Nachwuchsläuferin der TG Münden misst sich mit den besten Europas

EM-Premiere für Lotti

Gutes Schuhwerk ist am wichtigsten: Ann-Charlotte Spangenberg zeigt die speziellen Stollen, die ihr besonders im Wald Halt geben sollen. Foto: Brandenstein

Hann. Münden. Im rumänischen Cluj-Napoka sind schon immer Menschen durch die Wälder gerannt. Meistens – so die Sage – waren sie auf der Flucht vor Graf Dracula. Am Wochenende wird dort auch eine junge Mündenerin den schnellsten Weg ins sichere Ziel suchen. Und das ganz ohne Angst vor dem Blutsauger: Ann-Charlotte Spangenberg nimmt an der Europameisterschaft im Orientierungslauf teil. Es ist ihre Premiere.

Erfolge hat die Orientierungslaufsparte der TG Münden schon viele gefeiert. Unter anderem gelangen Deutsche Meistertitel. „Dass jemand aber zu einer EM mitgenommen wird, ist, so lange ich dabei bin, noch nicht geschehen – und das sind immerhin schon 40 Jahre“, schmunzelt Spartenleiter Walter Rehbein. Er drückt aus der Ferne die Daumen, erklärt aber, dass die dominierenden Läufer noch immer aus Skandinavien kommen. Auch Ann-Charlotte Spangenberg will sich keine hohen Ziele stecken. „Ich fahre da ohne große Erwartungen hin, zumal ich die Konkurrenz nicht einschätzen kann“, sagt die 16-Jährige. Am Freitag bestreitet sie einen Einzellauf, vermutlich über rund vier Kilometer. Am Samstag folgt der Staffelwettbewerb und am Sonntag der Sprint.

„Ganz schön cool“

Bundestrainer Thomas Rewig nahm die Oberöderin Spangenberg als eine von nur vier deutschen Starterinnen in der Jugendklasse mit nach Rumänen, was die Zehntklässlerin des Grotefend-Gymnasiums, die von allen Lotti genannt wird, „ganz schön cool“ findet. Zumal sie den Sprung in die nationale Spitze – sie ist Zweite der Bundesrangliste – in einer rekordverdächtigen Zeit schaffte. 2012 fuhr sie zum ersten Mal zu einer Landesmeisterschaft. „Erst 2013 bin ich aber richtig eingestiegen, habe viele Wettkämpfe bestreiten können – auch dank der Unterstützung meiner Eltern – und habe auch noch mehr trainiert“, erzählt Spangenberg.

Eine gute Läuferin war sie schon früher. Nach ihrem ersten Schul-Orientierungslauf begann sie sich aber zusätzlich für die Orientierung im Gelände zu interessieren. „Es ist einfach im Vergleich zum Bahnenlaufen eine weitere Herausforderung, die mich gereizt hat“, sagt sie. Die Höhenlinien auf der vor dem Start unbekannten Wettkampfkarte, die vielen Symbole, vom Hochstand bis zur Baumwurzel, die alle richtig gedeutet werden müssen und die Einschätzung des Schwierigkeitsgrades der Strecke sind nicht einfach zu erlernen.

„Es kann durchaus sein, dass man einen Geländepunkt verpasst, falsch abbiegt und dann plötzlich irgendwo in der Wildnis steht“, beschreibt Spangenberg die Schwierigkeiten vor allem für Neulinge. Dann gelte es, sich neu in die Karte einzulesen, die man zuvor natürlich eingenordet haben muss. Noch gehört Ann-Charlotte Spangenberg zur Perspektivgruppe des Bundeskaders. Doch wenn sie sich so rasant weiter entwickelt, dürfte sie bald zum festen Bestand der deutschen Auswahl gehören. Schließlich hatte sie vor gerade einmal zwei Jahren nicht daran gedacht, sich im Juni 2015 mit den Besten Europas zu messen.

Von Manuel Brandenstein

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