Fußball im Obergericht: Die niedersächsischen Tage der Staufenberger sind gezählt

Kassel als Sehnsuchtsort

Auf ihrer Abschiedstournee durch die 2. Fußballkreisklasse machte die SG Landwehrhagen/Benterode (vorne SG-Keeper Bernd Pohr) auch Station bei der SG Bühren/Scheden. Foto:  Schröter

Staufenberg. Als im Juni des Jahres zum Saisonende die Fußballer der SG Escherode/Uschlag (1. Kreisklasse) und die der SG Landwehrhagen/Benterode (2. Kreisklasse) den Kreisfachverband Göttingen-Osterode in Richtung Kassel verließen, waren sie die letzten Mohikaner des Obergerichtes: Ab sofort gibt es aus der Gemeinde Staufenberg keine Mannschaft mehr, die im Bereich Münden spielt.

Andreas Kühne, der als Trainer bei der SG Landwehrhagen/Benterode weiter macht, ging mit eineinhalb weinenden Augen: „Ich habe mein ganzes Fußballerleben in Niedersachsen zugebracht, und dort viele Freundschaften geschlossen. Es fällt mir ganz sicher nicht leicht, jetzt nach Hessen zu gehen.“ Auf der anderen Seite aber sei „der Verein größer als man selber“.

Und für den sei der Wechsel in den Kreis Kassel notwendig gewesen. „Unsere Jugendlichen spielen schon länger bei der TuSpo Nieste. Jetzt rücken fünf A-Jugendliche in die Herrenmannschaft nach. Und die haben - anders als wir in diesem Alter - keinerlei Beziehungen mehr zu Münden. Ihre Kontakte in Schule, Beruf und Freizeit sind in Kassel. Hätten wir weiter im Kreis Göttingen gespielt, sie wären uns - voraussichtlich - von der Fahne gegangen!“

Aus vergleichbaren Gründen zeigen sich jetzt drei ehemalige Landwehrhäger Spieler, die zu Kasseler Vereinen abgewandert waren, nun wieder interessiert daran, für die heimische SG zu spielen.

Für sie alle bringt der Wechsel in die B-Liga des Kreises Kassel zudem den Vorteil der kurzen Wege: „Im Kreis Göttingen konntest Du das Pech haben, fast den ganzen Sonntag unterwegs zu sein. Hier sind die 15 Kilometer nach Baunatal die weiteste Entfernung.“

Auch der Escheröder Carsten Ernst, langjähriger und bleibender Trainer der SG Escherode/Uschlag, sieht das Hauptproblem für den Fußball im Obergericht in der niedersächsischen Randlage. „Wenn man früher in der 1. Kreisklasse spielte, dann war ein Auswärtsspiel in Dramfeld so ziemlich das Weiteste, was man haben konnte. Heute ist das Spiel bei der SG Drammetal schon die kürzeste Dienstreise.“ Diese Entwicklung habe, so Ernst, damit zu tun, dass - nicht nur in Staufenberg - immer mehr spielende Mannschaften wegbrechen. In Münden gebe es für die 1. Kreisklasse keine mehr, und im Werratal seien es ebenfalls immer weniger geworden.

„Das hat dazu geführt, dass für die Mannschaften aus dem Obergericht die Fahrtkosten immer höher wurden. Andererseits sanken die Spieltags- einnahmen, weil die Teams aus dem Göttinger Raum bestenfalls ein halbes Dutzend Zuschauer mitbrachten.“ Unter dem Strich habe sich die 1. Kreisklasse Süd für seine SG Escherode/Uschlag einfach nicht mehr gerechnet.

Der Weg nach Kassel sei, sagt Ernst, auch deshalb unvermeidlich gewesen, weil die jungen Spieler - ob sie nun direkt aus der Jugend kommen oder von einem anderen Verein - in Hessen spielen wollen, wo die kurzen Wege ein Mehr an Freizeit mit sich bringen. „Für uns war Fußball früher Freizeit und Verpflichtung in einem. Das hat sich durch die vielen Angebote für die neue Generation schon geändert.“ Hinzukomme, dass diese Generation auch rein zahlenmäßig darbe: „In Escherode“, weiß Ernst, „hat es diesem Jahr einen einzigen Konfirmanden gegeben!“ Noch sehe er nicht schwarz für den Fußball im Obergericht - doch wie es in zehn Jahren aussieht? Da könne man nur hoffen. (eko)

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