Offizielle beraten am Samstag über Änderungen

Er will andere Regeln: Landwehrhäger schreibt an die Fifa

Schreibt an Verbände und Vereine: Klaus-Dieter Bauer vor seinem Laptop mit dem verletzten Schweinsteiger im Bild. Foto: Brandenstein

Landwehrhagen. Die Glühwein-WM in Katar findet er schwachsinnig. Aber darum geht es Klaus Dieter Bauer gar nicht. Er setzt sich bei der Fifa für eine Regeländerung ein.

Am Samstag wird es wieder spannend: In einem Fünfsterne-Hotel in Belfast treffen sich die Hüter der Fußballregeln, um über Änderungen zu beraten. Dabei könnten interessante Entscheidungen fallen. Es geht zum Beispiel um den Einsatz eines vierten Einwechselspielers. Klaus-Dieter Bauers Vorschlag fehlt auf der Tagesordnung der IFAB (International Football Association Board). Doch der 69-jährige Landwehrhäger will das nicht einfach hinnehmen.

Im November schrieb der Diplom-Ingenieur, der jahrzehntelang Mittelstürmer in Landwehrhagen, Spiekershausen und Münden war, an den Weltfußballverband Fifa. Sein Änderungswunsch: Wenn eine Mannschaft durch ein Foulspiel und anschließende Behandlung des Spielers vorübergehend dezimiert wird, soll der foulende Übeltäter ebenfalls vom Feld müssen. Und zwar für die Zeit der Behandlung oder bis zur Einwechslung eines Ersatzspielers. „So wie es bisher läuft, hat die foulende Mannschaft doch einen ungerechtfertigten Vorteil. Und Ungerechtigkeiten regen mich auf!“, sagt Bauer. Er erinnert an das WM-Finale im Sommer: In der Verlängerung verpasste der Argentinier Aguero Bastian Schweinsteiger eine blutende Platzwunde im Gesicht. Der Deutsche musste für zwei bis drei Minuten ärztlich versorgt werden. Währenddessen spielte die DFB-Elf in Unterzahl weiter. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn Argentinien in dieser Zeit ein Tor erzielt hätte, meint Bauer.

Das Thema störe ihn seit Jahren. Den Deutschen Fußball-Bund, das ZDF und sogar Rekordmeister Bayern München hat der HSV-Fan schon auf sein Anliegen aufmerksam gemacht. Es gab Reaktionen, doch bekanntlich tun sich alle Verantwortlichen im Fußball mit Regeländerungen schwer. Auf eine Antwort der Fifa wartet Klaus-Dieter Bauer bislang vergebens. Das dürfte zwar nichts mit seiner Ablehnung der Glühwein-WM in Katar zu tun haben („Das ist doch Schwachsinn!“), aber er ist darüber schon etwas enttäuscht. Deshalb hofft er, „dass viele Leute meinen Vorschlag unterstützen und sich ebenfalls an die Fifa wenden. Die darf nämlich als Mitglied der IFAB, die ursprünglich nur von den vier britischen Verbänden gebildet wurde, Regeländerungen anstoßen.

Was Klaus-Dieter Bauer etwas Mut macht, ist ein zehn Zentimeter langer, weißer Strich an den Grundlinien jedes Fußballplatzes. Er markiert die 9,15 Meter Abstand zwischen dem Eckballschützen und dem ersten Abwehrspieler. Vor rund 30 Jahren hatte Bauer die damals noch fehlende Markierung in einem Schreiben an das ZDF beklagt. Fünf Jahre später führte sie der DFB ein. Ob Bauers Brief von 1982 ausschlaggebend war, sei ihm aber nie mitgeteilt worden.

In seinem aktuellen Fall muss er sich mindestens ein Jahr gedulden. Mal sehen, ob sein Vorschlag dann auf der Liste der Regelhüter steht.

Stichwort IFAB: Das International Football Association Board (IFAB) ist ein eingetragener Verein, der seit 129 Jahren über die Regeländerungen im internationalen Fußball befindet. Er wird durch Fachleute in zwei Beratungsgremien unterstützt. Sitz und Stimme haben je ein Vertreter der Verbände aus England, Nordirland, Schottland und Wales sowie vier Vertreter der Fifa.

Folgende Entscheidungen stehen bei der 129. Jahrestagung am Samstag an: 1. Geht ein Spiel in die Verlängerung, soll eine vierte Einwechslung möglich werden; 2. Beschlüsse zur sogenannten Dreifachbestrafung (Rote Karte, Strafstoß und anschließende Sperre); 3. Flexibilisierung der Auswechslungen im Amateurfußball.

Wichtige Regeländerungen: 1958: Ein- und Auswechslungen sind erstmalig erlaubt, jedoch zunächst nur für einen verletzten Torhüter und einen weiteren verletzten Spieler

1970: Das System der Gelben und Roten Karten wird eingeführt

1990: Gleiche Höhe ist kein Abseits mehr

1992: Änderung der Rückpassregel

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