Treue Seelen

„Der Verein ist meine Familie“: Karl Trispel engagiert sich seit 50 Jahren als Übungsleiter beim TSV Bebra

Karl Trispel sitzt zuhause auf seinem Sofa und hält einen Turnschuh in seinen Händen.
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Fit wie ein Turnschuh: Für Karl Trispel ist der Sport im Verein das Schönste.

Karl Trispel aus Bebra war schon immer am liebsten für den Sport unterwegs. So machte er sich nicht nur als Übungsleiter und aktiver Sportler einen Namen, sondern unterstütze immer auch seinen Herzensverein TSV Bebra.

Bebra – Generationen von Mädchen und Jungen haben bei Karl Trispel ihre ersten Schritte in der Leichtathletik und im Wasser gemacht. „Die Kinderaugen glänzen zu sehen, nachdem ich ihnen etwas beigebracht habe, das war für mich eine Aufgabe“, sagt der Übungsleiter des TSV Bebra, der ebenso in seiner Freizeit einigen Kindern im Biberbad in Bebra das Schwimmen beibrachte und die Bademeister bei der Abnahme des Sportabzeichens unterstütze.

In mittlerweile kaum zu glaubenden 50 Jahren Übungsleitertätigkeit ist Karl Trispel zu einer geliebten und geschätzten Institution geworden. „Der TSV hat Karl sehr viel zu verdanken“, sagt Ehrenvorsitzender Peter Kehm und ergänzt: „Er hält den Laden – trotz seines Alters – mit am Laufen.“

Dass der gebürtige Waldenburger (Schlesien) inzwischen schon 80 Jahre zählt, sieht dem fitten Mann niemand an. Seit 1951 Mitglied im TSV, geht Karl Trispel heute noch als aktiver Sportler am liebsten im Dreikampf an den Start und engagiert sich als Übungsleiter der Seniorensportgruppe, die der gelernte Maschinenschlosser 1983 zusammen mit Heinz Kreis gründete.

Karl Trispel: „Für mich war das einmalig, in diesen großen Stadien trainieren zu dürfen“

An das Amt des Übungsleiters wurde der pensionierte Lokführer schon als Jugendlicher herangeführt, seine Lizenz erwarb er aber erst 1976 in Saarbrücken. Noch im selben Jahr übernahm das TSV-Urgestein die Sportausbildung der Azubis des Bahnbetriebswerks (Bw) Bebra.

Acht Jahre später ernannte man ihn zum Auswahltrainer der Bundesbahndirektion Frankfurt. Zusammen mit den jungen Sportlern erntete er mehrere Meistertitel bei den Deutschen Jugendsporttreffen. „Für mich als kleiner Provinzler war das einmalig in diesen großen Stadien trainieren zu dürfen“, sagt der 80-Jährige, für den diese Arbeiten das Höchste in seiner Übungsleitertätigkeit auf Landesebene waren.

Für Karl Trispel ist der TSV Bebra seine Familie

Untätig war der Obstbaum-Fan, für den der Sport im Verein das Schönste ist, aber auch beim TSV Bebra nicht. Egal ob als Schüler- und Leichtathletikwart, Abnahmeberechtigter für das Deutsche Sportabzeichen oder als 4. Vorsitzender. „Der Verein hat mir so viel gegeben, deshalb musste ich ihm etwas zurückgeben“, sagt Trispel, der immer zur Stelle war, wenn er gebraucht wurde. „Der Verein ist meine Familie und für die mache ich alles.“

Vor fünf Jahren erhielt Trispel dann die Diagnose Krebs. „Da bin ich in ein tiefes Loch gefallen“, sagt er. Doch der Sportler kämpfte sich zurück und ging wenig später wieder seinem liebsten Hobby nach. Und seine Vereinskollegen empfingen ihn bei seiner Rückkehr als Übungsleiter mit euphorischem Applaus.

Karl Trispel verbrachte seine Zeit schon immer lieber beim Sport

Auch die Liste der Auszeichnungen ist in all den Jahren immer länger geworden. Dabei sticht für ihn eine besonders hervor: „Die schönste Auszeichnung ist das Sportabzeichen“, sagt der 80-Jährige, der zusammen mit seiner Frau Waltraud einen Sohn hat. Das Sportabzeichen, so ist sein Wunsch, würde er in diesem Jahr bereits zum 50. Mal in Gold ablegen.

Doch egal ob als Leichtathlet, Fußballer, Tennisspieler, Handballer, Übungsleiter oder Schiedsrichter – seine Zeit verbrachte Trispel schon immer auf den Sportanlagen im ganzen Land. „Wenn ich nicht so ein fauler Hund gewesen wäre, hätte ich auch studieren können, aber ich war lieber auf den Sportfesten“, erklärt der Allrounder, der allein für die Seniorenmannschaften des FV Bebra 400 Spiele absolvierte. „Heute frage ich mich manchmal, wie ich das geschafft habe.“

Ans Aufhören denkt Trispel aber noch immer nicht. Er will so lange weitermachen, wie die Kräfte reichen.

Von Alicia Kreth

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