Stimmen zur Handball-WM 2021

„Eine völlig andere Stimmung“ - Meinungen von Spielern und Trainern aus der Region

Der deutsche Handballer Antonio Metzner (rechts) lacht seinen Mannschaftskollegen und DHB-Kapitän Uwe Gensheimer an.
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So wollen die deutschen Handballer auch am Freitag lachen: Dann trifft das Team um Kapitän Uwe Gensheimer (links) und Antonio Metzner in seinem ersten WM-Spiel auf Uruguay.

Heute beginnt in Ägypten die Handball-Weltmeisterschaft der Männer. Wir haben uns in der heimischen Handball-Szene umgehört und nach Meinungen zu dem besonderen Turnier in Corona-Zeiten gefragt.

Hersfeld-Rotenburg – Die Handball-WM in Ägypten wird ohne Fans stattfinden. Das haben die Veranstalter am Sonntagabend auf der offiziellen Internetseite bekannt gegeben.

In den vergangenen Wochen hatte es öffentliche Kritik gehagelt, weil das Turnier trotz der anhaltenden Corona-Pandemie vor einer reduzierten Anzahl Zuschauer ausgetragen werden sollte.

Jetzt ist das verantwortliche Komitee zu der Entscheidung gekommen, keine Fans zuzulassen. Zuvor hatten 14 Kapitäne der europäischen Top-Nationen, darunter auch der deutsche Spielführer Uwe Gensheimer, in einem gemeinsamen Brief an den IHF-Präsidenten Hassan Moustafa gefordert, keine Zuschauer zu den Spielen zuzulassen.

„Wichtigeres auf der Welt als Handball“

„Ich finde es absolut richtig, keine Zuschauer zuzulassen. Das gesundheitliche Risiko wäre für alle Beteiligten zu groß gewesen“, sagt Achim Birkel, Spielertrainer der SG Schenklengsfeld. Der 31-Jährige hätte auch verstehen können, wenn die WM nicht ausgetragen worden wäre. Man müsse die Gesamt-Lage sehen – es gäbe derzeit Wichtigeres auf der Welt als Handball, findet er. „Es geht zwar um viel Geld bei einer WM, aber die Gesundheit ist das oberste Gut. Das haben wir in den vergangenen Monaten ja alle erfahren müssen.“

Und so kann Birkel auch Verständnis für diejenigen Spieler aufbringen, die auf eine Teilnahme am Turnier verzichten. Auf einen Favoriten will sich der Haunecker nicht festlegen. „Da habe ich mir ehrlich gesagt noch nicht groß Gedanken gemacht“, sagt er. Deutschland traut er das Viertelfinale zu, obwohl einige Leistungsträger in Ägypten fehlen werden.

„Eine richtig gute Truppe“

Ein Befürworter dieser WM ist Robert Nolte, Trainer der ersten Männermannschaft der TG Rotenburg. „Ich freue mich auf den Handball und darauf, wieder Spiele zu sehen“, sagt er und fügt hinzu: „Die Stimmung ist leider eine völlig andere.“

Dass das deutsche Team mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler auf zwei Leistungsträger verzichten muss, findet der Coach natürlich schade, zeigt aber auch Verständnis: „Ich verstehe jeden der sagt, das geht nicht“, sagt Nolte. Zweifel am Potenzial des deutschen Kaders hegt er aber nicht. „Wir haben eine richtig gute Truppe.“ Wenn die Mannschaft bei der Vielzahl an Spielen und der extremen Belastung verletzungsfrei durchkomme, sei alles möglich. „Die Gruppenphase sollte nicht das Problem sein. Danach geht die WM erst richtig los“, sagt der TGR-Coach, der sich auch auf die Fachsimpeleien mit dem Rotenburger Team freut: „Bei den letzten Spielen ist unser Chat richtig aufgeblüht.“ Und sein Favorit? „An Dänemark führt kein Weg vorbei.“

„Die üblichen Verdächtigen auf der Rechnung“

Auch für Ute Berz ist es die richtige Entscheidung, das Turnier durchzuziehen – natürlich ohne Zuschauer. „Man muss die Sportart am Leben erhalten und im Fokus der Öffentlichkeit bleiben. Es geht ja auch um eine Menge Fernsehgelder“, sagt die Trainerin der weiblichen A-Jugend des TV Hersfeld. Die 57-Jährige weist daraufhin, dass der Profifußball trotz der angespannten Pandemie-Lage ja auch nicht pausiere. Sie habe jedoch Verständnis für Spieler, die nicht am Turnier teilnehmen wollen. „Andererseits hat Kiel ja auch Champions League gespielt. Das kann ich dann nicht wirklich nachvollziehen“, sagt sie.

Ute Berz wäre nicht überrascht, wenn in Ägypten – ähnlich wie bei der EM der Frauen – Covid-Fälle auftreten würden. „Bei 32 Mannschaften kann das durchaus passieren. Aber es muss nicht. Ich denke deshalb positiv“, sagt sie. Der deutschen Mannschaft traut sie, wenn sie sich im Turnier zurechtfände, vielleicht sogar das Halbfinale zu. Und wer wird Weltmeister? „Die üblichen Verdächtigen muss man immer auf der Rechnung haben – Spanien, Frankreich, Dänemark und Kroatien. Und in der Vorrunde können wir im direkten Duell mit Ungarn gleich einmal sehen, wie stark sie sind“, sagt Ute Berz.

„Für die Werbung des Handballsports wichtig“

Zwei unterschiedliche Sichtweisen hat Marco Naumann, Trainer der HSG Waldhessen. „Unter den Umständen von Covid-19 ist dieses Turnier fraglich. Für die Werbung des Handballsports und um die Sportart interessant zu halten, ist so eine WM wichtig“, betont der Coach, der das deutsche Team mindestens in der Hauptrunde sieht.

Dass einige Leistungsträger auf diesem Weg fehlen werden, sei kein Hindernis. „Das öffnet den Weg für andere, sich ins Rampenlicht zu spielen“, sagt Naumann, der im Kampf um den Titel einige Überraschungen für möglich hält – dadurch dass keine Zuschauer zugelassen sind. (Sascha Herrmann und Alicia Kreth)

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