Sportveranstalter in der Klemme

Die große Unsicherheit bleibt

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Läufer beim Start dicht an dicht: Unser Foto zeigt den Beginn des Halbmarathons beim Lollslauf 2019. Ob die sportliche Großveranstaltung am 11. Oktober stattfinden kann, ist noch nicht entschieden.

Veranstaltungs-Agenturen werden von der Corona-Pandemie hart getroffen. Das gilt auch bei Sportevents und damit für Heide Aust von der Agentur Speed in Neuenstein.

VON MICHAEL W. RIMKUS

Nein, zu jammern half ihr in den vergangenen Wochen nicht weiter und jetzt auch nicht. Heide Aust (49), Inhaberin der Sportagentur „Speed“ (Kreis Hersfeld-Rotenburg), fühlte ihre Hände von Tag zu Tag fester gebunden. Wie ein Damokles-Schwert schwebte und schwebt über ihren beruflichen Aktivitäten die Ungewissheit, wie, vor allem aber, ob und wann es in den nächsten Monaten mit sportlichen Großveranstaltungen in Hessen weitergehen wird.

Die Organisatorin hat verlässliche Aussagen aus der Politik vermisst. Zum Beispiel darüber, wie eine Großveranstaltung definiert wird. „Sind es 5000, 2000 oder nur 100 Personen, die eine Veranstaltung zu einer Großveranstaltung machen? Was wird aus dem Mindestabstand, was mit Hygiene-Vorgaben? Das nicht zu wissen, hat mich nervös gemacht“, sagt Heide Aust. Schließlich seien Events nicht per Knopfdruck abrufbar. Der Kessel müsse bei der Planung ständig unter Feuer bleiben.

Am vergangenen Freitag hat die hessische Landesregierung Fakten geschaffen und die jüngsten Lockerungen konkretisiert. Für Heide Aust bleibt die Situation allerdings sehr schwierig: Laut der aktuellen Verordnung sind bis zum 31. August öffentliche Veranstaltungen bis 100 Teilnehmer erlaubt, wenn die allgemeinen Abstands- und Hygienevorschriften eingehalten werden.

Heide Austs Projekte sehen weitaus mehr Teilnehmer vor. Eines davon hat sie bereits abgesagt, den Lauf zur Forstmesse auf dem Bundeswehr-Gelände in Schwarzenborn. Der „Rhön-Challenge Cup“ in Fulda mit 8000 Startern, der auf den 19. September verschoben wurde, wackelt allerdings genauso wie der Rotenburger Red Castle Run am 30. August, für den sich 960 Menschen angemeldet haben. Auch der Hersfelder Lollslauf am 11. Oktober steht auf der Kippe. Denn die aktuelle Verordnung gilt nur bis Anfang Juni.

Anschließend könnte sich alles wieder ändern - im für Heide Aust positiven wie negativen Sinne. Vielleicht sind dann vor dem 31. August Großveranstaltungen möglich, vielleicht auch erst viel später. Alles wird von der Infektionslage abhängen.

Ganz anders lief es auf zwei anderen ihrer Geschäftsfelder ab: bei SMOG (Schule machen ohne Gewalt) und dem Hessischen Basketballverband (HBV). Diese Bereiche sind durch Corona erst einmal völlig weggebrochen. Der HBV hat die Saison 2019/20 für beendet erklärt, bei SMOG sind alle geplanten Seminare abgesagt worden. „Es war aber erfreulich, wie hier rund 150 Basketballvereine schnell an einem Strang gezogen haben“, hält Heide Aust fest.

Während sie, auch dank staatlicher Soforthilfe, ihre Mitarbeiter noch nicht in Kurzarbeit schicken musste, zog sie für sich selbst einen Zusatzjob auf Honorarbasis an Land. Die Power-Frau Heide Aust, deren Arbeitstage ohnehin sehr, sehr lang sind, berät die Künzeller Firma IETEC Formenbau für orthopädische Einlagen im Hygiene-Krisenmanagement. 40 orthopädische Betriebe bundesweit zählen zum Netzwerk.

„Morgens von fünf bis sieben Uhr bin ich in der Agentur, dann geht‘s nach Fulda und am Abend wieder zurück zu „Speed“. Dass Heide Aust sich daneben noch als Volleyball-Abteilungsleiterin der TG Rotenburg um den Trainingsbetrieb und deren Inhalte kümmert, lässt ahnen, wie wenig Zeit fürs Privatleben bleibt.

Immerhin würden jetzt viele Abendtermine und die Fahrten zu ihnen wegfallen, weil die Treffen durch Videokonferenzen ersetzt worden seien. „Das gibt mir etwas Luft“, berichtet sie.

Wenn sie der Situation etwas Positives abgewinnen soll, dann, dass sportart-übergreifend Solidarität gezeigt und ein fairer Austausch geführt wird. „Viele haben erkannt, dass wir in einem Boot sitzen und nur gemeinsam die Lage meistern können.“

Ebenso positiv sei die Tatsache, dass der Kartenvorverkauf von „Sport und Show“ Mitte Januar 2021 hervorragend angelaufen ist.

Bereits 4000 Karten wurden in der ersten Verkaufsphase abgesetzt. Und die restlichen 2000 würden sicher auch noch – wie gewohnt – ihre Abnehmer finden. „Es ist ein schönes Zeichen, dass uns das Publikum nicht im Stich lässt und uns so auch Motivation gibt“, freut sich Heide Aust.

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