Hofgeismars Fußball liegt am Boden – Fehler der Vergangenheit rächen sich – Neuaufbau zeigt erste Früchte

TSG aktuell: Traurig – Sieglos – Glücklos

Vorsichtig optimistischer Blick: Abteilungleister Maik Kolle (links) und TSG-Torwart Tim Kolle haben durchaus Hoffnung, dass es in dieser Saison noch zu einer Wende bei der TSG kommt. Foto: Rieß

Hofgeismar. Der Hofgeismarer Fußball ist am Boden. 2011 war die TSG noch Siebter der Kreisoberliga. 2012 schaffte sie immerhin den Klassenerhalt in der Relegation, 2013 stieg sie ab in die Kreisliga A. Nach einem siebten Platz im Jahr 2014 kämpfte sie dort in der vergangenen Saison fast bis zum Schluss (erfolgreich) um den Klassenerhalt. Und in dieser Saison? Neun Spiele, null Punkte, 4:57 Tore. Das Vereinskürzel TSG, das eigentlich für Turn- und Sportgemeinde steht, hat eine neue Bedeutung: Traurig. Sieglos. Glücklos.

Fußballerisch haben die kleinen Ortsteile um die Kernstadt der einst stolzen TSG den Rang abgelaufen. Carlsdorf, Hümme und Schöneberg, die allesamt auch in der A-Liga spielen, haben zusammen in etwa so viele Tor in dieser Saison kassiert, wie die TSG alleine.

„Wenn wir hinten liegen, dann kommt der Einbruch“, hat Torwart Tim Kolle analysiert. Denn ganz so schlecht, wie es die Tabelle aussagt, ist die TSG eigentlich nicht. Oft hält sie bis zur Pause gut mit, bevor das Unheil seinen Lauf nimmt. Der Mannschaft fehlt Stabilität. Und Kontinuität. Zwei Zahlen belegen dies eindeutig. Nur ein Spieler, nämlich Kolle, war in allen neun Saisonspielen dabei. Das gibt es bei keiner anderen Mannschaft im Fußballkreis. Und: In dieser Saison waren schon 28 Spieler im Einsatz – auch das ist Rekord.

Maik Kolle, der seit Frühjahr den undankbaren Posten des Abteilungsleiters übernahm, kennt die Probleme. Er beschönigt sie auch nicht. Eine Kernmannschaft habe sich noch nicht richtig herauskristallisiert. „In der Breite sind wir gut aufgestellt“, sagt er. 20 Mann seien regelmäßig beim Training ergänzt Tim Kolle. Doch wenn Spieltag ist, gebe es häufig Absagen. Höhepunkt war vor knapp zwei Wochen, als sich kurzfristig acht Leute abmeldeten und die TSG bei Calden/Meimbressen II eine rekordverdächtige 0:18-Klatsche kassierte.

Doch Vater und Sohn Kolle belassen es nicht dabei, Wunden zu lecken und in Depression zu verfallen. „Die Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht“, spricht Tim Kolle aus, was im Fußballkreis ohnehin jeder weiß. Zunächst wurden die älteren Jugendjahrgänge vernachlässigte – heute hat die große TSG keine A- und B-Jugend mehr. Dann kam es zu Querelen in der Mannschaft. Spieler konnten nicht miteinander. Und auch Missverständisse sowie angedeutete oder tatsächliche Versprechungen führten zu Missstimmungen. Nach außen sichtbar wurde der Streit im November vergangenen Jahres. Über ein Dutzend Spieler hörte von einem auf die anderen Tag auf. Die TSG spielte die Saison dennoch zu Ende. Sportlich fair. Nur einmal konnte sie keine Mannschaft stellen.

„Das ist Vergangenheit“, sagt Fußballchef Kolle und unterstreicht damit, dass die TSG nach vorne blickt. Mit Harald Westermann hat sie einen Trainer, der Profil hat und dessen Wort in Fußballerkreisen Gewicht hat. „Wir hoffen, dass es ihm und uns gelingt, in der Winterpause einige Spieler neu zu verpflichten.“

„Noch sind es nur sechs Punkte Rückstand.“

Tim Kolle

Die nämlich braucht die TSG, um endlich in den Kader Stabilität zu bekommen. Spieler, die sich mit der TSG identifizieren, die nicht nur mit Köpfchen, sondern auch mit Herzblut spielen. „Zur Zeit sieht es ganz gut aus“, sagt Kolle. Ob der Klassenerhalt gelingen wird? „Noch sind es nur sechs Punkte Rückstand“, sagt Tim Kolle und macht damit deutlich, dass man sich noch keineswegs aufgegeben hat.

Von Michael Rieß

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