Kassels Sportkreis-Chef Roland Tölle über die Folgen des Stillstands

Ein Stück Leben geht verloren

Sportkreisvorsitzender Roland Tölle (im Bild) am OSC Vellmar-Sportplatz (Fußballplatz), Pia Malmus. Foto
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Sportkreisvorsitzender Roland Tölle (im Bild) am OSC Vellmar-Sportplatz (Fußballplatz), Pia Malmus. Foto

Der Sport steht still - und auch das gesellschaftliche Leben. Im Gespräch mit unserer Zeitung weist der Chef des Sportkreises Region Kassel, Roland Tölle, darauf hin, wie sehr die Sportvereine das leben in den Orten prägt.

Hofgeismar – Die Volleyballer haben die Saison bereits für beendet erklärt, für Tischtennis kam am Donnerstag die Meldung und auch Handball wird im Amateurbereich nicht mehr gespielt. Die Corona-Pandemie und der Lockdown legen den Hallensport lahm. Und auch die Fußballer wissen noch nicht, wann sie wieder im Freien kicken können. Wenn der Lockdown tatsächlich in drei Wochen endet und dann sofort Training wieder erlaubt wäre, könnte rechnerisch der Re-Start in die Saison noch möglich sein.

In den nächsten Tagen werden die Kreisfußballwarte per Videokonferenz die Situation erörtern. Entscheidungen kann es aber nicht geben, solange die Politik nicht grünes Licht gegeben hat. Dort wird der Lockdown, verständlicherweise, vor allem von zwei Perspektiven aus betrachtet. Zum einen die wirtschaftliche: Bei vielen Menschen (Stichworte: Einzelhandel, Kulturschaffende, Gastronomie) geht es um die Existenz. Hier Lösungen zu finden hat Priorität. Hinzu kommt, mit Blick auf die Kinder, der Aspekt der Bildung und der Zukunftschancen einer Generation. Auch das steht auf der Prioritätenliste ganz oben und wird auch von Sportlern nicht bezweifelt.

Die Wichtigkeit der Sportvereine dürfe man angesichts dieser großen Aufgaben aber nicht vergessen, mahnt der Vorsitzende des Sportkreises Kassel, Roland Tölle. Denn die Sportvereine sind mehr als Vereine, in denen Sport angeboten wird. Sie sind Teil des gesellschaftlichen Lebens. Mit ihren Veranstaltungen – vom Karneval bis zum Weihnachsmarkt – bieten viele Vereine, jene Veranstaltungen an, die den gegenseitigen Kontakt ermöglichen. Und auch die Spiele, die die Zuschauer auf die Sportplätze oder in die Hallen locken, seien mehr als ein Kampf um Punkte. Gerade für ältere Menschen seien dies die wöchentlichen Ereignisse, wo sie ihre Kontakte pflegen. Stammtische oder Kaffeerunden hätten ihren Ursprung oft in Sportvereinen. Und für Kinder und Jugendlichen seien die Vereine der Ort, wo sie soziales Miteinander lernen.

Die Folgen des eingeschränkten oder gänzlich unmöglichen Vereinslebens seit März vergangenen Jahres seien in vielen Vereinen deutlich spürbar: Weil es kaum Angebote gab und gibt, fehlen auch Zugänge. Da die Zahl der Abgänge aber konstant bleibe, verlieren die Vereine an Mitgliedern.

Finanziell können die Klubs das meist verkraften. Schlimmer sei, dass die Bindung der Mitglieder zum Verein leide. Gerade die aber sei nötig, um die ehrenamtliche Arbeit leisten zu können Zudem hätten die Vereine im vergangenen Jahr viel Zeit und Geld investiert, um in Corona-Zeiten die Hygienevorgaben umzusetzen. Den Lohn dieser Anstrengung können sie jetzt im Lockdown nicht ernten.

Er hoffe, dass den Vereinen nach dem Lockdown ein guter Start glücke. Denn ohne Vereine ginge gerade im ländlichen Raum die soziale Komponente im Ort und damit ein Stück Leben verloren, lenkt Tölle das Augenmerk auf die gesellschaftliche Bedeutung der Vereine. (Michael Rieß)

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