Kraftsport/Powerlifting

Konrad Burghardt mit WM-Gold dekoriert

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Machte das Allerbeste aus der Situation: Eine im Abschlusstraining erlittene Verletzung kostete Konrad Burghardt in Helsingborg eine zweite Medaille. 

Trotz einer Verletzung gewann der 45-jährige Nentershäuser (Kreis Hersfeld-Rotenburg) in Schweden im Bankdrücken seiner Startklasse den Weltmeisterschaftstitel.

Immer mehr Deutsche machen Urlaub in Schweden. Konrad Burghard aus Nentershausen war jetzt auch dort. Auf der Rückfahrt hatte er allerdings nicht die üblichen Zimtschnecken oder andere skandinavische Spezialitäten im Gepäck, sondern einen Weltmeistertitel.

Der Kraftsportler hatte das hübsche südschwedische Hafenstädtchen Helsingborg nicht als Tourist besucht, sondern an den Titelkämpfen im Kraftdreikampf teilgenommen, den Powerlifting World Classics. Die drei Disziplinen heißen Kniebeuge, Bankdrücken und Kreuzheben. Bei jeder gilt es, ein möglichst hohes Gewicht zu stemmen.

Konrad Burghard tut das schon lange und mit Erfolg. Die Liste seiner nationalen und internationalen Titel ist lang. In seiner Altersklasse Masters 1 (ab 40 Jahre) startet er in der Klasse bis 105 Kilo. 98,5 brachte er in der schwedischen Hafenstadt auf die Waage. „Damit war ich der Leichteste“, berichtet der Bankkaufmann.

Eigentlich wollte er in Helsingborg nicht nur in einer Einzeldisziplin, sondern auch im Dreikampf aufs Siegertreppchen steigen. Doch daraus wurde nichts. Das war dem 45-Jährigen schon klar, als er sich in seinem Auto auf den gut 700 Kilometer langen Weg gen Norden machte: Dernn im Abschlusstraining hatte er einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich erlitten.

Eine solche Verletzung lässt einen Kraftdreikämpfer gleich in der ersten Disziplin, der Kniebeuge, hoffnungslos in Rückstand geraten. „Ich habe einen Sicherheitsversuch mit 200 Kilo gemacht“, erzählt Konrad Burghardet. Bei den jüngsten Deutschen Meisterschaften hatte er noch 92,5 Kilo mehr geschafft. Hätte er das in Schweden wiederholt, wäre ihm im Dreikampf ein Platz auf dem Treppchen sicher gewesen. Selbst die Goldmedaille, die sich der Neuseeländer Andy Mahon sicherte, wäre in Reichweite gekommen. Dessen 800,00 Dreikampf-Kilo hatte Konrad Burghard bei den nationalen Titelkämpfen aufs Gramm genau ebenfalls zu Buche stehen gehabt.

Denn in den beiden folgenden Disziplinen stellte die Verletzung für ihn kein allzu großes Handicap dar. Das zeigte sich gleich im Bankdrücken. 205 Kilo schaffte der Nentershäuser im ersten Versuch. Im zweiten scheiterte er zunächst an 215 Kilo, im dritten brachte er aber auch diese in die Höhe. Damit ist er im Bankdrücken jetzt nicht nur Weltmeister seiner Startklasse, sondern er hält auch den Championship-Europarekord.

Den Abschluss des Wettkampfs bildete das Kreuzheben. Hier war Konrad Burghardt mit 290 Kilo dabei. „Da hat bei mir die letzte Konsequenz gefehlt. Ich wusste, dass ich in der Dreikampfwertung nicht mehr nach oben kommen kann.“ Bei voller Motivation hätte er sicherlich ein paar Kilo draufgepackt. Unter den gegebenen Umständen ist Platz neun im Dreikampf und Gold im Bankdrücken allerdings eine strahlende WM-Bilanz.

Mit Reichtum ist all das nicht verbunden. Kraftdreikämpfer sind Amateure. Ihr Sport kostet sie Geld. Das gilt auch für Konrad Burghardt. Sponsoren hat er nicht. Selbst vom Bundesverband der Deutschen Kraft-Dreikämpfer gibt es für Altersklassen-Starter keinen Cent Zuschuss. Den kurzen Trip nach Schweden musste er aus eigener Tasche bezahlen. Sein goldenes Mitbringsel aber ist unbezahlbar.

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