Fußball: TSV Blankenheim hat Erfolg mit einem Kader, in dem viele Spieler mit fremden Wurzeln stehen

Ein Stück gelebter Integration

Die Mischung stimmt bei der ersten (in Blau) und der zweiten TSV-Mannschaft: (stehend von links) Trainer Erkan Gökhan, Bahlo Agirman, Hozan Agirman, Thorsten Krocker, Alexander Dewald, Kapitän Johannes Dewald, Tobias Grau, Erkan Serhat, Alaa Khalil, Renas Khalil, Stefan Scharold, Erkan Tolga, Marcel Pfeffer, Aydin Oezaslan, Daniel Petri (2. Vorsitzender, Marcel Müller, Istvan Orosz, Betreuer Björn Kaufmann; kniend von links: Scheruan Khalil, Renas Khalil, 1. Vorsitzender Nils Hübler, Aydin Arslan, Erkan Hizni, Domenico Becker, David Heussner, Toni Schuchmann, Alexander Isaak, Markus Dobbruntz und Daniel Krause. Foto: nh

Blankenheim. Weniger Babys gleich weniger Fußballer - diese Rechnung gilt schon lange auch in der heimischen Kickerszene. Die Folge: Selbst große Vereine bilden Spielgemeinschaften, siehe FV Bebra oder SV Rotenburg. Es gibt nur noch wenige Klubs in kleinen Orten, die selbständig an der Punkterunde teilnehmen. Einer davon ist der TSV Blankenheim.

Und der führt momentan sogar die Tabelle in der Fußball-Kreisliga B 2 an. Eine Reserve stellt er auch noch - dabei hat Blankenheim gerade mal 450 Einwohner. Wie kann das gehen? Grund genug, beim TSV mal hinter die Kulissen zu schauen.

Nur mit Blankenheimern wäre das nicht zu schaffen, sagt der frühere Vorsitzende Karlheinz Mönch. Ob nun einheimisch oder mit fremden Wurzeln - beim TSV seien junge Menschen willkommen, die Spaß am Fußball haben.

Das hat sich offenbar herumgesprochen. Das Blankenheimer Trikot tragen längst nicht nur alteingesessene Waldhessen. Etwa 50 Prozent beträgt in den beiden Männerteams der Anteil der Spieler, deren Familien nicht aus Deutschland stammen.

Das hätte sich erst kürzlich wieder bei der Weihnachtsfeier des TSV gezeigt, erzählt Nils Hübler, der aktuelle Klubchef, der gleichzeitig in der ersten Mannschaft spielt. Neben den obligatorischen Schnitzeln sei eine Suppe aus der syrischen Küche auf den Tisch gekommen, Couscous hat den Weg ins Blankenheimer Sporthaus gefunden, ein Fußballer hat Lahmacun zubereitet und mitgebracht, zum Nachtisch gab es Gebäck nach russischen Rezepten. Und dass die Frau eines Spielers verschleiert zur Feier erschienen ist, löste auch keine Grundsatzdiskussionen aus.

Die Blankenheimer versuchen den Begriff Integration mit Leben zu füllen. Wenn jemand aus den Familien der Zugezogenen mal Hilfe beim Ausfüllen eines Behördenformulars braucht, so Nils Hübler, dann setze man sich zusammen.

Einen Beleg dafür, dass ihr Weg nicht ganz falsch sein kann, liefert Nils Hübler gleich mit. „Noch während der Weihnachtsfeier hätten die deutschen Frauen nach den Rezepten der fremden Gerichte gefragt“, berichtet er.

Das Problem der kurzen Spielerdecke hat sich in den letzten beiden Jahren fast nebenbei gelöst. Nils Hübler: „Ich hatte nur Scheruan Khalil angesprochen, ob er zu uns wechseln möchte.“ Er wollte. Und es sprach sich schnell herum, dass die Blankenheimer nicht unbedingt unter sich bleiben wollen. Und dass es Spaß macht, dort zu kicken.

Der Name der syrischen Familie Khalil taucht heute gleich dreimal im Kader der Ersten auf. Neben Scheruan mischen auch seine Brüder Alaa und Renas im Kampf um den Aufstieg in die Kreisliga A mit.  einwurf Foto: Walger

Von Thomas Walger

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