Situation der Großvereine im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Mitgliederschwund bei Sportvereinen bleibt aus

Eine volle Halle beim Sport: Von solchen Zeiten ist man auch bei der TG Rotenburg – hier Simon Golkowski für die Handballer in Aktion – weit entfernt.
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Eine volle Halle beim Sport: Von solchen Zeiten ist man auch bei der TG Rotenburg – hier Simon Golkowski für die Handballer in Aktion – weit entfernt.

Hersfeld-Rotenburg – Leere in den Sporthallen in ganz Deutschland, seit November steht der Amateursport still. Coronabedingt ist ein Spiel- und Wettkampfbetrieb nicht möglich, und auch gemeinsames Training ist untersagt. Wie es den Vereinen ergeht, ob sie weiterhin Angebote aufrechterhalten können und wie sich die Pandemie auf die Mitgliederzahlen auswirkt, wollten wir von drei großen Sportvereinen aus der Region wissen.

TG Rotenburg

Der TG Rotenburg geht es in der Krise insgesamt (noch) gut, einen außergewöhnlichen Mitgliederschwund hat sie nicht zu verzeichnen. Auch bei ihr wurden die Mitgliedsbeiträge bislang wie gehabt eingezogen. „Verbandsabgaben, Versicherungen - das läuft ganz normal weiter“, erklärt Sportvorstand Antonio Genovese. In der Vereinsführung warte man nun erst einmal ab, inwiefern Reaktionen der Mitglieder kämen. Sollte die Bereitschaft abnehmen, auch weiter den vollen Beitrag zu entrichten, ließe sich auf der Mitgliederversammlung über eine mögliche Lösung sprechen, sagt er. Grundsätzlich werde großer Wert auf eine gute Kommunikation mit den Mitgliedern gelegt: „Wir versuchen, alle immer auf dem Laufenden zu halten.“

In den sechs Abteilungen des Vereins steht momentan eigentlich alles still - wenngleich sich die Trainer in den Sportarten Handball und Volleyball mit Aufgaben und Trainingsprogrammen um ihre Schützlinge kümmern. Trotz des Engagements würde ihm insbesondere der Nachwuchsbereich jedoch ein paar Sorgen bereiten: „Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt inzwischen gewissermaßen die Bindung zum Sport. Ich hoffe einfach, dass wir sie wieder an den Start kriegen, wenn es dann endlich irgendwann weitergeht“, meint er.

Die Bindung der Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft ist dagegen ein Aspekt, der Genovese glücklich stimmt. Obwohl der Spielbetrieb gerade ruhe, hätten sie dem Verein bisher die Treue gehalten.

TV Hersfeld

Von einem Mitgliederschwund kann der TV Hersfeld mit seinen zwölf Abteilungen nicht berichten - im Gegenteil, zum Jahresende waren es sogar eher weniger Kündigungen als sonst, erzählt Sportwart Werner Schneider. Die Mitgliedsbeiträge werden wie gewohnt eingezogen. „Ich hoffe, dass unsere Mitglieder die Situation verstehen und sagen: Komm, wir unterstützen den Verein, bis es dann wieder weitergeht“, sagt er.

Von den Kosten, die der TVH zu tragen habe, blieben jede Menge auch während des Stillstands bestehen. So müsse beispielsweise die vereinseigene Jahnhalle weiterhin unterhalten werden und Versicherungsbeiträge, Reparaturen, Strom, Wasser, Gas oder Müll seien Posten, die weiterliefen. Dass diese zum Teil geringer ausfielen, falle nicht allzu stark ins Gewicht, meint Schneider.

Kurse wie Zumba, Trampolinspringen oder Piloxing finden schon seit einer ganzen Weile online statt, und der Rehabilitationssport, der weiterhin gestattet ist, kann in der Jahnhalle fortgesetzt werden.

TV Heringen

Beim TV Heringen mit knapp 1000 Mitgliedern in sechs Sparten ruht momentan ebenfalls das gesamte Programm. Ob dies Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen hat, kann der erste Vorsitzende Christian Brandes derzeit noch nicht einschätzen. Überdimensional viele Kündigungen seien es bisher jedoch noch nicht.

„Wir haben viele Mitglieder, die am Verein festhalten, und natürlich sind wir auch immer bemüht, sie zu halten“, erklärt Brandes. Daher versuche man zum Beispiel auch bei den Mitgliedsbeiträgen schon immer, sich an der unteren Grenze zu bewegen. 2020 habe man im ersten Halbjahr die Beiträge reduziert - ob sich dies in diesem Jahr wiederholen würde, bliebe abzuwarten. Die regelmäßigen Kosten wie Verbandsbeiträge oder Miete für das Vereinsheim liefen weiter, die gewohnten Einnahmen fehlten dagegen. In den vergangenen Jahren habe man mehrfach die Bezirksmeisterschaften im Schwimmen ausgerichtet, auch bei Handball- oder Tischtennisspielen würde in der Regel etwas für die Vereinskasse getan. „Alles, was wir bei Sportveranstaltungen einnehmen, fällt nun natürlich weg“, sagt Brandes.

Von Kristina Marth

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