Fußball-Kreisoberliga Hersfeld-Rotenburg

Andelko Urosevic: „Wir wollen uns bei Laune halten“

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An der Synchronität der Ausführung kann noch gefeilt werden – was Trainer Andelko Urosevic (vorne) in diesem Moment allerdings verborgen bleibt – womit er sicher gut leben kann. 

Nicht alle Fußball-Mannschaften nutzen die Möglichkeit, jetzt wieder zu trainieren. Die Spieler der FSG Bebra standen schon zweimal auf dem Platz. Wir waren vor Ort.

VON THOMAS WALGER

Der Haupteingang zur Biberkampfbahn in Bebra ist verschlossen. Das Rolltor, der zweite Eingang, steht aber gut einen Meter breit offen, als am Freitag gegen halb sieben die ersten Fußballer des Kreisoberligisten FSG Bebra mit ihren Autos zum Training vorfahren. Noch bevor sie die Sportanlage betreten, erinnert sie ein großes Schild daran, dass sie kein alltägliches Training erwartet: Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, steht in großen Lettern darauf geschrieben.

Auf den gepflasterten Weg zum Sporthaus sind Richtungspfeile aufgesprüht. Die Ankommenden gehen auf der rechten Seite, der Gegenverkehr hält sich links. Jetzt werden erst einmal die Hände desinfiziert.

Wer nicht schon zu Hause in seine Trainingsklamotten geschlüpft ist, zieht sich auf der Tribüne um. Auf ihr sind die Stellen markiert, an denen die Sporttaschen abgestellt werden. Der Sicherheitsabstand ist großzügig bemessen.

Über die Laufbahn geht es auf den Rasen, vorbei an einer langen Reihe von Bällen. Auf jeden ist eine Zahl aufgemalt, die einem bestimmten Spieler zugeordnet ist. Damit weiß jeder, welchen Ball er sich schnappen darf.

Aber erst einmal nehmen alle in einem weiten Kreis Aufstellung. In der Mitte steht Trainer Andelko Urosevic und hält eine kurze Ansprache, bevor ein paar Runden gelaufen werden.

Die Akteure halten reichlich Abstand, meist deutlich mehr als die geforderten 1,5 Meter. Die Stimmung ist gut. Benedikt Jaschinski, bestimmt nicht einer der Unansehnlichsten im Feld, trabt vorbei und kokettiert: „Von mir kein Foto, kein Foto von mir.“

Rainer Gleim, der Sportliche Leiter der FSG, ist überrascht, wie diszipliniert sich die Bebraer Fußballer an die Regeln halten: „Ich hatte erwartet, dass ein paar das nicht so ernst nehmen.“

Die Umstellung sei groß, auch für ihn: „Ich habe mal automatisch zur Begrüßung meine Hand ausgestreckt, sie aber gleich zurückgezogen“, sagt er. Alle Spieler, berichtet Rainer Gleim, hätten einen Haftungsausschluss zu Gunsten der Offiziellen der FSG Bebra unterschrieben. In diesem bestätigen sie, umfassend informiert worden zu sein, und verpflichten sich, die aktuellen Vorschriften einzuhalten.

Der Sportliche Leiter führt eine Liste, auf der nicht nur Trainer und Aktive, sondern alle Personen aufgeführt sind, die sich während der Übungseinheit auf oder neben dem Platz aufhalten - und sei es nur für ein paar Minuten.

Inzwischen haben sich die Spieler warmgelaufen. Wieder bilden sie einen großen Kreis um ihren Coach. Gymnastik steht auf dem Programm. Andelko Urosevic macht jede Übung vor. „Stabilisierung des Rumpfes und ein bisschen Koordination“ stehen auf dem Plan des früheren Zweitliga-Profis, der heute als selbstständiger Physiotherapeut arbeitet.

Schusstraining und Übungen mit dem Ball folgen. „Wir können jetzt ein bisschen an der Technik arbeiten. Für Kreisoberliga-Fußballer ist das auch ganz gut“, sagt er und lächelt. Ein vollwertiger Ersatz für ein Mannschaftstraining mit Zweikämpfen und Spielformen sei das alles natürlich nicht.

Aber momentan gelte es ja auch nicht, sich auf ein Punktspiel vorzubereiten. Wann das wieder ansteht? Andelko Urosevic zuckt mit den Schultern und sagt: „Das weiß niemand. Aber jetzt wollen wir uns erst einmal bei Laune halten. Allen macht es Spaß, wieder zu trainieren.“

Es gehe ja auch darum, die sozialen Kontakte zu erhalten. Selbst wenn es noch nicht möglich ist, sich danach im Sporthaus zusammenzusetzen und gemeinsam etwas zu trinken. Denn die Eingangstür des Sporthauses bleibt verschlossen.

Wegen der Fünf-Quadratmeter-Klausel in Schankräumen wäre im Gastraum des Bebraer Sporthauses auch nur Platz für fünf Personen. Also setzen sich nach dem Training alle gleich wieder ungeduscht in ihr Auto, rauschen ab und hoffen auf die Landespolitiker. Die würden überlegen, ihre Fünf-Quadratmeter-Vorschrift bald zu kippen, sagt Rainer Gleim. Nicht nur er würde sich darüber freuen. " EINWURF

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