1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport
  4. Sport Hann. Münden

Kreissportbund Göttingen-Osterode feiert 75. Geburtstag

Erstellt:

Von: Manuel Brandenstein

Kommentare

Kreissportbund Göttingen Ende der 1940er, Anfang 1950er Jahre: Mit einem LKW wurde das Material zu den Jugendfreizeiten transportiert. Archiv: Peter Rosenthal
Kreissportbund Göttingen Ende der 1940er, Anfang 1950er Jahre: Mit einem LKW wurde das Material zu den Jugendfreizeiten transportiert. © Archiv: Peter Rosenthal

75. Jubiläum für den Kreissportbund Göttingen - die Dachorganisation der südniedersächsischen Vereine hat sich gut entwickelt und auch der Corona-Pandemie getrotzt. Das zeigen aktuelle Zahlen.

Hann. Münden – Peter Rosenthal hat in den vergangenen Wochen viel Zeit vor dem Computer verbracht und gleichzeitig in Erinnerungen geschwelgt. Der 69-jährige Weender hat aus Aufnahmen seines Vaters einen Film zusammengestellt, der am Sonntag beim Festempfang des Kreissportbundes gezeigt wird (11 Uhr, „Wellenreiter“ Seeburg). Dann feiert die Sportorganisation ihr 75-jähriges Bestehen.

Der Kreissportbund Göttingen, seit 2016 fusioniert mit der Region Osterode, wurde am 22. März 1947 gegründet. Damals gab es noch drei Bünde: Göttingen-Land, Münden und Duderstadt, die sich alle unter anderem um den Wiederaufbau der Vereine nach dem Krieg kümmerten. Und die auf ihrer jeweiligen Kreisebene den Kindern und Jugendlichen neue Werte und vor allem lange entbehrte Freude vermitteln wollten. „Die britische Besatzungsmacht hat damals sehr darauf geachtet, dass beispielsweise die neu organisierten Ferienlager nichts mehr mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu tun hatten“, erzählt Peter Rosenthal. Oft war er dabei, wenn sein Vater Friedel als Geschäftsführer und Vorsitzender des Kreissportbundes mal wieder einen Ausflug oder eine Ferienfreizeit für den Nachwuchs organisierte. Sein Vater war auch als Kreis-Jugendpfleger eingesetzt worden.

Kopfbild Peter Rosenthal
Peter Rosenthal © Lutz Conrad

In den ersten Jahren wechselten die Orte der sportlichen Betätigung für Kinder und Jugendliche noch regelmäßig. Es ging beispielsweise an den Seeburger See, an den Edersee, ins Polstertal im Harz oder nach Heiligenhafen. „Damals wurde immer ein LKW vorausgeschickt, der unter anderem eine Gulaschkanone und die Zelte, die zum Teil aus dem Lager Friedland stammten, transportierte“, erzählt Peter Rosenthal. „Dann hat man die Kinder in den Ferien immer wöchentlich hin- und hergefahren. Das war sehr aufwendig.“ Sein Vater habe deshalb in der heimischen Region einen festen Platz gesucht, an dem der Kreissportbund flexible Angebote machen konnte. Das war ab 1955 das Ferienlager „Auf der Stolle“ bei Dahlenrode. Peter Rosenthal war dort von Beginn an dabei. „Besonders schön war, dass mein Vater damals von der Kreissparkasse eine Filmkamera zur Verfügung gestellt bekommen hatte und wir deshalb die gesamte Entwicklung aufnehmen konnten. Dadurch bin ich auch zum Hobby des Filmens gekommen“, so Peter Rosenthal, der weiterhin Vorsitzender des Fördervereins des Jugendzeltlagers Stolle ist und beruflich in Weende ein bekanntes Friseurgeschäft betrieb. Die Filmaufnahmen habe sein Vater dann im Winterhalbjahr bei vielen Sportvereinen vorgeführt.

Nach der Gebietsreform Mitte der 1970er Jahre gab es ab 1974 nur noch einen Kreissportbund, der fortan seine Jugendlichen bis in die 2000er-Jahre hinein auch nach Pelzerhaken in die Lübecker Bucht schicken konnte. Das dortige Ferienlager hatte der zuvor noch bestehende Landkreis Münden in die Neugründung des Landkreises Göttingen eingebracht. Die Mündener konnten an der Ostsee schon seit 1956 Freizeiten anbieten.

An der jüngeren Geschichte des Kreissportbundes hat unter anderen Klaus Dreßler mitgewirkt. Der Volkmarshäuser ist mittlerweile KSB-Geschäftsführer sowie -Sprecher und damit für die Außendarstellung zuständig. Einen alleinigen KSB-Vorsitzenden gibt es nicht mehr, nachdem 2005 erstmals ein sogenannter Teamvorstand gewählt worden war. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Dreßler. „In diesem Format haben es neue Ideen etwas leichter, um durchzudringen.“ Das Modell hat mittlerweile auch in einigen Vereinen auf Kreisebene Schule gemacht.

Klaus Dreßler inmitten von Kindern auf dem Multifunktionsfeld der Friedel-Rosenthal-Begegnungsstätte bei Dahlenrode.
Training auf der Stolle: Klaus Dreßler inmitten von Kindern auf dem Multifunktionsfeld der Friedel-Rosenthal-Begegnungsstätte bei Dahlenrode. © Kreissportbund Göttingen-Osterode

Der Kreissportbund habe sich immer mehr zum Partner der Vereine entwickelt, so Dreßler. Die Übungsleiterausbildung habe die Klubs beispielsweise genauso unterstützt wie viele Förderprogramme. Das finanziell größte dient zum Bau von Sportstätten, für die der KSB Zuschüsse gewähre. Der Fokus in den Vereinen hat sich im Laufe der Jahre verändert. Aufgrund alternder Mitglieder hat der Gesundheits- und Fitnesssport große Bedeutung erhalten. In diesem Bereich kann auch noch eine Steigerung der Mitgliederzahlen erreicht werden. Zur Fusion mit Osterode im Jahr 2016 brachte der KSB Göttingen 300 Vereine mit rund 56 000 Mitgliedern ein (Osterode: 150/27 500). Weiterhin werden zwei Geschäftsstellen – am Göttinger Sandweg und in Osterode –betrieben.

Die Corona-Pandemie hat im Südzipfel Niedersachsens nur zu einem leichten Mitgliederschwund geführt. „Mit minus 1,7 Prozent in 2020 und minus 0,9 in 2021 sind wir quasi Tabellenführer im Land“, so Dreßler. Die Pandemie habe in manchen Bereichen sogar Positives bewirkt. Auch im KSB-Göttingen-Osterode sei die Digitalisierung vorangeschritten. Das habe beispielsweise spontane Treffen – nun eben über Computerbildschirme – vereinfacht. In einem solchen Großkreis keine geringe Entlastung für die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Auch die Anlage auf der Stolle, in die in den vergangenen zehn Jahren investiert werden konnte, habe profitiert. „Wir haben erstmals Familienfreizeiten angeboten, nachdem aufgrund der Pandemie-Vorgaben gemischte Gruppen nicht beherbergt werden durften, und auch die Herbstfreizeiten sind neu entstanden“, berichtet Dreßler über „einen tollen Zuspruch“. Das alles darf nach 75 Jahren nun am Sonntag gemeinsam gefeiert werden. Und zwar erstmals wieder gemeinsam vor Ort und nicht online. Maskenpflicht bis zum Platz bleibt jedoch bestehen. (Manuel Brandenstein)

Auch interessant

Kommentare