SG Rotenburg/Lispenhausen

Maximilian Weber: "70 Prozent reichen nicht"

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Ein Moment des Fußball-Glücks für Maximilian Weber: In der Nachspielzeit des letzten Relegationsspiels zur Kreisoberliga im Juni vor drei Jahren brachte er mit einem Zaubertor zum 2:0 den Klassenerhalt seiner SG Rotenburg/Lispenhausen gegen Ausbach/Friedewald unter Dach und Fach. Hier wird er von Aarne Detlefsen (links) und Alexander Wahl (rechts) gefeiert. 

Maximilian Weber freut sich, dass es wieder losgeht mit dem Training. „Es ist auch schön, die Jungs jetzt wieder regelmäßig zu sehen.“

VON THOMAS WALGER

Maxi, wie ihn alle beim Fußball-A-Ligisten SG Rotenburg/Lispenhausen nennen, hat sich in der Corona-Zwangspause mit Übungen in den eigenen vier Wänden und mit Läufen fit gehalten – was er auf die Dauer als stupide empfand. „Auf dem Platz ist die Motivation größer“, sagt er, trotz der vielen Auflagen, unter denen das Mannschaftstraining aktuell steht.

Er hat jedenfalls wieder große Lust auf Fußball – auch wenn die Saison 2019/20 gar nicht nach seinem Geschmack verlaufen ist. „Die haben wir uns anders vorgestellt, gerade, nachdem wir mit Tim Schwarz noch einen richtig guten Spieler dazubekommen hatten“, sagt Maxi Weber.

Er und seine Kollegen hatten sich fest vorgenommen, nach dem Abstieg den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen. Als Corona die Punkterunde direkt nach der langen Winterpause wieder stoppte, bestanden allerdings nur noch theoretische Chancen, das Saisonziel noch zu erreichen.

„Wir haben nie klar verloren, aber von der Einstellung her war das in knappen Spielen oft viel zu wenig. Da war die Motivation unserer Gegner größer. Wenn man nur mit 70 Prozent ins Spiel geht, ist es schwer, zu gewinnen“, findet er klare Worte.

Der Unterschied zwischen den Übungseinheiten, in denen tolle Kombinationen gelungen seien, und den Spielen sei sehr groß gewesen. „Am Trainer lag das nicht. Sandro Mohr hat ein super Training gemacht. Aber wenn es bei uns nicht lief, haben wir alle spielerischen Mittel vergessen und nur noch lange Pässe gespielt.“ Sich selbst nimmt der offensive Mittelfeldspieler von dieser Kritik nicht aus: „Ich habe keine gute Hinrunde gespielt und mich in den Strudel hineinziehen lassen.“ Erst in den letzten Spielen sei es fürs Team und auch ihn besser gelaufen.

Dass der 25-Jährige unter dem Strich seiner Führungsrolle nicht wie von ihm selbst erwartet gerecht geworden ist, lag wohl auch an der langen Verletzungspause, die er hinter sich hatte.

Kurz vor dem Start der Saison 2018/19 hatte er im Testspiel gegen Gerstungen schon den zweiten Kreuzbandriss seiner Karriere erlitten. Bei beiden Verletzungen waren auch jeweils Außenband und Meniskus betroffen gewesen.

Ein dritter Kreuzbandriss würde für ihn den Abschied vom Fußball bedeuten, sagt er. Angst, dass es passiert, hat er nicht, wenn er auf dem Platz steht. Aber als in dieser Saison im Spitzenspiel gegen Neuenstein ein Gegner auf sein Knie fiel und er einen stechenden Schmerz spürte, war sie plötzlich da, diese Angst. Zum Glück war nur das Kniegelenk gestaucht. Für fünf Spiele war er trotzdem zum Zuschauen verurteilt.

Auf diese Rolle kann er gut verzichten. Er mag es, aktiv zu sein. Auch im Beruf. „Mich hinter Büchern zu verschanzen, ist nicht mein Ding“, sagt er. Deshalb hat er auch sein Studium in Kassel abgebrochen. „Was ich lerne, muss ich auch gleich anwenden“, sagt er. Mittlerweile arbeitet er als kaufmännischer Angestellter bei der Firma Naumann in Kirchheim. Ein Job, der ihm Spaß macht.

Auch privat läuft es rund. Er ist mit Alina Hollstein, einer Handballerin der TG Rotenburg, zusammen und in dieser Beziehung „sehr zufrieden“, wie er sagt. Irgendwann möchte er auch Kinder haben. Die können sich dann auf einen Papa freuen, der sich selbst wie folgt beschreibt: „Ich bin recht offen, umgänglich und herzlich, manchmal aber auch ein bisschen nervig.“ Außerdem, so fügt Maxi Weber an, „bin ich manchmal zu schnell eingeschnappt“.

Dass er ein richtig guter Fußballer ist, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Nicht nur in Rotenburg. Doch alle Versuche anderer Vereine, den torgefährlichen Kicker abzuwerben, sind bislang gescheitert.

Das liegt nicht zuletzt an seinem Opa. Der heißt Norbert Staske und ist Ehrenvorsitzender des SV Rotenburg. „Ich habe ihn nicht aufgehalten“, sagt er, „aber wenn ein Verein angerufen hat, musste Maxi nur fragen: Wissen Sie nicht, wer mein Opa ist? Ich kann doch gar nicht von Rotenburg weg.“

Seit Maxi bei den Bambini gekickt hat, hat sein Großvater ihn begleitet. Und das Kind auch mit seiner Liebe zu Bayern München angesteckt. „Maxi konnte eher Trapattoni und Beckenbauer als Oma und Opa sagen.“

Wer könnte den Fußballer Maxi Weber also besser beschreiben als Norbert Staske, der sagt: „Er ist zwar nicht der Schnellste, aber er ist stark am Ball, schießt links und rechts, auch aus der zweiten Reihe, und er hat ein gutes Auge als Vorbereiter.“

Stimmt. Und dass Maxi Weber mit diesen Fähigkeiten eigentlich nicht in die A-Liga gehört, liegt auf der Hand.

„Ich hätte den Schritt in eine höhere Klasse schon früher machen können. Aber es ist ja nicht nur die Verbundenheit mit den Jungs und dem Verein, die Familie ist ja auch darun involviert. Da bleibt man schon gerne, auch um etwas zurückzugeben.“, sagt Maximilian Weber.

Als Treueschwur für alle Zeiten will er diese Worte aber nicht verstanden wissen: „Wenn etwas sehr Interessantes käme, würde ich vielleicht doch noch mal überlegen.“ Aber ein gestandener Gruppenligist müsste es schon sein, damit er ins Grübeln kommt.

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