Knappheit

„Schönstes Hobby der Welt“ – Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting spricht über den Schiedsrichter-Job

Auf dem Foto sind mehrere Männer zu sehen.
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Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting selbst in Aktion: Bei einem Kreisoberligaspiel nahe Frankenberg wollen die Spieler seine Entscheidung nicht akzeptieren.

Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting äußert sich zur Situation der Unparteiischen im Fußballkreis Hofgeismar-Wolfhagen.

Hofgeismar – Die Fußballpause eignet sich, um mal den Job des 12. Mannes auf dem Feld zu beleuchten. Immer noch hat der Schiedsrichter sehr oft einen schlechten Ruf. Das soll laut Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting aufhören: „Diese Vorurteile müssen verschwinden. Viele vergessen, dass wir Schiedsrichter die Verantwortung für alles haben“, sagt Mike Britting.

Damit meint er nicht nur die Verantwortung für das, was auf dem Platz passiert, sondern auch für die Trainer, Verantwortliche und all diejenigen, die abseits des Feldes für Aufsehen sorgen können, wie zum Beispiel die Zuschauer.

Fußballkreis Hofgeismar-Wolfhagen: Aktuell 91 aktive Schiedsrichter gemeldet

Derzeit gibt es im Fußballkreis Hofgeismar-Wolfhagen 91 aktive Schiedsrichter. Dazu kommen drei separate Betreuer, die die Jungschiedsrichter betreuen. Außerdem zählt der Kreis elf Passive dazu. Diese Zahl wirkt vielleicht erst mal ganz passabel, ist laut Britting jedoch viel zu wenig: „Angefangen haben wir mal mit 120 Schiedsrichtern. Daran hätte man auch noch arbeiten können.“

Also ist das Problem nach wie vor klar: Es gibt zu wenige Unparteiische. Denn dann gibt es auch noch diejenigen, die selbst aktiv Fußballspielen. „Da kollidieren die Zeiten des eigenen Spiels mit denen der Einsätze als Unparteiischer“, sagt Britting.

Hilfe und Austausch von Schiedsrichtern mit Nachbarkreisen

Außerdem sei es völlig normal, dass einige mal im Urlaub oder verletzt sind. „Dann fallen sie schlichtweg aus“, sagt Britting. Im kritischsten Fall ist die Hilfe aus anderen Fußballkreisen nötig. „Es besteht ein regelmäßiger Austausch mit unseren Nachbarkreisen. Wenn es zu knapp wird, helfen wir uns gegenseitig.“ Dennoch kann sich der Fußballkreis Hofgeismar-Wolfhagen glücklich schätzen, denn vier Schiedsrichter pfeifen sogar in der Hessenliga. Das sind Philipp Metzger und Alexander Wahl (Wolfhagen), Daniel Losinski (Calden) sowie Leon Kanwischer (Zierenberg). „Darauf sind wir natürlich stolz. Dennoch werden die vier Jungs vor allem dann auch bei höherklassigen Partien eingesetzt – und prompt ist ein Schiedsrichtergespann aus drei Leuten geblockt“, erklärt Britting.

So hat jeder positive Aspekt leider auch eine Schattenseite. So wie auch mit den Vorurteilen, die Britting am liebsten für immer streichen wollen würde. Neben der großen Verantwortung kommen beim Schiedsrichter-Dasein auch noch die Vor- sowie Nachbereitung dazu, die Regeln müssen sitzen, auch die körperliche Fitness muss stimmen. „Doch Schiedsrichter sein ist das schönste Hobby der Welt“, sagt der Kreisschiedsrichterobmann. Werbung für neue, interessierte Anwärter sei vorwiegend durch Mundpropaganda möglich. „Früher war das einfacher. Da war es üblich, sonntags auf dem Sportplatz zu stehen. Dort ergaben sich dann solche Gespräche“, sagt Britting. Heutzutage seien andere Angebote wie Playstation oder am Sonntag zuhause entspannen sehr verlockend.

Laut Kreisschiedsrichterobmann Mike Britting ist es dringend notwendig, mehr Schiedsrichter zu melden

Doch Britting warnt: „Es gibt ein Schiedsrichter-Soll ab dem 1. Juli. Jeder Verein muss seinen Beitrag leisten, Schiedsrichter melden und zur Verfügung stellen.“

Denn es möchte doch niemand, dass am Ende die Fußballspiele nicht angepfiffen werden können, nur weil keine Schiedsrichter an diesem Wochenende zum Abruf stehen. Vor allem gibt es solchen Mangel in den unteren Ligen. „Da könnte es noch problematischer werden“, sagt Britting. So sei die Devise erst mal: Die Zahlen halten und durch Mundpropaganda Menschen „vom schönsten Hobby der Welt“ überzeugen. (Cora Zinn)

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