Rückwärts nur im Training - Schiedsrichter Timo Wlodarczak steigt auf

Unmissverständliche Geste: Timo Wlodarczak ist Chef auf dem Platz. Foto: nh

Bebra. Der 27-Jährige vom ESV Weiterode leitet künftig auch Spiele der Fußball-Regionalliga.

Seinen Aufstieg konnte er nicht auf dem Spielfeld bejubeln, dennoch geht es nächste Saison hoch hinaus für Timo Wlodarczak: Der 27 Jahre alte Weiteröder darf als Schiedsrichter in Zukunft Spiele in der Fußball-Regionalliga pfeifen - wir berichteten. „Das war zwar ein Ziel von mir, aber so ein Aufstieg kommt immer überraschend“, sagt Wlodarczak bescheiden. „Umso mehr freut man sich.“

Der Aufstieg bestätigt auch, wie richtig der Weiteröder vor etwa einem Jahrzehnt entschied, als er die eigene Fußballer-Laufbahn bereits als A-Junior beendete. „Ich war bestimmt kein schlechter Fußballer, aber auch kein Mega-Talent“, sagt Wlodarczak. Und so tauschte er - durchaus schweren Herzens - den Ball gegen die Trillerpfeife ein. „Ich blieb dem Fußball ja verbunden“, sagt der Pfeifenmann, der eigentlich einen Trainerschein machen wollte und so einen Kurs in Regelkunde belegt hatte. „Ich bin in die Schiedsrichterei so reingerutscht“, gibt Timo Wlodarczak zu.

Timo Wlodarczak

Längst ist aus dem Hobby viel mehr geworden. Aus Timo Wlodarczaks Stimme klingt Begeisterung, wenn er von Spielen der Junioren-Meisterschaften berichtet, die er bundesweit pfeifen darf. Ein Halbfinale der U 17 zwischen Hertha BSC und Schalke 04 nennt er als bisher beeindruckend-stes Erlebnis seiner Karriere. Aber auch Regionalligaluft schnupperte er schon - als Assistent beim Spitzenspiel Elversberg gegen Saarbrücken. „Über 8000 Zuschauer waren dabei - ein tolles Erlebnis“, schwärmt der Schiedsrichter, der aber auch nicht die Bodenhaftung verliert: „Oft sind auch vermeintlich einfach scheinende Spiele sehr brisant. Mann muss erkennen, mit was für Spielertypen man es zu tun hat und wie man mit ihnen umgehen muss“, erklärt der Mann, dem Kollegen und Freunde schon vor Jahren Autorität und Konsequenz auf dem Platz bescheinigten.

Den ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner nennt Wlodarczak als guten Ratgeber, sagt aber auch: „Ich habe kein direktes Vorbild. Man kann keinen anderen Schiedsrichter nachahmen.“ Doch ehrgeizig klingt sein nächster Satz: „Natürlich ist auch jeder Schiedsrichter, der höhere Klassen als man selbst pfeift, ein Vorbild.“ Sein Nahziel: den Aufstieg bestätigen, sich als Regionalliga-Unparteiischer etablieren.

Dafür trainiert Timo Wlodarczak - logischerweise anders als ein Spieler. „Intervallläufe, Grundfitness und - besonders wichtig - Rückwärtslaufen“ nennt er als Trainingsinhalte: „Man muss ja das Geschehen immer im Blick haben können.“

Übrigens kann Wlodarczak die Schiri-Brille auch absetzen, wie er sagt: „Ich kann mich auch als Zuschauer an einem schönen Fußballspiel freuen, ohne im Geiste in die Rolle des Unparteiischen zu schlüpfen.“ Und wenn ihm eine Entscheidung falsch erscheint? Wlodarczak kann auch Diplomatie: „Ich weiß doch genau, wie schwer das ist. Die haben keine Super-Zeitlupe.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.