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Präsident Hüdepohl über eine schwierige Saison und Spielabsagen

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Von: Manuel Brandenstein

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Stefan Hüdepohl, Präsident des Handballverbands Niedersachsen
Stefan Hüdepohl, Präsident des Handballverbands Niedersachsen © Jörg Zehrfeld/HVN

In der vergangenen Woche beendete der Handball-Verband-Niedersachsen seine bislang verfolgte liberale Politik in puncto Spielabsagen.

Uelzen/Münden – Nach einer Übergangsfrist müssen alle Spiele, bei denen Corona eine Mannschaft nicht deutlich reduziert, ausgetragen werden. Das dürfte den Unmut nicht weniger Vereine auf den Plan rufen. Wir haben darüber mit dem HVN-Präsidenten Stefan Hüdepohl gesprochen.

Herr Hüdepohl, bislang konnte jede Mannschaft praktisch frei entscheiden, ob sie Punktspiele bestreitet oder ob ihr das Risiko aufgrund der Corona-Pandemie zu groß ist. Warum wurde dieses liberale Vorgehen nun vom Verband geändert?Stefan Hüdepohl: Diese Liberalität wurde teilweise ausgenutzt und wir mussten dadurch massive Probleme bei den Spielverlegungen befürchten. Außerdem wollten wir der Diskussion, die in der Gesellschaft über das Thema Öffnen – ja oder nein – geführt wird insofern Rechnung tragen, dass wir die Möglichkeit des Spieleverlegens erschwert haben. Über allem steht, dass wir eine sportliche Entscheidung der Saison möchten.

Das heißt: Über allem steht das Ziel, die Saison komplett zu absolvieren, oder?
Hüdepohl: Ja, wir möchten gerne eine sportliche Entscheidung und keine, bei der wir die Saison durch eine Quotientenregelung werten müssen.

Für die neue Regelung gibt es in der Ober- und Verbandsliga eine Übergangszeit von zwei Wochen, die Landesligen müssen sich erst ab März daran halten. Welche Überlegung steckt dahinter?
Hüdepohl: Wir haben uns angeschaut: Wo wurden bislang welche Spiele verlegt. Und dabei kam heraus, dass in den oberen Ligen der Wille zum Spielen deutlich größer ausgeprägt war. Die Frist für die Landesligen wurde verlängert, da bei dieser Klasse auch die Kante verläuft, wo der Handball sich als reiner Hobbysport versteht.

Gerade in den Landesligen dürfte es nach unserer Erfahrung Mannschaften geben, die vermutlich auch nach dem Ablauf der Frist im März nicht wieder antreten wollen. Gäbe es dann besondere Sanktionen?
Hüdepohl: Stand heute ist es so, dass wir auf Strafen verzichten, das Spiel aber gegen jene Mannschaft gewertet würde, die auf eine Austragung verzichtet. Mehr passiert nicht, denn wir wollen uns an der Situation ja nicht bereichern.

Wie haben die niedersächsischen Vereine denn bislang auf die von Corona beeinflussten Durchführungsbestimmungen reagiert? Schließlich gibt es seit Kurzem ja die 2G-Plus-Regel in den Hallen.
Hüdepohl: Wir haben die gesamte Bandbreite. Wir haben Vereine, die sagen, diese Testpflicht für uns muss endlich fallen; andere finden gerade das Testen sehr gut, damit überhaupt gespielt werden kann. Darüber hinaus gibt es auch Vereine, die am liebsten nicht spielen wollen und auch jene, die uns angreifen. Das ist ein Spiegel der Gesellschaft und macht die Arbeit für uns extrem schwierig.

Wurde in Ihrem Verband darüber diskutiert, ob es nicht besser sei, nur die Hinserie zu spielen und dann eine vorzeitige Wertung vorzunehmen?
Hüdepohl: Das wird diskutiert. Aber wir haben ja theoretisch die Möglichkeit, bis zum 30. Juni zu spielen und dann eine Wertung vorzunehmen. Je nachdem, wie viele Spiele zu diesem Zeitpunkt bestritten wurden. Wir haben immer gesagt: Eine anze Saison ist sportlich fairer als eine halbe. Im Moment gilt noch: Können wir die Saison komplett beenden, werden wir sie so auch beenden. Aber ob das in der Zukunft auch noch so gesehen wird, ist derzeit schwer einzuschätzen.

Vielleicht wäre auch für den HVN eine klare Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt einfacher gewesen.
Hüdepohl: Das sagen Sie jetzt. Ich kann nur sagen: Egal, was laufen soll, es gibt immer riesige Kritik. Und genau das ist das Problem, das meine Ehrenamtlichen extrem frustriert. Man kann keine Entscheidung treffen, für die man nicht irgendwie kritisiert wird. Das ist auch der Riss, der durch die Gesellschaft geht, weil es einfach nicht richtig und falsch gibt in der Pandemie.

Noch mal zum Abschluss: Es bleibt als mögliches Szenario bestehen, dass die Saison letztlich doch nicht erst beendet wird, wenn alle geplanten Saisonspiele absolviert sind, oder?
Hüdepohl: Das ist alles möglich. Recht unwahrscheinlich ist es allerdings, dass das Land Niedersachsen uns den Laden noch einmal komplett zumacht. Deshalb maßen wir uns als Verband auch nicht an, es besser zu wissen. Deshalb geben wir im Rahmen der Regelungen die Möglichkeit, dass auch bei uns im HVN gespielt wird.

Tendenziell geht es derzeit in der Gesellschaft offensichtlich in Richtung weiterer Öffnungen. Heißt das, dass die Testpflicht für Spieler und Trainer sowie der nicht vollständig geimpften Zuschauer demnächst wieder fallen könnte?
Hüdepohl: Wir hatten uns dafür entschieden, um den Menschen ein bisschen Sicherheit zu geben. Und wir hatten auch schon Spiele abgesagt, bei denen im Vorfeld rausgekommen war, dass es am Spieltag positive Coronafälle gab. Auf jeden Fall ist auch im Punkt Zuschauer das Bild sehr unterschiedlich. So werden bei einigen Vereinen gar keine Zuschauer zugelassen, weil die Vereine den erhöhten Aufwand nicht leisten wollen oder können. Wir analysieren die Lage nach jedem Wochenende.

Neue HVN-Regelungen
Für die Ober- und Verbandsligen gilt:
- Die Saison 2021/22 wird bis zum 12. Juni verlängert.
- In jeder Staffel steigen die letzten beiden Teams ab. Sollten nach Aufnahme der Absteiger und Aufsteiger 30 Mannschaften oder mehr in der Klasse sein, steigen zusätzlich in beiden Staffeln die Drittletzten ab.
- Für Spiele ab dem 18. Februar sind Anträge auf Spielverlegung nur noch bei mindestens drei Coronafällen innerhalb des Spielerkaders möglich.

Für die Landesligen und -klassen gilt:
- Die Saison wird bis zum 29. Mai verlängert, Christi Himmelfahrt kann als offizieller Spieltag genutzt werden.
- Ab Anfang März sind Anträge auf Spielverlegung nur noch bei mindestens drei Coronafällen innerhalb des Spielerkaders möglich.
- Die Abstiegsrelegation entfällt. Aus jeder Staffel steigen die letzten beiden Teams ab.
(Manuel Brandenstein)

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