Andreas Weinreich macht die Spielpläne – Reserve-Teams sind zum Saisonende besonders beliebt

Der Schlüsselmann zum Geld

Ob Ehrenamt oder Spielpläne: Andreas Weinreich vom FSV Dörnberg ist in vielfacher Weise für den Fußball engagiert. Archiv-Foto: zhj

Hofgeismar/Wolfhagen. Nein, mit einem Schweizer Nummernkonto hat es nichts zu tun, wenn Andreas Weinreich von Schlüsseln und Nummern spricht und davon, dass beides pures Geld bedeuten kann. Der Dörnberger macht den Spielplan für die diversen Ligen im Fußballkreis und bekommt dabei allerhand Wünsche mitgeteilt. Warum es schwierig ist, diese alle zu erfüllen, versuchen wir zu erklären.

?Werden die Spielpläne per Hand erstellt?

!Nein. Schon lange nicht mehr. Jeder Verein erhält eine Nummer, die sogenannte Schlüsselzahl. Der Computer spuckt dann die Spieltage aus.

?Was ist dann so schwierig? Jeder Klub kriegt seine Nummer. Und fertig.

!So einfach macht man es sich im Kreis nicht. Man versucht die Wünsche der Vereine zu berücksichtigen.

?Welche Wünsche sind das denn?

!Ganz unterschiedliche. Wenn Kirmes am Ort ist, will man am nächsten Tag nicht spielen. Und es gibt viele Feste: Ritterspiele in Oberelsungen beispielsweise oder auch ein Oktoberfest in Immenhausen. Meist sind die Fußballer hier mit eingespannt und daher am nächsten Tag schlecht einsetzbar. Andere wollen gerade bei Festen vorher ein Heimspiel – womöglich gegen einen unmittelbaren Nachbarn, der viele Zuschauer mitbringt, die dann eventuell beim Fest auch noch eine Bratwurst essen und so die Vereinskasse ein bisschen füllen.

?Gibt es auch sportliche Gründe für bestimmte Schlüsselnummern oder nur gesellschaftliche?

!Es gibt auch sportliche. Calden/Meimbressen ist so ein Beispiel. Den Caldener Kaiserplatz nutzen auch die Regionalliga-Kickerinnen für ihre Spiele. „Um mit unseren Damen nicht ins Gehege zu kommen, würden wir gerne unsere Heimspiele an den geraden Wochenenden durchführen“, bat deshalb die SG Calden/Meimbressen. Manchmal sind es auch ganz profane Gründe: „Am 21. August und 18. September ist unser Sportplatz belegt“, schreibt der TSV Zierenberg. Die Folge: Er braucht für beide Termine Auswärtsspiele.

?Warum tauschen die betroffenen Klubs dann nicht einfach das Heimrecht?

!Das ist so einfach nicht, da die meisten Vereine mehrere Mannschaft im Spielbetrieb haben. Tauscht eine, möchten die anderen auch tauschen, weil –- beispielsweise bei Heimspielen – der logistische Aufwand ähnlich hoch ist, ob eine oder zwei Mannschaften zu Hause spielen.

?Für wie viele Spiele gibt es in etwa Änderungswünsche?

!Andreas Weinreich schätzt, dass es etwa zehn Prozent der Begegnungen betrifft.

?Und wieviele Wünsche können erfüllt werden?

!In etwa zwei Drittel. Mehr geht nicht, sagt Weinreich, weil die Zwänge, die beispielsweise aus der Gruppenliga vorgegeben sind, zu hoch sind.

?Auf was wird bei der Spielplangestaltung noch Rücksicht genommen.

!Auf örtliche Begebenheiten, sagt Weinreich. Die TSG und Inter Hofgeismar sollen beispielsweise nicht gleichzeitig Heimspiele haben. Sie sind zwar in unterschiedlichen Ligen, aber durch die gegenläufigen Schlüsselnummern kommt vielleicht der ein oder andere Zuschauer mehr zu einem der Spiele. Und jeder Zuschauer lässt ein paar Euro auf dem Sportplatz. Die Schlüsselnummer ist also auch ein wenig der Schlüssel zum Geld.

?Gibt es auch Wünsche, die generell nicht erfüllt werden?

!Ja. Sie haben mit den Reservermannschaften der Gruppenligisten zu tun. Viele Vereine wollen möglichst am Ende der Saison gegen diese Teams spielen. An den letzten vier Spieltagen dürfen nämlich in den zweiten Mannschaften nur Spieler eingesetzt werden, die höchstens fünf Mal in der Ersten spielten. Oft sind die Reserveteams am Saisonende daher schwächer als vorher, weil sich manch einer in der Ersten festgespielt hat.

?Hat Weinreich auch Lieblingsvereine?

!Er selbst wird es verneinen. Aber aus spielplantechnischer Sicht sind ihm Klubs wie Riede, Espenau und Ostheim/Zwergen/Liebenau natürlich ans Herz gewachsen. Die Vereine haben nur eine Mannschaft, können also leichter tauschen als Klubs die mehr Teams im Betrieb haben.

?Im Umgkehrschluss hieße das, dass Vereine, die drei Mannschaften im Rennen haben, unbeliebt sind ?

!Theoretisch ja, praktisch nein. Denn es gibt nur noch drei Vereine, die dies schaffen: Reinhardshagen, Immenhausen und Dörnberg. Und Weinreich ist Dörnberger und weiß daher gerade um die Sorgen dieser Klubs.

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