Handball-EM aus waldhessischer Sicht

Verhaltener Optimismus unter den Fans vor dem Anwurf 

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Rainer Osmann, ehemaliger Profi-Trainer.

Deutschland bestreitet bei der Europameisterschaft heute ab 18.15 Uhr gegen die Niederlande sein erstes Spiel. Wir haben uns in der heimischen Handball-Szene umgehört.

VON SASCHA HERRMANN UND THOMAS WALGER

Die Handball-EM findet ohne die kleine Fangruppe aus Oberhaun statt, die jeder Handball-Interessierte sicher schon mal bei einer Fernsehübertragung gesehen hat. Mit Pullovern in Schwarz-Rot-Gold sowie den dazu passenden Hüten und einem Banner unterstützen sie seit vielen Jahren die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Allerdings vorwiegend bei Weltmeisterschaften.

„Diesmal sind wir nicht dabei, aber wir schauen uns die Spiele gemeinsam im Fernsehen an“, berichtet Guido Löffler (50) stellvertretend für die „Oberhauner Gang“. Gemeinsam mit Reiner Fohr hat sich Löffler vergangenen Samstag in Mannheim den Sieg im vorletzten Testspiel gegen Island angesehen. „Wir haben gerade in der zweiten Hälfte ein gutes, schnelles und freches Spiel gesehen, nicht auch zuletzt durch den erfahrenen Jogi Bitter im Tor. Natürlich lief das Angriffsspiel noch nicht so rund, aber wir sind eine Mannschaft, die sich im Turnierverlauf steigern kann“, sagt Löffler.

Er hoffe, dass Bundestrainer Prokop bei engen Spielverläufen nicht wieder die Übersicht verliere und die Mannschaft mit seinen Ideen überfordere, wie das beispielsweise bei der WM 2018 in Berlin im Spiel gegen Frankreich der Fall war. „Wenn es gut läuft, traue ich der Mannschaft das Halbfinale zu“, sagt Löffler.

Marco Naumann, ehemaliger Kreisläufer unter anderem des Bezirksoberligisten HSG Werra WHO und heutiger Trainer der HSG Waldhessen, wird sich die EM vornehmlich vom eigenen Sofa aus anschauen. „Ich bin zwar handballverrückt, aber so verrückt auch nicht. Die Reisen nach Norwegen, Schweden oder Österreich sind mir dann doch zu weit.“

Die Testsiege der deutschen Mannschaft gegen Island und Österreich hat er im Fernsehen gesehen. Er traut ihr zu, bis ins Halbfinale vorzustoßen. „Ich bin gespannt, was die jungen nachnominierten Spieler David Schmidt, Patrick Zieker und Marian Michalczik leisten können“, sagt Naumann.

Rainer Osmann (69), der nach der Wende die SG Heringen-Obersuhl coachte und dann den ThSV Eisenach für viele Jahre in der 1. Bundesliga etablierte, sammelte internationale Erfahrungen im Männer-Bereich als Trainer der österreichischen Nationalmannschaft. Aus dieser Zeit sind viele Kontakte bestehen geblieben. Nun folgt er einer Einladung des Verbandes nach Wien, um sich EM-Spiele anzuschauen.

„Das Halbfinale ist drin. Ich sehe auch die Chance auf eine Überraschung“, sagt Rainer Osmann zu den Aussichten der Deutschen. Aber die Mannschaft brauche eine größere Konstanz über die vollen 60 Spielminuten.

Auftaktgegner Niederlande hält er für international zweitklassig. Auch in der Zwischenrunde könnten mit Mazedonien, Ukraine, Österreich oder Tschechien lösbare Aufgaben warten. Torhüter Andreas Wolff traut er sogar zu, dem Turnier seinen Stempel aufzudrücken. Als mögliches Manko sieht Osmann die im Vergleich zur Konkurrenz sehr hohen Belastungen der deutschen Spieler in ihren Vereinen.

Kai Hüter trainiert seit dieser Saison die zweite Mannschaft des TV Hersfeld in der Handball-Bezirksoberliga. Der langjährige Ausnahme-Torhüter ist vor Beginn der EM zuversichtlich und sieht die deutsche Mannschaft gut aufgestellt. „Was da ohne die verletzungsbedingten Ausfälle auf der Platte steht, ist das Beste, was der Bundestrainer aufbieten kann“, sagt der 40-Jährige. Dass der Melsunger Hüne Finn Lemke erneut nicht im Kader steht, sieht Hüter als richtige Entscheidung an. „Lemke kann leider nur Abwehr, und ich bin kein Freund von Abwehr-Angriff-Wechseln“, sagt er.

Eine Meinung hat (Tor-)Hüter natürlich auch zur Nominierung von Routinier „Jogi“ Bitter: „Ich find’s geil, weil er es sich verdient hat, und ich zudem Heinevetter nicht mag.“ Sechs bis acht Teams kämen fürs Halbfinale infrage. „Deutschland gehört dazu“, meint Hüter.

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