wolf-Dieter Ahlenfelder, mit dem das Buch beginnt. Man erfährt etwas über seine kleine Privatfehde mit Paul Breitner und bekommt Auszüge aus einem legendären Interview mit „Reviersport“ aus dem Jahr 2007 zu lesen. Zu dem Vorfall, der ihn 1975 zur Legende gemacht hatte, sagte „Ahli“ damals: „Wie es sich für einen Ruhrgebietler gehört, habe ich mal einen genommen ... Wenn ich sage, dass ich vor Fußballspielen Wasser und Fanta getrunken habe, wäre das eine Lüge. Ich habe mir ein Pilsken reingetan und der Fall war erledigt.“

Bei den Spieler- und Trainer-Biografien offenbart das Buch aber dann auch kleine Schwächen. Zweifellos interessant sind vor allem die Geschichten nicht ganz so berühmter Spieler. So erfahren wir beispielsweise, welch großartige Torhüter Anton Schumacher oder Volkmar Groß waren, obwohl ihnen eine große Karriere verwehrt geblieben ist.

Bei anderen – einigen wenigen – Spielern werden jedoch im Wesentlichen nur die Stationen und Daten der Karriere beschrieben, man erfährt nicht so viel über den Typen, den Menschen wie erhofft. Ziemlich ärgerlich sind sachliche Fehler. Beispielsweise wird auf Seite 41 – es geht um Horst-Dieter Höttges, den Vater aller Eisenfüße – Paul Breitner der Wembley-Elf 1966 zugeordnet. Dumm nur, dass Breitner da gerade 14 Jahre alt war und noch in der Jugend des ESV Freilassing spielte.

Trinkt auch keine Fanta, sondern Tee: Felix Magath.

Nicht schlimm, aber dennoch nicht korrekt ist auch der Fauxpas im Teil über Felix Magath, dem letzten der vorgestellten Trainer. Er soll als Spieler zwei Mal den Europapokal der Pokalsieger gewonnen haben. Der zweite Europapokalsieg war jedoch im Wettbewerb der Landesmeister, und Felix Magath schoss im Finale 1983 gegen Juventus das viel umjubelte Siegtor mit einem sensationellen Weitschuss – das wird nicht mal in einem Nebensatz erwähnt.

Abgesehen von den erwähnten kleinen Schwächen ist „Männer trinken keine Fanta“ aber eine oft unterhaltsame und fast immer informative Lektüre für Fußball-Fans, die gerne in der Romantik der „guten alten Zeit“ schwelgen. Und genau für die wurde es auch konzipiert.

Hermann Schmidt, Miriam Bernhardt: „Männer trinken keine Fanta“, Arete Verlag Hildesheim 2020, 18 Euro.

Von Andreas Arens

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