Von Rotenburg nach Kassel gelaufen

13 Stunden zu Fuß durchs Fuldatal

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Nummer 418 ist am Ziel: Frank Schölzchen vom L CM Rotenburg unter dem Ortsschild von Kassel am Auedamm – anstatt am Rennsteig im Thüringer Wald. 

Wie so viele Sportveranstaltungen fiel auch der traditionsreiche Rennsteiglauf Corona zum Opfer. Frank Schölzchen fand für sich einen Ersatz.

VON RAINER HENKEL

Der Ultraläufer des LC Marathon (LCM) Rotenburg  absolvierte einen „Rennsteiglauf at home“, also vor der eigenen Haustür, hieß die Lösung.

Statt auf den Wegen des Thüringer Waldes war der 54-Jährige von seiner Heimatstadt Rotenburg aus nach Kassel unterwegs. Der Rennsteiglauf-Veranstalter hatte ihm seine Startnummer zugeschickt, als würde er die Traditionsstrecke in Thüringen in Angriff nehmen. Frank Schölzchen musste dann nachweisen, auf einer ebenso langen Distanz unterwegs gewesen zu sein.

Eigentlich sollte es für den 54-jährigen der dritte Ultralauf am Rennsteig werden. Und er sollte über 74 Kilometer führen. Erst vor sieben Jahren hatte der Steuerberatungs-Assistent, Vater zweier Töchter, durch eben diesen Wettbewerb so richtig zu den ganz langen Distanzen gefunden. Zuvor hatte er für den LCM nur an Volksläufen teilgenommen. „Ich war damals sogar Raucher“, erinnert er sich.

Nach einem Jahr hatte Frank Schölzchen in Frankfurt auf der Marathonstrecke debütiert. „Spätestens da war der Bann gebrochen“, erinnert sich der Rotenburger. Er startete bei Marathons in Berlin, Hamburg, Paris oder Amsterdam – die Wettkämpfe kombinierten er und seine Familie mit Städtereisen. Aber Schölzchen wollte mehr: Immer länger wurden die Strecken. Im vergangenen Jahr bewältigte er als Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn die 100 Kilometer von Biel in der Schweiz, einen Ultra-Klassiker.

Und nun also von Rotenburg nach Kassel. Ganz allein. Morgens um fünf Uhr ging es los, die gesamte Verpflegung für den langen Tag im Rucksack. „In einer Dorfmetzgerei habe ich mir eine Dose Mezzo-Mix gekauft, ansonsten hatte ich alles dabei“, verrät er. Nach etwa vier Stunden war Melsungen erreicht, bei Körle passierte Frank Schölzchen die Marathon-Marke.

Dann wurde es härter. Trainingsrückstand, steigende Temperaturen und Gegenwind machten Schölzchen zu schaffen, der nach eigener Aussage vom einsamen Läufer über weite Strecken zum einsamen Wanderer wurde.

Doch der Rotenburger hielt durch. Um kurz vor 16 Uhr erreichte er sein Ziel, das Ortsschild von Kassel am Auedamm. 12:49,02 Stunden notiert der Veranstalter auf seiner Ergebnisseite, auf der es allerdings keine Platzierungen gibt – zu unterschiedlich waren die Strecken, die als Ersatz dienten.

Wenn es irgendwann wieder größere Veranstaltungen gibt, wird man Frank Schölzchen nicht nur bei den großen, populären Läufen antreffen. „Für mich haben nach wie vor die kleineren Veranstaltungen in der Region wie der Bilstein-Marathon im Kaufunger Wald oder der Burgwald-Marathon in Rauschenberg einen ganz besonderen Charme.

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