Kreis-Obmann Christian Rahlfs im Interview zu den jüngsten Vorfällen und möglichen Folgen

Denkbar: Schiris bleiben weg

Immer im Brennpunkt: Schiedsrichter haben einen schweren Job. Auf unserem Archivbild trennt Gerhard Diedrich aus Hedemünden (Mitte) Streithähne der SG Escherode/Uschlag (blau) und des Dransfelder SC. Archivbild: Brandenstein

Göttingen. Respekt ist das Zauberwort, um Fußballspiele in geordnete Bahnen lenken zu können. Jüngst ist dieser Respekt in einigen Fällen aber verloren gegangen. Zweimal konnten auf Kreisebene pfeifende Schiedsrichter erst unter Polizeischutz den Platz verlassen. Das war für den Kreisschiedsrichter-Ausschuss der Anlass, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Wir haben mit Schiedsrichter-Obmann Christian Rahlfs gesprochen.

Herr Rahlfs, Wie haben denn die betroffenen Schiedsrichter reagiert? Christian Rahlfs: Nach den Vorfällen in Obernjesa und Elliehausen waren die Schiedsrichter natürlich geschockt. Einer von ihnen, der schon rund 20 Jahre Spiele leitete, hat nun aufgehört. Spätestens das war für mich alarmierend. Wir können doch nicht warten, bis einer wirklich mal auf dem Platz zusammengeschlagen wird. Hatten Sie Kontakt zu den betreffenden Vereinen, denen die Übeltäter angehören? Rahlfs: Ich habe mit einem Trainer und einem Fachwart darüber gesprochen. Da ging es zum Beispiel auch darum, dass einer der beiden Schiedsrichter auf einer Internetseite angegangen wurde. Der betreffende Trainer hat sich aber geweigert, diese Sachen zu löschen. Haben solche Vorfälle wie in Obernjesa und Elliehausen in letzter Zeit zugenommen? Rahlfs: Wir hatten so etwas immer mal wieder, aber es nimmt definitiv zu. Mit Attacken über die sozialen Medien wird Stimmung gemacht. Dort wird Schiedsrichtern sogar gedroht. Wie sieht es im Nachwuchsbereich aus? Rahlfs: Aus meiner Sicht liegt da noch mehr im Argen als bei den Erwachsenen. Da haben wir Riesenprobleme, beispielsweise mit den Eltern, die bei einem Spiel zuschauen. Wie wirkt sich das auf die Schiedsrichter aus? Rahlfs: Die Schiedsrichter in diesem Bereich sind oft noch unerfahren. Da muss man sich fast schon nicht mehr wundern, wenn von 20 ausgebildeten Unparteiischen nur noch wenige nach ein paar Jahren übrig bleiben. Neulich erzählte mir die Mutter eines Jungschiedsrichters, dass sie es nicht verstehe, wie ihr Sohn diesen Druck von außen noch aushalte. Sie selbst könne sich das vor Ort längst nicht mehr mit ansehen. Gibt es noch andere Beispiele? Rahlfs: Mich hat ein Trainer aus dem Bereich Osterode angerufen, der sich beschwerte, dass wir zu einem sogenannten Derby einen unerfahrenen Schiedsrichter angesetzt hätten. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass er von der C-Jugend sprach. Das zeigt, dass von den Erwachsenen viel mehr Bedeutung in solche Spiele hineingelegt wird als es die Jungs selber wollen. Das ist ein Problem. Gibt es im Kreis Göttingen-Osterode noch genügend Schiedsrichter? Rahlfs: Wir können bis zur D-Jugend noch alles besetzen. Aber auch nur, weil einige pro Wochenende zwei bis drei Spiele pfeifen. Uns fehlt es besonders im Altersbereich zwischen 20 und 35 Jahren. Welche Konsequenzen wollen Sie aus den genannten Vorfällen ziehen? Rahlfs: Zunächst wollen wir einen Feedbackbogen einführen. Dort sollen die Schiedsrichter unter anderem die Begleitumstände eines Spiels festhalten. Das ist auch als Hilfe für die Vereine gedacht. Und wenn es doch wieder mal ganz schlimm kommt? Rahlfs: Falls es noch einmal so heftig wird, muss man auch mal Worten Taten folgen lassen. Es wäre dann durchaus denkbar, dass einzelne Spiele nicht mehr von uns besetzt werden oder im Extremfall die Schiedsrichter an einem Spieltag komplett zu Hause bleiben. So etwas hat es in dieser Serie im Kreis Celle schon gegeben. So weit wollen wir es natürlich nicht kommen lassen. Aber es müssen sich alle verstärkt Gedanken machen, wie der Respekt gegenüber den Schiedsrichtern gewährleistet werden kann. Foto: mbr

Von Manuel Brandenstein

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