Junge Sportler im Lockdown

„Kunstradfahren fiel komplett weg“: Lisa Hildebrandt aus Ronshausen vermisst Hobby und Halle

Startbereit: Eine Zeit lang stand das Kunstrad bei Lisa Hildebrandt nur im Keller, mittlerweile darf die 13-Jährige wieder in der Sporthalle trainieren.
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Startbereit: Eine Zeit lang stand das Kunstrad bei Lisa Hildebrandt nur im Keller, mittlerweile darf die 13-Jährige wieder in der Sporthalle trainieren.

Der Nachwuchs leidet besonders unter Corona. Deshalb fragen wir in loser Reihenfolge bei Sportlern nach, wie das Virus Leben, Sport und Freizeit verändert hat. Heute: Kunstradfahrerin Lisa Hildebrandt.

Ronshausen – Kunstradfahrerin Lisa Hildebrandt wollte im vergangenen Jahr Titel holen, aber durch die Pandemie fielen diese Ziele ins Wasser. In den vergangenen Monaten stand die 13-Jährige aus Ronshausen oftmals vor verschlossenen Türen. Die Sporthallen waren dicht. Im Interview erzählt die Nachwuchssportlerin aus Ronshausen, wie sie sich außerhalb der Hallen fit hielt und was ihr neues Rad mit ihrer Motivation zu tun hat.

Wie hat sich dein Sportjahr durch die Corona-Pandemie verändert?
Kunstradfahren fiel komplett weg, da kein richtiges Training möglich war. Das ist schon schade, weil man nichts machen konnte. Für manche Sportarten kann man auch gut zuhause trainieren, aber das ist beim Kunstradfahren anders. Wir können nur vereinzelt Übungen trainieren oder an unserer Koordination arbeiten, aber keine Übungen auf dem Rad machen, wie beispielsweise den Sattelstand.
Wieso nicht?
Auch wenn ich im Keller auf dem Rad trainieren würde, wäre dort einfach zu wenig Platz – unter anderem wegen der Höhe. Die Größe des Feldes, das ich zum Training brauche, müsste etwa zwölf mal zwölf Meter groß sein. Und da hat man ohne eine Turnhalle keine Chance. Außerdem fehlt auch die richtige Bodenbeschaffenheit. Der Boden muss relativ glatt und eben sein, sonst geht es nicht und dann würden auch die Räder kaputtgehen.
In welchem Rahmen war es in diesem Jahr für dich möglich, zu trainieren?
Am Anfang des Jahres waren die Hallen eigentlich geöffnet, aber wir durften leider nicht rein, beziehungsweise nur zweit. Dadurch dass bei uns im Verein fünf Kadersportler fahren, wäre es grundsätzlich möglich gewesen in die Hallen zu gehen, aber wegen der hohen Inzidenzen hat der Landkreis gesagt: ‘Nein, das wollen wir nicht’. Das ist auf der einen Seite falsch, aber auf der anderen Seite muss man es ein Stück weit verstehen. Denn wenn ich eine Ausnahme mache, wollen viele eine Ausnahme.
Welchen Nachteil hattet ihr dadurch?
Wir hatten den Nachteil, dass unsere Hallen am längsten und effektivsten zu waren. Von anderen Vereinen waren die Hallen offen und sie konnten trainieren, nur wir nicht. Das war eine blöde Situation, weil man nichts dagegen machen kann. Und es war ärgerlich, weil wir uns bei der einen oder anderen Übung auf dem Rad bestimmt verbessert hätten.
Wie hast du dich in dieser Zeit alternativ fit gehalten?
Wir haben von unserer Trainerin ein paar Aufgaben bekommen, die wir zuhause machen konnten – beispielsweise Handstand auf Klötzen, Seilspringen oder normale Fitness-Übungen. Eine Zeit lang habe ich auch noch andere Übungen wie Koordinationsspringen gemacht und jeden Abend den Handstand geübt – mehr war nicht möglich.
Da war es sicher nicht leicht, die Spannung hochzuhalten. Wie motivierst du dich?
Ein wenig durch die täglichen Übungen. Beim Handstande ist es ja so, wenn ich mich verbessere, habe ich automatisch mehr Motivation für den nächsten Tag. Dazu kommt die Vorfreude darauf, irgendwann wieder aufs Rad steigen zu können und mein neues Rad endlich aus dem Keller holen zu können.
Befürchtest du, dass dich die Pause in deiner Entwicklung zurückwirft?
Ja, auf dem Rad hätte ich mich in dieser Zeit auf jeden Fall verbessern können und neue Übungen lernen können – das konnte ich durch Corona nicht. Ich bin zwar im Handstand besser geworden, aber auf dem Rad nicht.
Du fährst auch im Duo, zusammen mit Hanna Schmitt. Die Abläufe müssen stimmen und die Übungen aufeinander abgestimmt. Wie schwierig ist so eine Situation für das gemeinsame Training?
Wir können unsere Übungen und die Absprachen untereinander nicht üben. Dazu kommt noch, dass ich ein neues Rad habe, auf dem wir beide noch nicht gefahren sind. Somit müssen wir dann erst mal schauen, wie das mit dem neuen Rad funktioniert.
Zwischenzeitlich waren die Sporthallen für einzelne Personen wieder offen. Für dich fand das Training aber ohne Trainerin statt. Hat das Feedback von ihr gefehlt?
Mein Vater, mit dem ich ab und zu in die Halle gegangen bin, konnte mir schon ein paar Tipps geben. Im Fachlichen konnte er mir aber nicht helfen. Deshalb haben wir die Übungen als Video aufgenommen und an meine Trainerin verschickt, sodass ich zumindest eine Rückmeldung bekommen konnte.
Wenn mal wieder alles läuft: Was wünschst du dir aus sportlicher Sicht?
Ich möchte alle Übungen so sicher wie vor der Pandemie können und mich nicht verschlechtert haben. Zudem hatte ich mich im vergangenen Jahr zusammen mit Hanna als Duo für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert, die dann leider nicht stattfanden. Ich hoffe, dass das noch mal klappt. Das Ziel ist die Deutsche Meisterschaft und dass mir das Kunstradfahren weiter Spaß macht. (Alicia Kreth)

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