Am Wochenende startete im Fußballkreis die Fair-Play-Liga / Eltern müssen mehr Abstand halten

Ohne Schiedsrichter, na und?

In gebührendem Abstand: Die Eltern schauen nun aus etwas größerer Entfernung zu. Das Team des DSC Dransfeld I (hier im gelben Trikot gegen Bonaforth) gewann den Turnierspieltag. Fotos: Schröter

Dransfeld. Samstagvormittag, kurz nach Zehn. Auf dem Sportplatz in Dransfeld sind gerade die F-Jugendfußballer des Altkreises in die neue Saison gestartet. Dort, wo in der Vergangenheit Betreuer und Eltern heftig mitfieberten, ihre Kinder lautstark antrieben und über Schiedsrichterentscheidungen schimpften, ist es jedoch merkwürdig still. Die Regeln der auf bei den Bambinis neu eingeführten Fair-Play-Liga haben auf einen Schlag vieles verändert.

Vor dem ersten Anpfiff hatte DSC-Trainer und Spieltag-Organisator Patrick Klein Eltern und Kinder über die neuen Regeln informiert. „Die Fanzone befindet sich ab sofort in einer Entfernung von 15 Metern zum Spielfeld“, sagte er. Damit in Ruhe Fußball gespielt werden könne, seien Zwischenrufe unerwünscht. Trainer, Betreuer und Auswechselspieler hätten sich drei Meter hinter der Außenlinie aufzuhalten. „Und auch wir Trainer und Betreuer sind aufgefordert, möglichst leise zu sein und nur die nötigsten Anweisungen zu geben.“

Für die Erklärung der wohl wichtigsten Änderung nahm sich Patrick Klein etwas mehr Zeit. „In der Fair Play Liga gibt es keinen Schiedsrichter“, sagte er. Ob es ein Foul war oder ein Einwurf falsch ausgeführt wurde, würden die Spieler selbst entscheiden. „Können sie sich nicht einigen, greifen die Trainer ein“, so Klein. Und gebe es auch dann keine Einigung, sei da ja noch der stille Beobachter, der am Ende das letzte Wort habe. „Auf jeden Fall wird es sicher eine große Aufgabe für uns alle, das hinzubekommen“, meinte Klein. Und er sollte damit ziemlich falsch liegen.

Was sich dann nämlich auf dem Sportplatz abspielte, das hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten: Es wurde Fußball gespielt! Ging der Ball ins Aus, wurde er eingeworfen. Wurde ein Spieler gefoult, ging es mit Freistoß weiter. Fiel ein Tor, wurde der Ball auf den Anstoßpunkt gelegt. Alles ohne Schiedsrichterentscheidung. Alles ohne Diskussionen. Alles ohne Streitereien.

Das scheint ja tatsächlich zu funktionieren“, meint Jens Ripke, dessen Filius gerade im Dress des DSC gegen den Bonaforther SV spielt. Kurz zuvor hatte sich das noch ganz anders angehört. „Da gehen ja die Emotionen flöten“, hatte er geschimpft. Wenn man aber jetzt sehe, wie reibungslos alles laufe, könne man damit sicher klarkommen.

Eine Meinung, die Olaf Köster durchaus teilt. „Das Mitfiebern ist uns sicher etwas genommen worden, aber diese übermotivierten Eltern haben mich sowieso immer genervt“, meinte der Vater. „Und die sind jetzt deutlich eingebremst.“

Für DSC-Trainer Patrick Klein ist das neue Konzept schon jetzt ein Erfolg. „Hauptziel der Fair Play Ligen ist es, durch das Weglassen von Anweisungen die Kreativität der jungen Fußballer zu fördern und sie aus den eigenen Fehlern lernen zu lassen“, sagt er. Das Spiel ohne Schiedsrichter sei für die Kinder scheinbar kein Problem. „Die machen das einfach“, so Klein. Viel schwerer sei es für einen selbst. „Anders als früher müssen wir uns jetzt beherrschen und lernen, uns deutlich zurückzunehmen.“ Und das könne am Ende für alle Beteiligten nur gut sein.

Von Per Schröter

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