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Wenzel U17-Vizeweltmeisterin in der Kombination

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Von: Manuel Brandenstein

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Emily Wenzel (links) neben Kombinationsgewinnerin Megan Pelkey (Kanada) und Kristy Appleton (rechts, Australien).
Auf dem Siegerpodest: Emily Wenzel (links) neben Kombinationsgewinnerin Megan Pelkey (Kanada) und Kristy Appleton (rechts, Australien). © privat

Beim Ausflug auf den Gran Torre Santiago, dem mit 300 Metern höchsten Gebäude Südamerikas, konnte einem schon etwas mulmig werden. Doch Emily Wenzel stellte sich in der Hauptstadt Chiles noch ganz anderen Herausforderungen.

Santiago/Münden – Bei der U17-Weltmeisterschaft im Wasserski feierte Emily Wenzel vom WMC Hann. Münden ihren bislang größten Erfolg. „Ich konnte es kaum fassen, dass es diesmal mit einer Medaille geklappt hat. Das war mein großer Traum“, freute sich die 17-jährige Abiturientin am Grotefend-Gymnasium. Sie feierte den Vize-Weltmeistertitel in der Kombination hinter der Kanadierin Megan Pelkey und vor der Australierin Kristy Appleton. Emily konnte sich vor Glückwünschen kaum retten. „Mein Handy ist förmlich übergelaufen. Es haben sich sehr viele Menschen mit  mir gefreut“, berichtete sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland am Mittwoch.

Auch ihre Mutter Suzanne (1994 selbst Vize-Europameisterin) war mächtig stolz: „Das Resultat war wirklich toll. Vor allem, weil der Saisonbeginn gar nicht so gut gelaufen war. Aber Emily hat hart gearbeitet und das gesamte Team wurde auch von Trainer Christoph Duverger und Team-Captain Steffen Wild sehr gut vorbereitet.“

Der Deutsche Wasserski und Wakeboard-Verband hatte seinen Spitzennachwuchs schon am 12. Dezember zum Trainingslager in die chilenische Hauptstadt gebeten. Neben Emily waren in der U17-Klasse Tim Wilde aus Amberg (am Ende 6. der Gesamtwertung) und Pepe Leonhardt aus Zossen, südlich von Berlin, berufen worden (19. Gesamtwertung).

Zur Vorbereitung hatte Emily Wenzel die Saison bis in den Dezember verlängern müssen. Angesichts der kühlen Witterung in heimischen Gefilden und nur fünf Grad Wassertemperatur gar nicht so leicht. Das nötige Equipment wie Neoprenhaube und ultradickem Anzug waren ein Muss. In Chile war es über 25 Grad warm. Emily Wenzel hatte im Slalom – ihrer vermeintlich schwächsten Disziplin – zu kämpfen. Zunächst kam sie souverän durch die ersten zwei Leinenlängen von 16 und 14 Metern. Bei 13 Metern gelang ihr aber kein guter Start und so war an der dritten Boje Schluss – sie landete im Wasser. Mit 2,5 Bojen bei 13m verpasste sie den Finaleinzug. „Ich war schon etwas enttäuscht, aber meine Trainer haben mich wieder aufgebaut. Das Gute war: Auch die Konkurrenz ließ einiges liegen“, erzählt Emily. Am Abend konnte sie beim Blick auf die Punktelisten wieder lächeln und an eine vordere Platzierung in der Gesamtwertung glauben.

In der Trick-Disziplin hatte die Mündenerin locker das Finale erreicht. Sie wollte ihre Ausgangslage in der Gesamtwertung mit einer guten Wertung verbessern. Sie setzte alles auf eine Karte und startete mit einer besonders schwierigen Figur im ersten Parcours, auf die sie im Vorlauf noch verzichtet hatte. Es klappte alles wie am Schnürchen und sie konnte beide Läufe bis zum Ende durchfahren. Dank der Zusatzfigur zu Beginn aber diesmal mit einem höheren Wert von 4870 Punkten. Letztlich wurde Wenzel im Trick Fünfte unter 36 Teilnehmerinnen aus 16 Nationen.

Im Sprungfinale wurde es noch einmal richtig spannend. Die Ausgangslage für Emily Wenzel war klar: Sie hatte mit ihrer Vorlaufweite den dritten Platz in der Kombination sicher. Auf die Zweitplatzierte Kristy Appleton fehlten nur 20 Kombinationspunkte. Eine Steigerung von mindestens 50 Zentimetern würde nötig sein, um die Australierin hinter sich zu lassen. 38,90 m im ersten Finalsprung bedeuteten eine Punktlandung. Aber Appleton führte nach dem Vorlauf mit 41,60m das Feld an und hätte sich natürlich noch verbessern können. Ein paar Zusatzpunkte als Sicherheitspolster für Emily waren also wichtig. Im zweiten Sprung ging sie noch mehr ins Risiko. Sie fuhr später auf die Schanze und erreichte als Sprung-Fünfte eine Bestweite mit 39,10 Metern. Damit hatte sie zehn Kombinationspunkte Vorsprung auf Appleton. Riesenjubel im deutschen Team. Jetzt hieß es warten, ob die Australierin noch kontern konnte. Ein guter zweiter Sprung auf 41,10m war aber nicht genug. Damit hatte es Emily Wenzel, die künftig in der U21-Altersklasse startet, geschafft: Silbermedaille in der Kombination und somit zweitbeste Allrounderin der U17-Weltmeisterschaft!

Ohne große Pause liegt für Emily Wenzel, die im Februar 18 wird, nun der Fokus auf dem Abitur, das sie im Frühjahr mit einer guten Note abschließen möchte. „Bislang habe ich es immer geschafft, den durch den Sport verpassten Stoff aufzuholen“, erzählt sie. „Ich bin meiner Schule sehr dankbar, dass sie mich für Wettkämpfe immer wieder freigestellt hat.“

Ab dem Frühjahr möchte sie wieder auf der heimischen Wasserskistrecke auf der Werra bei Laubach trainieren. Doch es soll auch erneut hinaus in die Welt gehen: Noch in diesem Jahr plant sie, in den USA ein Studium an einem College aufzunehmen, das zugleich den Wasserskisport fördert. Eine Zusage liegt bereits vor. Später könnte es für die Vizeweltmeisterin mit einem Medizinstudium weitergehen. (Manuel Brandenstein)

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